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09.06.2012 |  Silvia Thurner

Risikofreudig, professionell und leidenschaftlich zugleich – der Jugendchor CantAnima und das Raschèr Saxophone Quartet bildeten eine energetische Einheit

Die Chor-Saxophon-Nacht des Feldkirch Festival mit dem Jugendchor „CantAnima“ und dem „Raschèr Saxophone Quartet“ unter der Leitung von Franz M. Herzog war ein eindrückliches Erlebnis. Im Mittelpunkt des Konzertes in der Kapelle des Landeskonservatoriums standen das beschwörende „Raua Needmine“ des estnischen Komponisten Veljo Tormis sowie „Canticle of the Sun“ von Franz M. Herzog. Der Chorleiter und Komponist hat im Jahr 2004 den Jugendchor „CantAnima“ gegründet, seine Begeisterung und Professionalität beflügelte die Jugendlichen auch an diesem Konzertabend. Eine Bereicherung war das Zusammenwirken mit dem „Raschèr Saxophone Quartet“.

Vor allem das Werk „Raua Needmine (Curse upon Iron) von Veljo Tormis wurde mitreißend dargeboten. Die vielgestaltigen vokalen Lautäußerungen, die vom rhythmisierten Sprechgesang und Zischlauten über obertonreiche Klangfundamente bis zum beschwörenden Aufschrei reichten, stellten die Jugendlichen mit einer souveränen Selbstverständlichkeit in den Raum. Während die große Trommel das Grundmetrum vorgab, traten die Solisten Sebastian Meixner (Tenor) und Emmanuel Feiner (Bass) in spannende Wechselbeziehungen mit dem Chor.

Plastisch erlebbarer Lobgesang

Der Sonnengesang des Fransziskus „Canticle of the Sun“ von Franz M. Herzog war ein weiterer Höhepunkt des Abends. Das groß angelegte, siebenteilige Werk für vier SolistInnen (Irma Mihelic, Anja Obermayr, Roman Pichler und Gerd Kenda), Chor und Saxophonquartett zog das Publikum in seinen Bann. Vor allem die Verbindung zwischen dem Saxophonquartett und dem Chor ergab intensive Klangerlebnisse, weil sich die Sing- und Instrumentalstimmen ideal ergänzten und ineinander verschmolzen.

In einem gut ausgewogenen Wechsel zwischen ruhigen und treibenden Abschnitten führte die Komposition in und durch das Gebet des Franziskus. Intensiviert wurde das musikalische Erlebnis durch besondere Klanggestalten, beispielsweise setzten Spaltklänge im Saxophonquartett sowie skandierende Rhythmen über Liegetönen den musikalischen Zeitfluss außer Kraft. Die hervorragenden SolistInnen steckten den Tonraum auch in höchsten Lagen sicher ab und implizierten dazu fantasiereiche Bilder.

Gefällige Chorstücke und Improvisation

Ola Gjeilo aus Norwegen begeistert derzeit viele ChorsängerInnen mit seiner Musik, die als Mischung aus Pop, Minimalmusic und klassischen Themenführungen beschrieben werden kann. In „Northern Lights“ spielte Michael Lagger den improvisierenden Klavierpart und ergänzte mit seiner balladenhaften Darbietung den Chorpart gut. Allerdings wirkte die kompositorische Anlage des Werkes allzu sehr auf einen äußerlich wohlgefälligen und schöngeistigen Musikgehalt hin konzentriert.

„Moons und suns“ des britischen Komponisten Ivan Moody beinhaltete zwar einige wirkungsvolle Ideen, wirkte jedoch insgesamt eher uneinheitlich. Der orientalische Touch ließ zuerst aufhorchen, verlor jedoch bald an Wirkung, weil die Idee letztendlich mehr dem Effekt diente, als aus einem musikimmanenten Zusammenhang heraus entwickelt wurde.

Instrumentales Musiktheater im Kleinen

Mit dem Saxophonquartett von Erik Bergman bescherte das „Raschèr Saxophone Quartet“ mit Kenneth Coon, Bruce Weinberger, Christine Rall und Elliot Riley dem Publikum ein virtuoses und kommunikatives Werk. Tremolierende Klänge öffneten einen theatralischen Tonraum, kurze eruptive Floskeln boten Markierungen im stringenten musikalischen Geschehen. Im langsamen Mittelteil breiteten die Musiker eine changierende Fläche aus. Besondere Aufmerksamkeit lenkte eine Passage auf sich, als sich das Sopransaxophon selbstbewusst aus dem Stimmenverband löste, um dann von den anderen umgarnt und in das gemeinsame Tun wieder eingebunden wurde. Auch im Finalsatz wirkten die Quartettstimmen personifiziert, kommunikative Formeln wurden mit einer faszinierenden Perfektion ineinander verflochten und zu einem überraschenden Schluss geführt.

Der Jugendchor CantAnima aus der Steiermark unter der Leitung von Franz M. Herzog begeisterte durch seinen homophonen Gesamtklang, die gelenkige Stimmführung und die aktive Ausstrahlung der ChorsängerInnen. (Foto: Feldkirch Festival)

Der Jugendchor CantAnima aus der Steiermark unter der Leitung von Franz M. Herzog begeisterte durch seinen homophonen Gesamtklang, die gelenkige Stimmführung und die aktive Ausstrahlung der ChorsängerInnen. (Foto: Feldkirch Festival)

Franz M. Herzog ist ein charismatischer Chorleiter, der seine eigene Energie unmittelbar auf die Jugendlichen überträgt. (Foto: Feldkirch Festival)

Franz M. Herzog ist ein charismatischer Chorleiter, der seine eigene Energie unmittelbar auf die Jugendlichen überträgt. (Foto: Feldkirch Festival)

Chorgesang und Saxophonstimmen ergänzten sich klanglich ideal. (Foto: Feldkirch Festival)

Chorgesang und Saxophonstimmen ergänzten sich klanglich ideal. (Foto: Feldkirch Festival)

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  • Der Jugendchor CantAnima aus der Steiermark unter der Leitung von Franz M. Herzog begeisterte durch seinen homophonen Gesamtklang, die gelenkige Stimmführung und die aktive Ausstrahlung der ChorsängerInnen. (Foto: Feldkirch Festival) Der Jugendchor CantAnima aus der Steiermark unter der Leitung von Franz M. Herzog begeisterte durch seinen homophonen Gesamtklang, die gelenkige Stimmführung und die aktive Ausstrahlung der ChorsängerInnen. (Foto: Feldkirch Festival)
  • Franz M. Herzog ist ein charismatischer Chorleiter, der seine eigene Energie unmittelbar auf die Jugendlichen überträgt. (Foto: Feldkirch Festival) Franz M. Herzog ist ein charismatischer Chorleiter, der seine eigene Energie unmittelbar auf die Jugendlichen überträgt. (Foto: Feldkirch Festival)
  • Chorgesang und Saxophonstimmen ergänzten sich klanglich ideal. (Foto: Feldkirch Festival) Chorgesang und Saxophonstimmen ergänzten sich klanglich ideal. (Foto: Feldkirch Festival)