Prinz Grizzley erzählte musikalisch eindrucksvoll die Geschichte seiner Großeltern. (Foto: Daniel Furxer)
Michael Pekler · 26. Jul 2023 ·

Neu in den Kinos: „Geistervilla“

In einer verfluchten Südstaatenvilla versucht sich ein buntes Grüppchen als Geisterjäger. Der populäre Disney-Themenpark öffnet zum dritten Mal im Kino seine Pforten: Gruselspaß mit Owen Wilson als Pfarrer und Jamie Lee Curtis als Kopf.

Das Verfluchte bei verfluchten Häusern ist, dass man ihnen nicht mehr entkommt, bevor ihr Fluch aufgehoben ist. Was hat die Kinogeschichte, kräftig unterstützt von den Schauerromanen des späten 18. Jahrhunderts, in den Geisterhäusern nicht schon alles auf sein armes Publikum losgelassen: lebendig Begrabene, rachsüchtige Witwen, sadistische Schlossherren und kopflose Ritter bilden nur einen Bruchteil des durch die Populärkultur polternden Personals im Haunted House.
Für die Horrorkomödie „Geistervilla“ („Haunted Mansion“) braucht man kulturhistorisch jedoch nicht geschult zu sein und nicht zu wissen, warum nach der Französischen Revolution die Dekadenz des Adels zumindest in der Schauerliteratur in den Schlössern und Herrschaftshäusern als Spuk fortlebte. Für „Geistervilla“ genügt es zu wissen, dass dieser Film auf einem gleichnamigen Disney-Themenpark beruht, in dem man sich als Familie gegen Entgelt wohligem Grusel aussetzen soll. Dass man keine Angst, sondern Spaß haben kann. Weshalb in „Geistervilla“ die seit ihren Auftritten in der „Halloween“-Reihe als Scream Queen verehrte Jamie Lee Curtis einen Kopf spielt, durchsichtige Figuren durch mit Kandelabern gespickte Gänge schweben und eine Ritterrüstung sich ausgerechnet immer dann bewegt, wenn niemand hinschaut. Einen verblichenen und nunmehr herumspukenden Schlossherren gibt es auch, und dessen Geheimnis zu lösen ist Aufgabe einer unfreiwillig anwesenden Gruppe höchst unterschiedlicher Geisterjäger.

Verfallen und verrufen

Regisseur Justin Simien, der vor einigen Jahren mit der schwarzen Komödie „Dear White People“ einen Achtungserfolg erzielen konnte, konzentriert sich zumindest anfänglich auf die Etablierung von Schauplatz und Figuren: Die alleinerziehende Mutter (Rosario Dawson) versucht außerhalb von New Orleans mit ihrem vorbildlich braven Sohn einen Neuanfang, doch die zu beziehende Südstaatenvilla, selbstverständlich verfallen und verrufen, sorgt durch Eigenleben für Unannehmlichkeiten. Woraufhin sich ein fescher Touristenführer (Lakeith Stanfield) – Achtung, love interest! –, ein Pater mit Flachmann (Owen Wilson), ein überdrehter Historiker (Danny DeVito) und eine sich als Medium andienende Wahrsagerin (Tiffany Haddish) formieren, um der verfolgten Frau beizustehen.
Während man der Ursache für den Spuk naturgemäß immer näher kommt, gerät die Erzählung (Drehbuch: „Ghostbusters“-Autorin Katie Dippold) hingegen zunehmend aus der Spur: Ein wenig Slapstick hier, ein wenig Wortwitz da, ein wenig Melodramatik und Trauerarbeit dort. Denn wie man selbst in einem Themenpark, hält sich auch dieser Film nirgendwo lange auf, zumal die nächste Attraktion schon wartet.
Als Horrorkomödie funktioniert „Geistervilla“ dennoch besser als der gleichnamige – weil auf demselben Stoff basierende – Vorgänger mit Eddie Murphy, der bereits vor zwanzig Jahren als Immobilienmakler seine spukende Südstaatenvilla verkaufen wollte. Wiewohl wahre Freunde des Genres vermutlich ohnehin bereits den perfekten Disney-Gruselspaß entdeckt haben dürften, wenn in „Muppets Haunted Mansion“ Gonzo („Wir müssen nichts weiter tun als die Nacht in dieser Geistervilla zu überleben?“) als Mutprobe ein verfluchtes Herrenhaus besucht. Und Miss Piggy die Kopf-Rolle spielt. Wer sich dennoch abermals in „Geistervilla“ wagt: Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei.