Neu in den Vorarlberger Kinos: „Gaza mon amour" (Foto: Panda Film / Alamode Filmverleih)
Silvia Thurner · 15. Feb 2016 · Musik

Musik zu einem Strauß gebunden – Die Klarinettistin Sandra Schmid und der Organist Jürgen Natter gaben ein geistreiches Konzert

Eine inspirierende musikalische Feierstunde erlebten die Besucherinnen und Besucher in der Pfarrkirche St. Sebastian in Rebstein. Jürgen Natter an der Orgel und Sandra Schmid an der Klarinette bzw. Bassklarinette interpretierten Kompositionen von Peter Engl, Palestrina und Mozart, die mit feinsinnig improvisierten Überleitungen miteinander verwoben wurden. Die Uraufführung des eindrücklichen Werkes „Save my inner planets!!!“ von Peter Engl stieß auf viel Zustimmung. Am Ende freuten sich die Musikerin und der Musiker über standing ovations.

Sandra Schmid und Jürgen Natter haben die Dramaturgie des Konzertes gut durchdacht, denn die einzelnen Kompositionen wurden mit improvisierten Passagen verbunden. Sie nahmen die zahlreichen Konzertbesucher im schönen Ambiente und Lichtdesign von Benjamin Häni mit auf eine variantenreiche und gut nachvollziehbare musikalische Reise. Zuerst intonierte Sandra Schmid Peter Engls „Kleiner Gedanke“ für Klarinette solo. Sie musizierte mit einer schön abgerundeten, vollen Tongebung, die in den tiefen Lagen eine erdige Färbung annahm.

Diffuse Klangflächen bringen harmonische Farben zum Leuchten


Als Bindeglied übernahm Jürgen Natter den letzten Ton und führte ihn in Palestrinas Ricercare für Orgel solo über. Besonders die harmonischen Aufhellungen ließen das Werk erstrahlen. Ebenso raffiniert war die Improvisation zwischen Palestrina und Mozarts Larghetto aus dem Klarinettenquintett (KV581) angelegt. Aus einer Klangfläche mit reibenden Tonlinien heraus trat das lyrische Hauptthema der Klarinette markant in den Klangvordergrund. Jürgen Natter verkörperte an der Orgel das gesamte Streichquartett, das im Original mit der Klarinette kommuniziert. Allerdings änderte die Bearbeitung den Werkcharakter. Nicht eine kammermusikalische Gleichberechtigung aller Stimmen durchlebte den Satz, sondern die Klarinettenstimme wirkte wie konzertant geführt.

Feinsinnig interpretierten Sandra Schmid und Jürgen Natter auch das berühmte Adagio aus Mozarts Klarinettenkonzert (KV 622). Die Klarinettistin formte die melodischen Linien aus einem Piano heraus und musizierte in einem ruhigen Duktus. In diesem Satz unterstrich die gut artikulierte Orgelbegleitung den konzertanten Charakter und verlieh dem Soloinstrument viel Entfaltungsspielraum.

Musik für eine Orgelwalze


Fulminant in der Ausgestaltung der kontrapunktischen Linien und der rhythmischen Kraft des punktierten Themas stellte Jürgen Natter die Fantasie für Orgel solo (KV 608) von W.A. Mozart in den Raum. Eindrucksvoll wurden die Wechsel zwischen virtuosen und langsamen Abschnitten in Kontrast zueinander gestellt. Die imposanten Steigerungen und jene Passagen, die besonders an die ursprüngliche Entstehung für eine Orgelwalze erinnerten, gestaltete Jürgen Natter imposant.

Die nachfolgende Improvisation ließ aufhorchen, denn hier deuteten einige Anklänge Sandra Schmids Liebe für ethnische Musik an.

Uraufführung mit Aussagegehalt


Peter Engl schuf mit „Save my inner planets!!!“ ein zerklüftetes, wildes Werk mit gut nachvollziehbaren musikalischen Inhalten. Die beiden Instrumente lieferten sich ein Kräftemessen. Sie traten als Kontrahenten gegeneinander an, gingen aufeinander zu, traten in Kontakt miteinander, sie schaukelten sich gegenseitig auf und fanden wieder zueinander. Besondere Aufmerksamkeit lenkte dabei der Wechsel zwischen der Bass- und B-Klarinette auf sich. Das Publikum verstand die Botschaft und applaudierte begeistert.