Die Sopranistin Emma Kajander und die beiden Komponistinnen Ethel Smyth sowie Elizabeth Maconchy verliehen dem vielschichtigen Orchesterkonzert des SOV mit Leo McFall am Pult eine besondere Strahlkraft. (Foto: Christian Lins)
Michael Pekler · 26. Aug 2026 · Film

Neu in den Kinos: „Das Ende der Sterne“

Regieveteran Ridley Scott hat einen ungewöhnlichen Endzeitfilm gedreht: Jacob Elordi möchte als Pilot eines Kleinflugzeugs den Glauben an das Gute im Menschen nicht verlieren und begibt sich auf die Reise in eine unbekannte Welt.

Die Natur braucht den Menschen nicht. Sie war am schönsten, bevor wir begannen, alles zu zerstören – und sie wird wieder schön sein, wenn es uns nicht mehr gibt. Wie es dann auf der Erde aussehen könnte, davon liefert das Kino eindrückliche Bilder: zugewucherte Stadtruinen, wilde Tiere auf den Straßen und grüner Dschungel statt grauem Asphalt. Im Endzeitfilm ist die Welt schrecklich schön.
Zu Beginn von „Das Ende der Sterne“ („The Dog Stars“) fliegt ein Pilot mit seiner Propellermaschine über eine atemberaubende Wildnis, ehe er auf einer ehemaligen Stadtautobahn landet. Hig (Jacob Elordi) kennt die Gegend genau. Er weiß, wo er Medikamente und Munition – die nützlichen Überreste der Zivilisation – findet. Sein Hund Jasper ist dabei sein ständiger Begleiter, egal, ob er in der Denver City Hall in einen Kampf verwickelt wird oder in einem Einfamilienhaus seine schwangere Frau auf ihn wartet. Doch seine Frau und sein Kind sind der Seuche längst zum Opfer gefallen, und die friedliche Idylle ist bloße Erinnerung.

Aufbruch ins Ungewisse

Hig lebt gemeinsam mit seinem älteren Kumpel Bangley (Josh Brolin) und Jasper auf einem stillgelegten Flughafen. Die Arbeitsteilung ist klar geregelt: Während Hig regelmäßig Erkundungsflüge unternimmt und gegen den Willen Bangleys eine kleine Gruppe von Mennoniten mit Hilfsgütern versorgt, kümmert sich der Ex-Soldat um die Sicherheit und fühlt sich im Wachturm wohl. Im Gegensatz zu Bangley hat Hig den Glauben an das Gute im Menschen nicht verloren und erträgt die selbstgewählte Isolation nur schwer. Das bewegt ihn schließlich dazu, einem Funkspruch aus dem entfernten Grand Junction zu folgen – wohlwissend, dass der Treibstoff für den Rückflug nicht mehr reichen wird.
„Das Ende der Sterne“ ist ein ungewöhnlicher Film über das Zeitalter der Postapokalypse. Regieveteran Ridley Scott interessiert sich hier weniger für den bloßen Überlebenskampf des Menschen als vielmehr für dessen innere Auseinandersetzung. Basierend auf dem bereits vor der COVID-Pandemie erschienenen Roman des US-Autors Peter Heller erzählt der 88-jährige Scott beinahe gelassen vom Aufbruch ins Ungewisse. Er berichtet von Higs Begegnung mit einem Farmer (Guy Pearce) und dessen Tochter (Margaret Qualley) und – als wesentliche Änderung zur literarischen Vorlage – davon, was ihn in Grand Junction erwartet. Es ist ein Film wie ein Stationendrama, das die innere Entwicklung seines Helden elegant mit dessen äußerer Reise kurzschließt.

Absolute Stille

In gewisser Weise funktioniert „Das Ende der Sterne“ wie ein klassischer Western, in dem sich die Momente der Bedrohung – im konkreten Fall marodierende Banden zu Pferde – mit solchen der Ruhe abwechseln. Wenn Hig in seiner gelben Cessna über die dunkelgrünen Wälder fliegt und den Motor ausschaltet, ist der Augenblick absoluter Stille gekommen.
Im Grunde erzählt „Das Ende der Sterne“ als Science-Fiction-Film von der Angst vor der Zukunft – von einer Dystopie, die man entweder gemeinsam oder gar nicht überleben kann. Jeder Versuch, es alleine zu schaffen, wird scheitern, denn nur der Zusammenhalt in der Gemeinschaft bietet Schutz und Sicherheit. Das Gute und das Böse werden jedenfalls auch in Zukunft Krieg gegeneinander führen.

ab 27.8. Cineplexx Hohenems (dF), Skino Schaan (OmU)