Neu in den Kinos: „Teaches of Peaches" Musikdoku des gebürtigen Vorarlbergers Philipp Fussenegger (Foto: Avanti Media Fiction)
Michael Pekler · 08. Mai 2024 · Film

Neu in den Kinos: „Beautiful Wedding“

Punktewertung statt Paartherapie: In der Fortsetzung der Erfolgskomödie „Beautiful Disaster“ reisen Abby und Travis nach einer besoffenen Heirat als Eheleute wider Willen nach Mexiko, um dort die Flitterwochen zu überstehen. Regisseur Roger Kumble verlässt sich für seine selbstironische Liebeskomödie auf die bewährte Rezeptur: Alle benehmen sich wie Idioten, dass es eine Freude ist.

Das frisch vermählte Ehepaar hat sich offensichtlich nicht ausreichend Zeit fürs Kennenlernen genommen. Sonst würden Abby Abernathy (Virginia Gardner) und Travis Maddox (Dylan Sprouse) nicht vor einer mexikanischen Kirche vor einem Priester sitzen und sich anschreien. Doch die Eheberatung ist dringend notwendig, denn Abby und Travis verbringen in einem mexikanischen Resort ihre Flitterwochen – und, Achtung Spoiler! – es läuft nicht gut.
Dabei hätten die beiden ausreichend Zeit fürs Kennenlernen gehabt. Immerhin gingen Studentin Abby, hauptberuflich All-American-Girl, und Underground-Boxer Travis, hauptberuflich Womanizer, in „Beautiful Disaster“ (2023) eine Wette ein, dass sie einen Monat lang zusammenwohnen können. Die besoffene Heirat in Las Vegas, an die sie sich nun zu Beginn von „Beautiful Wedding“ nicht erinnern können, war allerdings definitiv nicht geplant. Doch mit einem üppigen Gewinn in der Tasche, einem peinlichen Tattoo auf der Haut und Freundin America (Libe Barer) und Freund Shepley (Austin North) im Gepäck ist man nun mit einem Helikopter im Honeymoon gelandet. Womit die Fortsetzung der Erfolgskomödie trotz Filmriss nahtlos dort weitermacht, wo der Vorgänger geendet hat.
Will man sich also gleich wieder scheiden lassen? Abby entscheidet sich für eine Pro-und-Kontra-Liste, ein ausgeklügeltes Punktesystem, bei dem alle Wohl- und Missetaten des Ehemanns aufgezeichnet werden. Verlässt Travis etwa beim romantischen Dinner wiederholt und vorsätzlich den Tisch, um mit Shepley im Hotel ein Baseballspiel zu schauen und sich bei Punktegewinn seiner Mannschaft wie ein Idiot zu benehmen, bedeutet das Punkteabzug für ihn. Umgekehrt sollte er aber nicht eifersüchtig sein, wenn Abby am Nacktbadestrand die Hüllen fallen lässt und alle etwas zu sehen bekommen, von dem er meint, dass nur er es zu sehen bekommen sollte. Und so weiter.

Hähne und Hindernisse

Regisseur Roger Kumble, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, verlässt sich in seiner Adaption von Jamie McGuires gleichnamiger Erfolgsbuchreihe auf das Erfolgsrezept seines eigenen Vorgängers und inszeniert „Beautiful Wedding“ als selbstironische Liebeskomödie mit gehöriger Nähe zum Klamauk – inklusive Schlammschlacht, Ring- und Hahnenkampf. Und distanziert sich damit von den unzähligen romantischen Komödien, in denen die Hindernisse für das private Glück nur existieren, um rechtzeitig aus dem Weg geräumt zu werden.
Über weite Strecken funktioniert das in „Beautiful Wedding“ aufgrund der richtigen Dosierung erstaunlicherweise überraschend gut: ein wenig zotig und dümmlich, ein wenig romantisch und gefühlig, ein wenig Slapstick und sogar ein wenig Screwball. Alle Figuren sind nicht mehr als Schablonen, wollen aber auch nicht mehr sein. Mit kaum verhohlener Lust mimen sie Entsetzen und andere Gefühlsausbrüche, während die Erzählung entlang ständiger Diskussionen, Streitereien und falscher Verdächtigungen nicht nur jede Möglichkeit einer überraschenden Wendung missachtet, sondern schnurstracks auf einen dritten Teil hinausläuft. 

ab 8.5., Kino Bludenz, Cineplexx Hohenems, Kinothek Lustenau