Beim 29. Philosophicum in Lech. (Foto: Lässiger Photography)
Michael Pekler · 13. Aug 2024 · Film

Neu in den Kinos: „Alien: Romulus“

Der jüngste Teil der legendären Science-Fiction-Reihe legt das Augenmerk vor allem auf den Horror. Während menschliche Unvernuft und Gier abermals das Böse im Weltraum zutage fördern, verändert sich zumindest das Aussehen mancher Charaktere radikal.

„I wouldn‘t be so sure.“ Der zerfetzte Android, auf den die Gruppe an Bord des menschenleeren Weltraumfrachters gestoßen ist, schätzt die Überlebenschancen der Ankömmlinge als gering ein. Und niemand könnte es besser wissen, denn der humanoide Roboter hat nicht nur miterlebt, was seiner Crew passiert ist, sondern sein Oberkörper ist der Rest des berühmten Wissenschaftsoffiziers aus „Alien“, mit dem Ridley Scott 1979 den Grundstein für die erfolgreichste Science-Fiction-Horror-Reihe des postmodernen Kinos legte. Dass mit Ian Holm der damalige Darsteller bereits vor einigen Jahren verstarb, stellt für „Alien: Romulus“, den jüngsten Eintrag des spektakulären Franchise, kein Problem dar: Die künstliche Intelligenz macht nicht nur Monster, sondern auch echte Tote lebendig,
Angesiedelt zwischen „Alien“ und seinem gefeierten Nachfolger „Aliens“ (James Cameron, 1986), konzentriert sich der Zwischenbericht auf das Wesentliche – und macht seine Sache dabei erstaunlich gut. Das spätere Unheil nimmt seinen Anfang, als auf einer viele Lichtjahre von der Erde entfernten Kolonie eine Gruppe junger Menschen die Nase voll hat vom Dreck und der Düsternis und sich mit einem kleinen Transportschiff auf die Suche nach Plündergut macht. Rollen und Aufgaben unter den Mittzwanzigern sind schnell verteilt, dass der Vollwaise Rain (Cailee Spaeny als Nachfolgerin von Sigourney Weaver und Noomi Rapace) und ihrem androiden Freund Andy (David Jonsson als Nachfolger von Holm und Michael Fassbender) eine besondere Funktion zukommen wird, ist ausgemachte Sache. Das Andocken an das Objekt der Begierde mit dem bezeichnenden Namen „Romulus“ gelingt noch einwandfrei, dann beginnen genrekonform die Schwierigkeiten. Und diese sind wärmeempfindlich, sehen in Miniaturform aus wie eine Mischung aus Spinne und Skorpion, haben Lust auf Veränderung – und auf menschliche Gesichter.

Übler Schleim

„Alien: Romulus“, inszeniert und geschrieben von Horrorregisseur Fede Alvarez – Ridley Scott zeichnet nach wie vor als Co-Produzent verantwortlich –, hat merklich kein Interesse für einen philosophisch-metaphorischen Überbau, wie ihn Scott zuletzt selbst in seinen beiden Prequels zur Reihe, „Prometheus“ (2012) und „Covenant“ (2017), mit Anleihen bei H. P. Lovecraft eindrucksvoll entwarf und die mächtigen Fragen nach der Schöpfungsgeschichte der Menschheit stellte. Demgegenüber verlässt sich Alvarez‘ Erzählung auf die etablierten Topoi der Reihe: Obwohl man stets weiß, was in der nächsten Minute auf das wenig überraschend immer kleiner werdende Grüppchen wartet oder hinter der nächsten Ecke im Tunnelschacht lauert, dreht Alvarez‘ Regieführung konsequent und erwartungsgemäß an der Spannungsschraube. Ätzender Schleim, blitzblank polierte Monsterschädel gegen menschliche Raffinesse und die übliche Portion Glück, wenn sich Schleusen im letzten Augenblick schließen. Dass menschliche Unvernunft und kapitalistische Gier wiederum die Schleusen zum Übel erst öffnen, ist keine Zukunftsvision.
Das Alien, wie man es kennt – seit Jahrzehnten auch „Bitch“ genannt –, erweist sich jedoch nur scheinbar als finaler Gegner. Und so kommt im letzten Akt zum Schock doch noch ein Quantum Mythos. Wer weiß schon, was aus der Menschheit einmal werden wird.

ab 14.8., Kino Bludenz, Cineplexx Hohenems (auch OF), Kinothek Lustenau, Metro Kino Bregenz
ab 15.8., Cineplexx Lauterach