Die Berliner Band „Milliarden“ beim Poolbar Festival (Foto: Darius Grimmel)
Thorsten Bayer · 17. Jul 2018 · Musik

Unter Schatzis – die Eels in der poolbar

Am gestrigen Montagabend war eine der interessantesten Alternative-Bands in Feldkirch zu erleben. Die Eels um ihren charismatischen Frontmann Mark Oliver Everett sorgten für beste Stimmung im ausverkauften Alten Hallenbad. Die vier US-Amerikaner können mit 22 Jahren Bandgeschichte und 12 Studioalben aus dem Vollen schöpfen. Ihre Platten, darunter der Bestseller „Daisies Of The Galaxy“ aus dem Jahr 2000 und das neueste Werk „The Deconstruction“, zeichnen überraschende Momente, Stilbrüche aus. In dieser Hinsicht war in der poolbar Luft nach oben.

Licht aus, „Gonna Fly Now“ an. Mit dem unverkennbaren Motiv aus den „Rocky“-Filmen als Hintergrundmusik betreten Mark Oliver Everett (55), kurz auch „E“, Gitarrist „The Chet“ (Chet Lyster), Allen Hunter aka „Big Al“ oder „Krazy Al“ am Bass sowie der neue Drummer „Little Joe“ die Bühne. E trägt eine dunkle Sonnenbrille, einen Hut und eine Jeansjacke, die er weder aufknöpfen, geschweige denn ausziehen wird. Die Hitze scheint ihm so wenig auszumachen wie seinen Bandkollegen.
Auf die ersten schnellen Nummern, darunter das neue „Bone Dry“und die Coverversion des Prince-Songs „Raspberry Beret“, folgt ein kurzer Balladenblock, der im großartigen „That Look You Give That Guy“ gipfelt. Zurück aufs Gaspedal, „Prizefighter“ und „Rusty Pipe“ warten. Everetts raue Stimme ist unvergleichlich und drückt jedem Titel seinen ganz eigenen Stempel auf. Dazu setzt „The Chet“ an ständig wechselnden E-Gitarren seine Akzente.

Erwartungen 

Die Eels – das beweist „The Deconstruction“ erneut – sind Meister darin, unerwartete Stile, Elemente und Ideen zu kombinieren. Nicht zuletzt deswegen haben sie sich ihren Ruf als Band mit ganz individuellem Profil erhalten. In der poolbar ziehen sie hingegen eine ein- und durchgängige Bluesrock-Show durch. Indie-Avantgarde klingt anders. Aber das soll sicher so sein. Vielleicht ist es auch vermessen zu glauben, dass der komplette Facettenreichtum des Eels-Kosmos in ein Konzert passt.
Erwartungen 1:1 zu erfüllen, ist ohnehin nicht Everetts Ding, wie er in seiner lesenswerten Autobiographie schreibt: „Warum um Gottes willen soll man wollen, dass immer alles gleich bleibt? Ihr könnt euch sooft ihr wollt Daisies of the galaxy anhören. Ich brauche das gleiche Album nicht noch mal zu schreiben. Dazu muss ich sagen, dass ich es gar nicht darauf anlege, die Welt mit meiner ‚Vielseitigkeit’ zu beeindrucken. Da ist einfach etwas in mir, das herausmuss (...) Ich versuche nur, meine Sachen zu machen, und die sind wahrscheinlich nie genau das, was ihr gerade erwartet“ (Aus: Glückstage in der Hölle – Wie die Musik mein Leben rettete, Taschenbuch-Ausgabe bei Kiepenheuer & Witsch erschienen).
 

Bernhard Eder und That1Guy

Zur Eröffnung des Abends stand der oberösterreichische Singer/Songwriter Bernhard Eder auf der Bühne – keine leichte Aufgabe angesichts der frühen Zeit und des Traumwetters vor der Tür. Doch er machte seine Sache gut, trug seine zarten Melodien mit ebensolcher Stimme, Akustikgitarre, Mundharmonika und kunstvoll eingesetzten Loops vor. Neben selbstgeschriebenen Songs, beispielsweise vom Album mit dem traurigschönen Titel „Post Breakup Coffee“, spielte er Coverversionen. Ein sehr gelungenes Beispiel an diesem Abend war Depeche Modes „I Feel You“ – eine gezupfte Variante, die nur durch ihren Text noch das Original durchscheinen ließ.
Die zweite Vor-„Band“ des Abends war Mike Silverman aka That1Guy mit seiner selbstgebastelten „Magic Pipe“, einem schwer zu beschreibenden Instrument aus galvanisierten Metallrohren, Klebeband, Eisenstücken und zwei Basssaiten. „Earthshaking Future Funk“ hat der kalifornische Technik-Freak – durchaus zutreffend – seine experimentelle Musik getauft. Nachzuvollziehen, wie genau dieser verrückte Typ seine Sounds fabrizierte, fiel schwer – sich für seine Show zu begeistern hingegen war sehr leicht. Schräg, keine Frage, sehr schräg, aber auch sehr fett, war dieser Auftritt des Mannes, der in Sachen Optik und Einfallsreichtum an den Druiden Miraculix denken ließ. Auf jeden Fall brachte er eine Menge Energie in den Saal des Alten Hallenbads.

Dialog

Zurück zu den Eels, die in der zweiten Hälfte den Fans vertraute Songs wie „I like birds“ und „Novocaine for the soul“ in neue, rockige bzw. düster rumpelnde Versionen gießen. Die lange Bandgeschichte ist spürbar, das Verständnis untereinander blind. Als E im Laufe des Konzerts ins Plaudern kommt, erkundigt er sich immer wieder, wie es den „Schatzis“ im Publikum gehe. Umgekehrt wären er und seine Musikerkollegen sicherlich ebenso oder ähnlich bezeichnet worden. Einen sehr sympathischen und nahbaren Eindruck haben sie auf jeden Fall hinterlassen.
 

Die nächsten Konzerte in der poolbar (Auszug):
Mi, 18.7.: Joan As Policewoman
Do, 19.7. Shout Out Louds 
Fr, 20.7.: 5KHD
Sa, 21.7.: Special „Birthday Bash“ bei freiem Eintritt
Mi 25.7.: Fink
Fr, 27.7.: Martin Kohlstedt
poolbar.at