Tanz ist Festival (Foto: Stefan Hauer)
Michael Pekler · 16. Sep 2025 · Film

Neu in den Kinos: „Downton Abbey: Das große Finale“

Spaziergänge und Teestunden für die einen, Küchenarbeit und Hauswirtschaft für die anderen. Die angeblich ausgewogene Balance zwischen „oben" und „unten" in „Downton Abbey" war schon immer heuchlerisch. Dass nach der TV-Serie mit der letzten langen Kamerafahrt nun auch die Kinoreihe über die Probleme der Aristokratenfamilie Crawley zu Ende geht, ist nicht nur eine gute, sondern vor allem eine schlüssige Entscheidung.

Irgendwann ist alles mal zu Ende. Manche finden das schade, aber wenn das Alte nicht verschwindet, kann nichts Neues kommen. Auch nicht im Kino und im Fernsehen. Fünf lange Jahre flimmerte die britische Historienserie „Downton Abbey“ bis 2015 in mehreren Staffeln über die Bildschirme. Julian Fellowes, Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor der Romanze „Gosford Park“ und – in diesem Fall nicht unwichtig – langjähriges konservatives Mitglied des britischen Oberhauses kreierte mit der Geschichte rund um die englische Adelsfamilie Crawley und deren titelgebenden Familiensitz einen Publikumserfolg, dem auch die Kritik einiges abgewinnen konnte.

Weltbewegendes

Ähnlich wie im Haus am Eaton Place, das man in den 1970er Jahren per TV-Einschaltknopf besuchen konnte, gab es auch bei den Crawleys stets kleinere und größere Aufregungen, während sich Anfang des 20. Jahrhunderts im Hintergrund Weltbewegendes abspielte. Als die Familiengeschichten und Heiratssachen vier Jahre nach dem Serienfinale auch auf der Kinoleinwand auftauchten, drehte sich alles um den anstehenden Besuch von König und Königin in Yorkshire, in der Fortsetzung „Downton Abbey: A New Era“ um Dreharbeiten für einen Liebesfilm auf dem Anwesen. Die Ähnlichkeiten mit „Singing in the Rain“ waren laut Fellows und Regisseur Simon Curtis natürlich nur zufällig.
Wer versäumte, was bisher geschah, und all das anlässlich des großen Finales nachholen möchte, hat also einiges vor sich. Die gute Nachricht lautet: Es ist absolut nicht nötig. Und wer mit Serie und den beiden bisherigen Spielfilmen nichts am Hut hatte, wird sich ohnehin nicht ins Kino verirren.

Skandalöse Scheidung

Die Crawleys und ihre Bediensteten sind mittlerweile wie der Rest der Welt in den 1930er Jahren angekommen. Lady Mary (Michelle Dockery), die nach dem Tod der scharfzüngigen Witwe Violet – die großartige Maggie Smith starb vergangenes Jahr – die Verantwortung für Haus und Hof übernommen hat, muss den Skandal rund um ihre Scheidung ausstehen. Die modernen Zeiten brechen derweil schneller als befürchtet über den alten Adel herein: Die Weltwirtschaft bereitet finanzielle Sorgen, die sogar so weit reichen, dass man darüber nachdenkt, ob man gar Angestellte entlassen müsste! Falls sie sich nicht wie Butler Carson (Jim Carter) und Köchin Miss Patmore (Lesley Nicol) ohnehin zur Ruhe setzen wollen. Und Marys amerikanischer Onkel Harald (Paul Giamatti) braucht, die Große Depression im Nacken, dringend frisches Geld. 

Gewohnt prunkvoll

Es sind also wie gewohnt diverse Dramen, die den Boden für das angekündigte große Finale aufbereiten. Und dass dieses nun endlich naht, ist eine gute Sache. Gewiss, wer die vergangenen fünfzehn Jahre die elitären Nöte und Sorgen der Crawleys verfolgt hat, dem mag der Abschied schwer fallen. Das Drehbuch und Inszenierung wissen das natürlich und kosten, unterstützt vom souveränen Ensemble und der gewohnt prunkvollen Ausstattung, noch einmal alles aus. Nun geht mit der letzten langen Kamerafahrt auch die Kinoreihe zu Ende – eine gute und schlüssige Entscheidung: Die angeblich ausgewogene Balance zwischen Spaziergängen und Teestunden einerseits und Küchenarbeit und Hauswirtschaft andererseits war schon immer heuchlerisch. Und mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten in Europa müsste ein neues Kapitel aufgeschlagen werden, das dem Eskapismus der Serie eindeutig entgegensteht. „Downton Abbey“ geht zu Ende, wenn es gerade noch am schönsten ist.

Ab 18.9. im Cinema Dornbirn, Kinothek Lustenau; derzeit im Skino Schaan (OmU)