Literaturtage des Felder-Vereins in Bizau
Der Felder-Verein präsentiert Literatur aus Österreich im Wöfle-Saal
Sarah Wipauer las aus ihrem Roman „Fehlende Gespenster“ und Eva Menasse präsentierte ihren neuesten Roman „Alleinruhelage“.
Der Obmann des Franz-Michael-Felder-Vereins, Walter Fink, konnte am Dienstag, 25.8.26, zu den schon traditionellen Literaturtagen des literarischen Vereins im Gebhard-Wölfle-Saal in Bizau begrüßen. Auf dem Programm standen zwei Autorinnen. Etwa 100 Gäste sind der Einladung gefolgt. Die Gemeinde bewies mit der Anwesenheit zweier Alt-Bürgermeister und des gegenwärtigen Bürgermeisters, dass Bizau eine Kulturgemeinde ist und bleiben will. Besonders den Älteren sind die „Bizauer Gespräche“ von Walter Fink noch gut in Erinnerung. Erfreulicherweise fanden sich zur Lesung auch einige junge Literaturinteressierte ein.
„Fehlende Gespenster“
Sarah Wipauer stellte ihr Romandebüt „Fehlende Gespenster“ vor. Als grandioses historisches Verwirrspiel beschrieb es die Einladung, dem verlegenden Residenz Verlag folgend: „In ‚Fehlende Gespenster‘ folgen wir einer raffinierten Erzählerin in das sagenumwobene Wiener Tunnelsystem. Nach der Eröffnung des Zentralfriedhofs 1874 wurde es zur Überführung der Leichen mittels einer pneumatischen ,Rohrpost' entwickelt, der letzte ,Passagier' war angeblich Niki Lauda. Und das ist nur eine der absurden Geschichten, die Merian, eine rätselhafte junge Frau, bei ihren Führungen durch die stillgelegten Tunnel erzählt. Doch wem sollten wir auf einer Reise durch die Unterwelt vertrauen?“ Dass es die „Reiseleiterin“ unter der Erde mit der historischen Wahrheit von Gegenständen nicht so genau nimmt, konnte man aus ihren Lesestellen erfahren, und so widmete sie sich in einer anderen Lesestelle der Charaktere der Besucher, vom Vorwitzigen über den Ängstlichen bis zum Traurigen oder dem Verlorenen. Der Historiker und Vorstandsmitglied des Felder-Vereins, Georg Sutterlüty, führte das Gespräch mit ihr und konnte erfahren, dass so ein Projekt wirklich Ende des 19. Jahrhunderts angedacht war, aber es nicht weiter als in den Gemeinderat schaffte. „Mit verdächtiger Erzählfreude und finsteren Absichten nimmt Merian ihre abenteuerlustigen, aber vielleicht ein wenig vorlauten Besucher mit in ein Labyrinth, aus dem nicht alle heil wieder herausfinden werden …“, schreibt der Verlag.
„Alleinruhelage“
Eva Menasse zählt zu den wichtigsten literarischen Stimmen Österreichs und veröffentlichte schon mehrere Bücher. Ihren druckfrischen Roman „Alleinruhelage“ beginnt sie mit dem Satz: „Haus, ich verkaufe dich.“ Dabei gerät sie mit dem Haus tatsächlich in Gespräche und verleiht ihm eine Persönlichkeit. Das Wochenendhaus ist nach gescheiterter Ehe zum Mahner an das einstige Familienidyll verkommen und soll nun für einen vorteilhaften Verkauf auf Vordermann gebracht werden. „Die Renovierungen und Gartenarbeiten, die Rückschläge und Glücksmomente lösen lange zurückliegende Erinnerungen und unerwartete neue Erkenntnisse aus“, ist auf dem Buchumschlag zu lesen. Weil das Haus in der Uckermark, im Nordosten Brandenburgs, liegt, wird der Roman nicht nur zur Zwischenbilanz eines Lebens der Hausverkäuferin, sondern auch zu einer Reflexion zur deutsch-deutschen Vergangenheit bis in die Gegenwart und auch zum Verhältnis einer Großstädterin zum ländlichen Soziotop. Von „Reibung zwischen Kopf- und Handarbeiter“ sprach Jürgen Thaler, der als Leiter des Franz-Michael-Felder-Archivs das Gespräch mit ihr führte, in seiner gewohnt flapsigen Art. Dem verlassenen oder verlassenden Ehemann wird nicht viel Raum eingeräumt; Jürgen Thaler bezeichnete ihn als „Elefant im Raum“. Das ließ Eva Menasse so nicht stehen, das Scheitern einer Ehe sei nicht Thema dieses Romans. Vielmehr sei es eine Art des Ziehens einer Zwischenbilanz der Protagonistin auf dem Weg zum Noch-einmal-Aufbrechen: „Haus, ich verkaufe dich.“
Nächster Termin der Felder-Literaturtage:
mit Markus Köhle und Eva Schmidt
Do 27.8., 19.30 Uhr
Gebhard-Wölfle-Saal, Bizau
Karten unter: info@felderverein.at oder 05574 511 44 0 55