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08.05.2016 |  Silvia Thurner

Vielsagende Stimmen der Liebe in Schuberts Liedern – Martin Mitterrutzner und Gerold Huber gestalteten einen facettenreichen Liederabend

Der Tiroler Tenor Martin Mitterrutzner setzte den Reigen, bei dem alle von Franz Schubert komponierten Lieder aufgeführt werden, in der 25. Folge fort. Einige Lieder waren sehr frühe, selten zu hörende Werke, die mit ihrer großen Ausdruckskraft aufs Neue Staunen machten. Insgesamt überzeugten Martin Mitterrutzner und Gerold Huber mit variantenreichen Werkdeutungen und einer kurzweiligen Programmfolge.

Martin Mitterrutzner debütierte mit seinem Sololiedprogramm bei der Schubertiade Hohenems. Dass der sympathische Tenor in erster Linie als Opernsänger tätig ist, war in vielen Lieddeutungen spürbar. Dies illustrierten vor allem die großen musikalischen Gesten bei der Darstellung dramatischer Geschehnisse. Außerdem war es Martin Mitterrutzner ein Leichtes, sich in Rollen einzufügen und Textszenen plastisch nachzustellen. Deshalb hinterließen die dargebotenen Balladen einen etwas tieferen Eindruck als die sinnlichen, eher zurückhaltenden Lieder Schuberts.

Martin Mitterrutzners Leidenschaft für den Liedgesang war gut nachvollziehbar. Sehr bewusst nahm er sich zurück und formte die melodischen Linien aus, um so die Stimmungslagen nuanciert herauszukristallisieren. Viele emotionale Schattierungen und subtile Deutungen, verhaltene Melancholie oder große Gegensätze zwischen Ruhe und Erregung brachte der Tenor textdeutlich und vielschichtig zur Geltung. Besonders in Erinnerung blieben dabei „Stimme der Liebe“ (D418), „Die Liebe hat gelogen“ (D751), „Der Jüngling am Bache“ (D192) oder „Abendstern“ (D806), um nur einige zu nennen.

Markante Wendungen und guter Austausch


In einigen Liedern und Balladen lenkten die chromatischen Linienführungen, die harmonischen Farben und Vorhaltwirkungen die Aufmerksamkeit auf sich. Noch dazu zeichneten sich ein paar Werke durch markante Tonschritte aus, die einen eher unruhigen Duktus mit sich brachten und sogar markante Stimmungsschwankungen implizierten. Mit viel musikalischem Gespür formte der Tenor diese Wendungen und verlieh ihnen eine große Aussagekraft. „An Laura“ (D115), „Entzückung an Laura“ (D390), „Am Flusse“ (D160) und andere Lieder waren Beispiele dafür.

In einem guten Austausch stand der Sänger mit seinem Klavierpartner Gerold Huber. Dieser formte die Parts, meistens am Klavier mitsingend, sehr konzentriert aus. Stets war Gerold Huber darauf bedacht, die Atmosphäre der Liedinhalte transparent herauszukristallisieren. Ab und zu wirkte der Klavierpart jedoch durch allzu viel Pedaleinsatz etwas unruhig. Einen großen Eindruck im Hinblick auf das gut ausbalancierte Zusammenwirken von Martin Mitterrutzner und Gerold Huber hinterließen unter anderem „Der Jüngling am Bache“ (D192), „Abendstern“ (D806) und „Trost“ (D671).

Mit einem herzlichen Applaus dankte das Publikum für die anregenden Lieddeutungen. Lieder, die nicht alle Tage zu hören sind, boten bei diesem Konzert viele neue Anreize und Hörerlebnisse.

 

ORF-Sendetermin:
Dienstag, 17. Mai, 10:05 Uhr, Ö1

Der Tenor Martin Mitterrutzner und Gerold Huber am Klavier boten bei ihrem Schubertiadekonzert mit bekannten und zahlreichen weniger bekannten Schubertliedern neue Anreize und variantenreiche Hörerlebnisse. (Foto: Schubertiade)

Der Tenor Martin Mitterrutzner und Gerold Huber am Klavier boten bei ihrem Schubertiadekonzert mit bekannten und zahlreichen weniger bekannten Schubertliedern neue Anreize und variantenreiche Hörerlebnisse. (Foto: Schubertiade)

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  • Der Tenor Martin Mitterrutzner und Gerold Huber am Klavier boten bei ihrem Schubertiadekonzert mit bekannten und zahlreichen weniger bekannten Schubertliedern neue Anreize und variantenreiche Hörerlebnisse. (Foto: Schubertiade) Der Tenor Martin Mitterrutzner und Gerold Huber am Klavier boten bei ihrem Schubertiadekonzert mit bekannten und zahlreichen weniger bekannten Schubertliedern neue Anreize und variantenreiche Hörerlebnisse. (Foto: Schubertiade)