Kinderfragen in vielen Sprachen bilden den Ausgangspunkt von „Only Flowers“ – dem Eröffnungsstück von Luaga & Losna 2026. (Foto: Monika Isanska)
Michael Löbl · 29. Mai 2026 · Musik

Musikalische Hausbesuche

Das dritte Konzert der neuen Veranstaltungsreihe „Outreach“ fand bei herrlichstem Wetter vor der Remise Bludenz statt.

Unter dem Titel „Outreach“ setzt das Symphonieorchester Vorarlberg eine bereits länger existierende Idee in die Tat um. Im Gegensatz zu den Abonnementkonzerten, zu denen Konzertbesucher nach Feldkirch oder Bregenz kommen müssen, bewegt sich im Rahmen der „Outreach“-Konzerte das Orchester in Richtung Publikum. Fünf originelle Locations vom Bregenzerwald bis ins Montafon werden in den Monaten Mai und Juni bespielt, alles bei freiem Eintritt.

Verschiedene kammermusikalische Formationen des Symphonieorchesters Vorarlberg verlassen den Konzertsaal und treffen ihr Publikum an ungewöhnlichen, öffentlichen Orten. Es gibt ein Gewinnspiel und Mitmachaktionen bei allen Konzerten, Moderationen und kurze Interviews mit den mitwirkenden Musiker:innen sorgen ebenso für einen niederschwelligen Zugang. „Wichtig ist uns vor allem der Dialog zwischen Bühne und Publikum“, erklärt Gerald Mair, Geschäftsführer des Orchesters. „Nachdem wir leider ein großes Orchesterprojekt aus finanziellen Gründen absagen mussten, wollten wir die lange Zeit zwischen dem letzten Abonnementkonzert im April und unserer Matinee bei den Bregenzer Festspielen im August mit diesem speziellen Format beleben.“ 

Premiere am Muttertag

Das Konzept stammt von Monica Tarcsay, Geigerin, langjähiges Orchestermitglied und in letzter Zeit vermehrt auch auf dem Gebiet Musikvermittlung tätig. Am Samstag, den 30. Mai kann man sie mit ihrem Kinderprojekt „Slugy“ in der Kulturbühne AmBach in Götzis erleben. Ein Konzept zu entwickeln ist eine Sache, die Umsetzung desselben eine andere. Und da hat Monica Tarcsay mit SOV-Geschäftsführer Gerald Mair den goldrichtigen Partner gefunden, um gemeinsam die „Outreach“-Konzerte zu verwirklichen. Nach den ersten beiden Veranstaltungen im Bregenzerwald ist man nun im Süden Vorarlbergs, nämlich in Bludenz, angekommen. Der „Outreach“-Startschuss fiel am 10. Mai am Bahnhof Schwarzenberg. Unter dem Motto „Mit Dampf in den Muttertag“ begrüßte ein Holzbläserensemble die Fahrgäste bei der Ankunft des Wälderbähnles. In der Pfarrkirche Mellau war dann am 23. Mai der Chor „Mellôdiös“ gemeinsam mit einem Celloquartett des Symphonieorchester Vorarlberg zu hören.
Das Platzkonzert vor der Remise Bludenz am Donnerstag, den 28. Mai stand unter dem Motto „Musik aus unterschiedlichsten Stilrichtungen“. In der Art eines alten Theaterwagens wurde der SOV-Transporter kurzerhand zu einer Bühne umfunktioniert, auf der es sich ein Bläserquartett, bestehend aus Giovanni Fanti (Flöte), Hauke Kohlmorgen (Klarinette), Martin Schöch (Horn) und Katharina Mätzler (Fagott), häuslich eingerichtet hat. Eröffnet wurde der laue Maiabend mit der neu komponierten SOV-Kennmelodie, einer gar nicht einfach zu spielenden Fanfare aus der Feder des Trompeters Roché Jenny. Sie soll das Orchester während der ganzen kommenden Saison begleiten, auch als Pausensignal im Montforthaus und im Festspielhaus Bregenz. Unterhaltsam moderiert von Monica Tarcsay und Gerald Mair folgte ein buntes Programm mit Musik von Mozart („Zauberflöte“) über Rossini, Mendelssohn bis zu einer schmissigen „Tarantella Napoletana“ mit Publikumsbeteiligung. Hier ging es nicht um technische Perfektion oder tiefgründige Gestaltung, sondern ausschließlich um Unterhaltung und darum, neuen Publikumsschichten die Welt eines Orchesters schmackhaft zu machen.

Wichtiger Mann im Hintergrund

Im Mittelpunkt dieses Events standen nicht nur die Musiker:innen, sondern auch der zu einer Theaterbühne umfunktionierte Transporter mit dem SOV-Logo. Dieses vielbeschäftigte Fahrzeug gehört einem Mann, den man längst ebenfalls zu den Orchestermitgliedern zählen muss: Rade. Es ist höchste Zeit, ihn einmal vor den Vorhang zu bitten, da ohne seine Mitwirkung beim SOV nicht viel laufen würde. Rade, mit bürgerlichem Namen Radoslav Djuric, transportiert seit fast 30 Jahren sperrige Instrumente und sonstiges orchestrales Zubehör von hier nach da, und das zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten. Mehrere Dirigenten und Geschäftsführer kamen und gingen, Rade ist noch immer da. Vier Pauken einladen an einem verschneiten Ostersonntag um 22.30 Uhr im Bregenzerwald? Für Rade kein Problem. Anschließend nach Bregenz fahren und die Fracht im Festspielhaus wieder ausladen? Rade bringt's. Exotisches Instrumentarium für eine Uraufführung aus Wien holen? Rade ist schon unterwegs. Und während das Publikum im Montforthaus noch applaudiert, steht Rade mit seinem SOV-Transporter längst beim Bühneneingang. „Muss ich laden!“, lacht er, so etwas wie schlechte Laune kennt dieser Mann nicht. Am Donnerstagabend vor der Remise hat er bunte Luftballons an die Kinder verteilt. Danke, Rade!
Monica Tarcsay und Gerald Mair betonen ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit allen beteiligten Städten und Gemeinden, für die „Outreach“ eine willkommene Bereicherung darstellt und daher das Orchester tatkräftig unterstützen. So wurde die wirklich exzellente Verstärkung der vier Musiker:innen am Donnerstagabend vom Kulturamt Bludenz gestellt. Die letzten beiden „Outreach“-Konzerte finden am 9. Und 27. Juni in Schruns und am Seewaldsee bei Fontanella statt. Nähere Infos dazu gibt es auf der Website des Symphonieorchesters Vorarlberg.

www.sov.at/outreach