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17.08.2019 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Faszinierende Wunderwandelwelt – Uraufführung bei den Bregenzer Festspielen

Ein in mehrfacher Hinsicht fantastischer, experimenteller, verwirrender und überraschender Abend, gespickt mit bunten Papierbildern, schrägen neuen Tönen, eigenwilligen Geschichten und einer erklecklichen Portion Humor, war in François Sarhans „Wunderwandelwelt“, uraufgeführt auf der Werkstattbühne des Bregenzer Festspielhauses, mit allen Sinnen zu erleben. Der französische Künstler Sarhan entführte das interessiertes Publikum am gestrigen Abend in seine wahrhaft wundersamen Welten.

Drei Stunden dauerte das Programm und das Publikum war aufgefordert, selbst Pausen zu wählen, was einige auch nutzen, teils um gar nicht mehr zurückzukommen, während andere pausenlos durchhielten, um auch ja nichts zu versäumen. Der Abend verlangte von den BesucherInnen ein hohes Maß an Offenheit und Experimentierfreude und die Lust, sich auf Neues einzulassen.

Besonderes Erlebnis

Dass Sarhan als wahrhaftes Allround-Talent gelten kann, beweist der Künstler in „Wunderwandelwelt“, wo er sowohl für das Konzept, die Musik, den Text und die Inszenierung verantwortlich zeichnet. Tobi Jall gestaltete die Bühnen und den Film. Schon das Betreten der Werkstattbühne war ein besonderes Erlebnis. Es gab einiges zu sehen: fünf Bühnen mit verschiedenen Ebenen, ein riesige Collage mit Fotos, Zeichnungen, Schriftzeichen, Symbolen und überall große und kleine Gegenstände aus Pappe. Auch die Stühle für das Publikum waren aus Pappe, bunt durcheinander gestellt in drei großen Feldern, mit Wegen dazwischen.

Vollendetes Zusammenspiel

Das Ensemble Phace, wohl eines der renommiertesten zeitgenössischen Ensembles für neue Musik in Österreich brillierte mit beachtlicher Spielfreude und Esprit. Die MusikerInnen, allesamt glanzvolle Solist*innen, wußten auch in ihrem vollendeten Zusammenspiel zu überzeugen. Francois Sarhans Kompositionen bestechen durch Ideenreichtum und den Mut, Bekanntes und Neues, Sprache und Töne, Bewegung und Licht kreativ zu vermengen.

Großartige junge Talente

„Something out there“ ist ein Musiktheater-Ensemble, das, 2017 von Sarhan  gegründet, in Bewegung und Sprache und Musik seine ganz eigene Form gefunden hat, Geschichten zu erzählen. Unterstützt von der Schauspielerin Janina Ahh spielten, sangen, musizierten „Something out there“ die Geschichte von Bobok (toll: Frederick Sakham), einem Manager, der erfolglos für eine Gehaltserhöhung kämpft. Herrlich komisch die Vorführung der Ein-Sekundenlieder zu unterschiedlichsten Themen und ein absolutes Highlight die Sprach-Körper-Percussion-Performance „Über Analogie“ mit Jennifer Torrence und Adam Rosenblatt! Als exzellente Performer des jungen, spannenden Ensembles müssen noch Pianistin Gwen Rouger und Gittarist Primoz Sukic unbedingt genannt werden.

Fiktionale Geschichten

François Sarhan hat nicht nur komponiert und inszeniert, er stand auch auf der Bühne, erzählte über sein Faible für die Stadt Prag und hielt als verrückter Professor Glaçon eine fiktionale Vorlesung. Auch der Film, der in Episoden gezeigt wurde, erzählt eine fiktionale Geschichte, gedreht in einer fiktionalen Pappkartonwelt.

Nachwirkung

Eigentlich sind es nicht die Geschichten, die die „Wunderwandelwelt“ so faszinierend machen, es sind aber ganz gewiss die Musik, die MusikerInnen, die PerformerInnen und die Bilder, die noch lange nachwirken werden. Dass die KünstlerInnen sich am Ende des Abends nicht ihren wohlverdienten Applaus abgeholt haben, irritierte. Die ZuschauerInnen, die bis zum Schluss geblieben sind, hätten ihnen gerne ihre  Hochachtung entgegengebracht.

 

Fantastisch: Jennifer Torrence und Adam Rosenblatt

Fantastisch: Jennifer Torrence und Adam Rosenblatt

Das brilliante Ensemble Phace vor der der spannenden Bühnencollage

Das brilliante Ensemble Phace vor der der spannenden Bühnencollage

Jung und spielfreudig: Something out there (alle Fotos: Bregenzer Festspiele / Anja Köhler)

Jung und spielfreudig: Something out there (alle Fotos: Bregenzer Festspiele / Anja Köhler)

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