Das PulsArt Ensemble der Stella Privathochschule in Feldkirch (Foto: Victor Marin)
Silvia Thurner · 16. Aug 2015 · Musik

Ungezwungener Austausch zwischen Jugendlichen, Profis und der Hochkultur – Die Matinee des 2. Internationalen Blasmusik-Camps war ein voller Erfolg

Christoph Indrist und Wolfram Baldauf vom Vorarlberger Blasmusikverband hatten eine zündende Idee: In Kooperation mit den Wiener Symphonikern und den Bregenzer Festspielen luden sie herausragende Musikantinnen und Musikanten zum „Internationalen Blasmusik-Camp“ ein. Heuer bereits in der zweiten Auflage präsentierten 82 junge und jung gebliebene Musikanten im Festspielhaus ein ausgesuchtes Programm mit Werken, die sie in der vergangenen Wochen mit Dozenten der Wiener Symphoniker erarbeitet hatten. Sympathisch und kompetent leitete Martin Kerschbaum das symphonische Blasorchester. Alle gaben ihr Bestes und bündelten die Energien, sodass sich die vielfältige Werkauswahl mit Kompositionen von Gioachino Rossini bis zu Freddi Mercury zu einem abgerundeten Ganzen fügte. Die Stimmung im Saal war ausgelassen und der Jubel und die Begeisterung groß. Von dieser Kooperation profitieren nicht nur die Teilnehmer des Blasmusik-Camps, sondern auch die Bregenzer Festspiele. Das Ereignis strahlte eine Publikumsnähe und Offenheit aus, viele junge Konzertbesucher und Familien wurden angesprochen.

Eine gute Idee entwickelt sich rasch zu einem überwältigenden Erfolg. Das war bei der zweiten Matinee des „Internationalen Blasmusik-Camps“ im Bregenzer Festspielhaus zu erleben. Kurz nach der Ausschreibung und Einladung zum diesjährigen Blasmusik-Camp mit den Wiener Symphonikern waren alle Stimmen besetzt. In der vergangenen Woche trafen sich die Teilnehmer aus ganz Österreich und dem benachbarten Ausland in der MHS Hard zum gemeinsamen Proben. Schließlich wurde das Erarbeitete im voll besetzten Saal des Bregenzer Festspielhauses präsentiert. Als Dozenten stellten sich Raphael Leone, Paul Kaiser, Manuel Gangl, Alexander Neuber, Hektor McDonald, Andreas Gruber, Christian Löw, Reinhard Hofbauer, Franz Winkler und Thomas Schindl - alle sind Musiker der Wiener Symphoniker - in den Dienst der guten Sache und probten mit den Musikantinnen und Musikanten das anspruchsvolle und ansprechende Konzertprogramm. Wie bereits beim ersten Camp vor zwei Jahren lag die musikalische Leitung in den kompeteten Händen von Martin Kerschbaum.

Erlebnisreiche Werkdeutungen


Trotz der enormen Hitze waren die Proben erfolgreich. Die Chemie stimmte und die Laune war gut, das strahlten die Musikantinnen und Musikanten bei ihrem Konzert aus. In ansteckender Spiellaune zeigten die Mitwirkenden, dass das gemeinsame Musizieren sowie der Weg zu einer guten Werkdeutung ein großes Erlebnis ist. Zuerst agierte das groß besetzte Blasorchester etwas zurückhaltend. Doch bereits im Lauf der Ouvertüre des „Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini zeigten die Musiker, was sie drauf haben. Zuerst zogen die markanten Artikulationen die Aufmerksamkeit auf sich. Verbunden mit einer starken Schlagwerkgruppe und einem guten Fundament in den tiefen Registern stellte sich schnell der notwendige Esprit ein.

Als Reminiszenz zu „Hofmanns Erzählungen“ und „Turandot“ bot das Orchester die berühmte Barcarole und Ausschnitte aus der Puccini-Oper dar. Die Pianokultur des wiegenden Barcarole-Rhythmus war eine große Herausforderung. In Erinnerung blieb besonders das schöne Solo des Euphoniums und Tenorhorns. Kraft strotzten dramatisch aufbrausende Forte-Passagen in „Turandot-Suite“. Straffe Phrasierungen, eine farbenreiche Perkussion, strahlende Blechbläser sowie Holzbläserregister mit warmem Timbre brachten die Freude am großen symphonischen Blasorchesterklang zur Geltung. Mit viel Elan stellten das „IBC-Orchester“ und Martin Kerschbaum den Marsch aus Edward Elgars „Pomp and Circumstance“ in den Raum. In der „Jubilee Overture“ von Philip Sparke war nachvollziehbar, dass die Musiker auch mit einem leisen Gesamtklang und fein gezeichneten Linien Humor und Jubel musikalisch versinnbildlichen können.

Vielseitiges Können


Das bunt zusammengestellte Konzertprogramm zeigte die vielseitigen Möglichkeiten eines symphonischen Blasorchesters auf. Selbstverständlich widmeten sich die Musiker auch der Popmusik und brachten in Freddi Mercurys „Bohemian Rhapsody“ mit der E-Gitarre eine neue Farbe ein. Den Höhepunkt erreichte die Matinee und die gute Stimmung im Saal mit der Darbietung von „Bugler’s Holiday“ von Leroy Anderson. Virtuos und mit bewundernswert schnellen Zungen offerierten einige Trompeter diese mitreißende Musik. Euphorisch steigerte sich das Orchester schließlich in die Musik von „Mission Impossible“ hinein. Als Überraschungsgeschenk brachte Martin Kerschbaum den völlig unbekannten „Italienischen Zapfenstreich“ von Karl Wilhelm Drescher mit.

Leute, die etwas zu sagen haben


Aus gegebenem Anlass sprach Martin Kerschbaum humorvoll, aber kritisch die Kürzungen innerhalb der Militärmusikkapellen und die fehlende Fachkompetenz der politischen Entscheidungsträger an. Bettina Barnay führte sympathisch und pointenreich durch das kurzweilige Programm. Die Freude über das gemeinsam Erreichte und den großen Applaus des Publikums im voll besetzten Saal stand den Mitwirkenden am Schluss ins Gesicht geschrieben. Auf die Fortsetzung dieses außergewöhnlichen Projektes in zwei Jahren darf man sich jetzt schon freuen.