Neu in den Kinos: „Afterburn“
Das postapokalyptische Genre im Allzeithoch: Dave Bautista macht sich für einen selbsternannten König von England auf die Suche nach Kunstschätzen in Frankreich, wo ein faschistoider General sein Unwesen treibt. Interessanter als der Film ist die Frage: Warum sehen wir uns das eigentlich an?
Fantasien vom Untergang der Welt sind so alt wie die Menschheit. In der Vergangenheit wurden sie meist dafür verwendet, den religiösen, politischen oder ideologischen Führungsanspruch selbsternannter Erlöser zu legitimieren. Wer mehr weiß als die anderen, vor allem wie es nach der Apokalypse weiter gehen soll, war schon immer im Vorteil – auch mit vorgetäuschtem Herrschaftswissen.
Wie ein solches Leben nach der in der Gegenwart oft selbstverschuldeten totalen Zerstörung aussehen kann, dafür ist das Kino maßgeblich zuständig. Eine schier endlose Flut an Endzeitfilmen überschwemmt seit einer gefühlten Ewigkeit die Leinwände, zeigt zerstörte Landschaften, zugewucherte Autobahnen und zusammengestürzte Metropolen. Paradoxerweise machen diese Dystopien nicht Angst, sondern spenden fast immer Trost: Ein paar Übriggebliebene schaffen es immer – sonst gäbe es nichts zu erzählen –, und auch wenn das Leben danach schwieriger geworden sein mag, ist die Lage immerhin weniger kompliziert als die nächste Steuererklärung.
Segelboot statt Stradivari
Im aktuellen Beispiel „Afterburn“ war die Menschheit mit einer verheerenden Sonneneruption nicht totzukriegen, und wieder einmal haben die Überlebenden unter der Herrschaft von Warlords durchzuhalten. Denn selbstverständlich ist jede staatliche Ordnungsmacht erodiert und es regiert das Gesetz des Stärkeren. Der ehemalige Wrestler Dave Bautista, der derzeit gerne in postapokalyptischen Landschaften aufräumt, kämpft sich als Ex-Soldat Jake mürrisch durchs Geschehen. Hat sich Bautista als bester Jäger aller Zeiten eben noch im Endzeitfilm „In the Lost Lands“ vor Milla Jovovich in einen Werwolf verwandelt, macht er sich nun im zerstörten England auf die Suche nach Wertsachen. Weil er vom Ruhestand auf einem Segelboot träumt, das er sich noch nicht leisten kann, muss der Selbstgespräche führende Schatzräuber für seinen kunstverliebten „König“ August (Samuel L. Jackson) Dinge wie eine Stradivari heranschaffen. Doch der nächste Coup soll der letzte sein: Die Mona Lisa liegt noch in Frankreich herum.
Französische Revolution
Stuntregisseur J.J. Perry platziert so manche Kampfchoreografie in seinen Action-, Kriegs- und Endzeitfilm, der früher ein solides B-Movie abgegeben hätte, dieser Tage aber ein in der Slowakei gedrehter US-Blockbuster ist. Man kann nicht behaupten, dass die Schauspielerei nach diesem Film nicht mehr dieselbe wäre: Während der in Frankreich regierende faschistoide General (Kristofer „Tormund“ Hivju) mit seinen Schergen in schwarzen Ledermänteln aus allen Rohren auf alles schießt, was sich bewegt, muss Olga Kurylenko als Freiheitskämpferin mit Guerilla-Stirnband immerhin so schnell sein wie schlau. Fazit: Keep it simple.
Vielleicht sind die ungebrochene Faszination und Wirkkraft des postapokalyptischen Films einfach zu erklären: Das Subgenre des Endzeitkinos macht sichtbar, wie der Mensch denkt und handelt, wenn nach dem Untergang die Regeln der Zivilisation neu definiert werden müssen. Oder endlich können. In wenigen Wochen wird die Verfilmung des dystopischen Stephen-King-Klassikers „The Long Walk“ die Kinosäle füllen.