Mutige Texte, brave Musik
Kurz und bündig – ENDE im Spielboden
Das Warten hat ein Ende – mit diesen Worten wirbt das Duo ENDE, das am Freitag, 13.2., in der Spielbodenkantine ein Konzert gab. Aus dem Duo wird auf der Bühne eine vierköpfige Band, zu Gesang und Bass gesellen sich eine Gitarre und ein Drumset. Ihre Namen erwähnen sie dabei nie, entweder eine sehr vernünftige Entscheidung in einer Zeit, in der die Privatsphäre durch soziale Medien gerne überschritten wird, oder doch ein Versuch zur Selbststilisierung. Kurz nach 21 Uhr beginnt das Konzert und trotz eines holprigen Starts pendelt sich die Band schnell ein, und es kommt eine angenehme Atmosphäre auf, die zum Tanzen einlädt.
Zusammen die Polizei verachten?
Die dritte Nummer, „Räuber“, kündigt der Bassist mit den Worten „Lasst uns zusammen die Polizei verachten“ an. Der Songtext lädt ebenfalls dazu ein, sie singen wiederholt, dass sie „lieber Dieb als Polizist“ wären. Auch in anderen Liedern findet man eine systemkritische Haltung, vor allem die zweite Strophe des Liedes „Überfall“ ist hier sehr explizit: „Schreie Parolen, in meinem stummsten Mut“. Diese Thematik zieht sich, mal stärker, mal weniger stark, durch ihr gesamtes Repertoire durch. Die eben erwähnte Strophe endet mit: „Doch leere Worten warten, wo niemand etwas tut“. Ein weiteres Motiv, dass man bei ENDE findet: ein oftmals entmutigter Blick in die Zukunft. Diese Entmutigung spiegelt sich auch in der Musik wider, die nicht annähernd so empört und laut klingt, wie ihre Texte vermuten ließen.
„… and then it happened.“
Ursprünglich hatte das Duo nur eine einzige Single geplant, am 3.3.2023 wurde „cowboy1“ veröffentlicht und schaffte es schnell in die Top3 der FM4-Charts. Dem ersten Lied folgten fast drei Jahre später zehn weitere, eine EP („Utopia“) und seit Oktober 2025 auch eine Platte namens „Wiener Frust“ – und das obwohl eine Hälfte des Duos aus Linz kommt. Dem Sound der ersten Single sind sie treu geblieben, ähneln sich doch alle Lieder der Platte, die es nur physisch und auf Bandcamp gibt. Aufgrund des beschränkten Umfanges ihrer Veröffentlichungen dauert das Konzert im Spielboden auch nur circa eine Dreiviertelstunde. Als Zugabe gibt es noch ein Cover von „Freaks“ von Surf Curse und hätten sie es nicht erwähnt, hätte vielleicht gar niemand gemerkt, dass sie es auf der Bühne zum ersten Mal gemeinsam gespielt haben.
Schritt für Schritt zum Erfolg
Live bekommt die Musik durch das Drumset und die Gitarre mehr grit und traut sich zwischendurch ein bisschen mehr – schafft es leider trotzdem nicht auf eine Ebene mit dem Text. Schade ist auch, dass die Intros der Lieder nicht für die größere Bandbesetzung umgeschrieben und nur als Playback abgespielt wurden. An Motivation fehlte es der Band aber nicht, es wurde nicht nur auf dem Floor viel getanzt, sondern vor allem der Leadsänger sorgte für Stimmung durch seine Tanz-Moves. Es ist auch eine Entwicklung im Sound der Lieder erkennbar vom Studioalbum zur Live-Version, die zusätzlichen Instrumente runden den Klang besser ab und verleihen den einzelnen Liedern mehr Individualität. Die Band befindet sich also noch im Anfangsstadium, aber sie zeigen in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon vielversprechende Entwicklungen. Das Publikum in der Spielbodenkantine war auf jeden Fall begeistert.