Prinz Grizzley erzählte musikalisch eindrucksvoll die Geschichte seiner Großeltern. (Foto: Daniel Furxer)
Silvia Thurner · 25. Jul 2023 · Musik

Enttäuschendes erstes Festspielkonzert

Die Wiener Symphoniker hatten einen wenig inspirierten Auftritt

Die Orchesterkonzerte im Rahmen der Bregenzer Festspiele sind wichtige Ereignisse der Saison. Seinen Auftritt beim ersten Orchesterkonzert musste der Dirigent und Musiker Omer Meir Wellber krankheitsbedingt leider absagen. Das bedeutete, dass die mit Freude erwartete Uraufführung des Werkes „In Motion“ von Ayal Adler nicht stattfinden konnte. Stattdessen gab der aufstrebende italienische Dirigent Guiseppe Mengoli sein Debüt in Bregenz. Er überzeugte, doch die Werkauswahl und vor allem die Spielhaltung der Wiener Symphoniker hielten den Ansprüchen an ein Festspielkonzert nicht stand.

Dabei hatte das Konzert mit Haydns „Oxford-Sinfonie“ Nr. 92, Hob.1:92 vielversprechend begonnen. Markant und detailreich phrasierten die Wiener Symphoniker die Themen in den ersten beiden Sätzen. Dynamische Kontraste bildeten beziehungsreiche Gegensätze zwischen straffen Tonfortschreitungen und fließenden melodischen Bögen aus. Zu zurückhaltend und unverbindlich gestalteten die Musiker:innen allerdings das Menuett und auch das Finale.
Die „Variationen über ein Thema von Joseph Haydn“ op. 56a von Johannes Brahms wurden wohl aus dramaturgischen Gründen ins Programm aufgenommen. Über den sogenannten Choral „St. Antoni“ hat Brahms Variationen geschrieben, die einem Orchester Gelegenheit bieten, die einzelnen Stimmgruppen zu präsentieren, gegenläufige symphonische Linien charakteristisch auszutarieren und so in acht Variationen mitsamt einem Finale die Vorzüge des Klangkörpers zu demonstrieren. Routiniert – um die Koordination der Stimmen nicht als nachlässig bezeichnen zu müssen – spielten die Wiener Symphoniker die langatmigen Variationssätze herunter. So war nicht nur die Werkauswahl schwach, sondern auch die musikalischen Anreize hielten sich in engen Grenzen.
Schließlich blieb noch die Hoffnung auf Richard Strauss‘ Tondichtung „Ein Heldenleben“ op. 40, die nach der Pause angekündigt war. Hier ließen herausragende Soli der Flöte, des Horns und des Englischhorns aufhorchen. Allen voran begeisterte das Violinsolo des Konzertmeisters, das er mit einer vielgestaltig erzählerischen Tongebung in den Raum stellte. In den langsamen Abschnitten fanden die Wiener Symphoniker zu einem ausgewogenen symphonischen Klang. Die fulminant instrumentierten Tuttipassagen kamen an der Klangoberfläche zwar effektvoll zur Geltung, doch das komplexe innere Motivgefüge wurde eher wenig differenziert ausgestaltet.

Einspringer mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht

Die Voraussetzungen für das erste Orchesterkonzert waren wohl nicht günstig. Doch die Umstände verhalfen dem italienischen Dirigent Giuseppe Mengoli zu seinem Debüt bei den Bregenzer Festspielen. Der vielseitige Musiker studierte Violine, Schlagzeug, Trompete und Komposition. Erst vor wenigen Tagen gewann er den viel beachteten „Mahler Competition“-Dirigierwettbewerb, derzeit assistiert er Teodor Currentzis bei den Salzburger Festspielen.
Die Körpersprache des erst 30-jährigen Dirigenten ist faszinierend. Vor allem bei der Haydnsinfonie zog er mit seiner großen Körperspannung die Zuhörenden in den Bann. Mit viel Körpereinsatz formte er auch Richard Strauss‘ „Heldenleben“. Vielleicht der kurzen Vorbereitungszeit geschuldet, aber sicher nicht nur, stellte sich im Zusammenwirken der Wiener Symphoniker mit Giuseppe Mengoli wenig Kongruenz ein.
Als Resümee nach dem Konzert blieb die Sympathie zum Dirigenten und eine große Ernüchterung gegenüber dem Festspielorchester, den Wiener Symphonikern.

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