Neu in den Vorarlberger Kinos: „Gaza mon amour" (Foto: Panda Film / Alamode Filmverleih)
Silvia Thurner · 06. Aug 2012 · Musik

Musikalische und literarische Berührungslinien – Reihe „Musik & Poesie“ wurde erfolgreich weitergeführt

Die Reihe „Musik & Poesie“ hat sich bei den Bregenzer Festspielen gut etabliert. Viele kamen am Sonntagvormittag zum Konzert mit dem EOS-Quartett Wien und der Autorin Kathrin Röggla. Zu hören waren Werke von Ludwig van Beethoven und Detlev Glanert. Die in sich schlüssige Werkfolge machte ein konzentriertes Erleben möglich. Kathrin Röggla bestach durch ihren kritischen, jedoch nicht humorlosen Blick auf Dinge, die zu denken geben.

Im EOS-Quartett Wien sind Willy Büchler, Christian Blasl, Roman Bernhart und Andreas Pokorny vereint, die auch als Orchestermusiker bei den Wiener Symphonikern tätig sind. Ihre Liebe zum Streichquartettspiel pflegen sie mit Lust und Leidenschaft.

Spielfreude und Sinn erfassende Präsentation

Im Seestudio interpretierte das EOS-Quartett Wien zuerst das frühe Beethovenquartett, op. 18, Nr. 4. Nach einem etwas verhaspelten Beginn entfalteten die Musiker die Hauptthemen in einem gut aufeinander abgestimmten musikalischen Fluss. Impulse der führenden ersten Violine und die darauf folgenden Reaktionen der Quartettmusiker ergaben reizvolle, kommunikative Spielmuster. Dem Scherzo verliehen die fugierten Einsätze einen kauzigen Charakter, allerdings hätten etwas spitziger artikulierte Passagen diesen Eindruck noch besser zur Geltung gebracht. Die synkopische Rhythmik, die den ursprünglichen Ausdrucksgehalt eines Menuetts ad absurdum führte, unterstrich das EOS-Quarett prägnant. In einem positiven Geist musiziert, rundete der Finalsatz das Werk gehaltvoll ab.

An diesem Vormittag wurde die Komposition nicht – wie es bei Musik & Poesie leider oft geschieht – durch gesprochene Passagen auseinandergerissen. Umso mehr wirkte dieses Literatur-Konzert in sich geschlossen und nachhaltig.

Ausdrucksstarkes musikalisches Ganzes

Bisher waren bei den Festspielen von Detlev Glanert szenische Werke und Orchesterkompositionen zu erleben. Einen prägnanten Eindruck vermittelte das zweite Streichquartett, das Glanert als „Pas de Quatre“ bezeichnete. Dem Werk liegen vier Gedanken „Gesang“, „Schrei“, „Tanz“ und „Flucht“ zugrunde, die das EOS-Quartett Wien transparent ausformte. Energische Gesten und Reflexionen darüber verliehen der Musik einen teilweise filigranen Charakter. Besonders die unvermittelten Unterbrechungen und Überleitungen lenkten die Aufmerksamkeit auf sich und ließen den Spannungsbogen nie abbrechen. Eine hervorragende Steigerung erfuhr das Werk durch die Überlagerung und kontrapunktische Verarbeitung der vier musikalischen Grundgedanken. Die eingelagerten Tanzrhythmen und das Abdriften in transzendierende Klänge im Pianissimo verflüchtigten das dichte Klanggefüge.

Gut beobachtet und genau formuliert

Der Übergang zu Kathrin Rögglas Text „Schweigeminute“ wurde durch die Musik perfekt vorbereitet. Kathrin Rögglas Erzählungen lassen sich schwer wiedergeben. Geistreich und kritisch sinnierte sie über die Schweigeminuten, die nach Attentaten auch im Rahmen von Tagungen abgehalten werden, bei denen ergebnisorientiertes Arbeiten und ein umtriebiges Geschäftsgehabe angesagt sind. Die scharf beobachteten Situationsbeschreibungen sowie weiterführende Gedankengänge verströmten trotz der ernsthaften Hintergründe auch eine humoristische Komponente. Im Text „Tangenten“ spielte Kathrin Röggla mit enttäuschten Erwartungshaltungen und sprach das daraus folgende Unbehagen an. Die Autorin hat eine schöne Stimme, allerdings las sie in einem ziemlich rasanten Tempo. Deshalb nahm die Sprache eine hektische Grundstimmung an, die die sinnreichen Texten mitunter beeinträchtigte.