Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

28.05.2022 |  Silvia Thurner

Der Bundeswettbewerb „prima la musica“ geht mit 964 Musiker:innen in Feldkirch über die Bühne

Wer in diesen Tagen durch Feldkirch spaziert, bemerkt sogleich einen Unterschied. Zahlreiche, festliche gekleidete Jugendliche und ihre Familien gehen durch die Stadt. Die einen orientieren sich zielstrebig in Richtung des Vorarlberger Landeskonservatoriums, die anderen schlendern entspannt in die Innenstadt. Seit zwölf Jahren wird der Bundeswettbewerb „prima la musica“ 2022 wieder in Vorarlberg ausgetragen. Knapp tausend Teilnehmer:innen aus allen Bundesländern nehmen daran teil. Die jungen Musiker:innen zwischen 10 und 21 Jahren präsentieren sich im Landeskonservatorium, im Pförtnerhaus, in der Musikschule sowie im Montforthaus mit all ihrer Persönlichkeit am Instrument und stellen sich sowohl einer Jury als auch dem Vergleich mit anderen.

Der Bundeswettbewerb „prima la musica“ bilde die Klammer über musikalische Ausbildungsmöglichkeiten, unabhängig davon, aus welcher Institution die Kinder und Jugendlichen kommen und mache Vergleiche möglich, erklärt Birgit Hinterholzer die Geschäftsführerin von „Musik der Jugend“ und Hauptverantwortliche für die Austragung des diesjährigen Bundeswettbewerbs. Daneben betont Nikolaus Netzer, Direktor der Musikschule Feldkirch und in der Länderkonferenz für Vorarlberg verantwortlich, den hohen Stellenwert, den die Austragung dieses Wettbewerbs in Vorarlberg hat. Normalerweise würden Vorarlberger Teilnehmer:innen in ein anderes Bundesland fahren, auftreten, vielleicht die Preisverteilung abwarten und dann wieder nachhause fahren, erzählt Nikolaus Netzer. Ihm sei aufgefallen, dass in Feldkirch viele Vorarlberg:innen die Chance nutzen würden, um Kurzkonzerte von anderen Teilnehmenden anzuhören. „Das Niveau ist durchwegs in allen Kategorien sehr hoch, extrem lohnenswert ist es deshalb, den Kolleg:innen aus den anderen Bundesländern über die Schultern zu schauen, sich auszutauschen, Kontakte zu knüpfen.“

Mehr Gelegenheiten bieten

„Prima la Musica“ ist das größte Musikereignis des musikalischen Nachwuchses in Österreich. Der Wettbewerb läuft über zwölf Tage. Bereits im Frühling gingen die Landeswettbewerbe über die Bühne. Rund 20 Prozent konnten sich dabei für die Teilnahme am Bundeswettbewerb qualifizieren, berichtet Birgit Hinterholzer.
Es sei immer schön, wenn man sich mit anderen messen könne sowie ein Ziel habe, auf das man hinarbeite und Rückmeldung von Professoren aus anderen Bundesländern erhalte, betont die Cellistin Anna Schrottenbaum, kurz nach ihrem Auftritt. Mit einem guten Ergebnis seien mitunter auch Anfragen für weitere Engagements verbunden, freut sie sich.
Ob die Austragung eines Bundeswettbewerbs auch für jüngere Musikschüler:innen zwischen zehn und vierzehn Jahren bedeutend sei, beantwortet Nikolaus Netzer mit einem überzeugten Ja und zieht einen Vergleich zum Sport. „Für mich persönlich wäre es sogar erstrebenswert, ähnlich, wie wir es im Sport haben, viel mehr solcher Wettbewerbsmöglichkeiten zu schaffen.“ Prima la musica sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene findet einmal jährlich statt. Die im wahrsten Sinne des Wortes „Einmaligkeit“ des Bundeswettbewerbs biete zu wenig Möglichkeiten, sich über Bundesländergrenzen hinweg auszutauschen und sich zu messen, „kleinschrittige Entwicklungen und Fortschritte wahrzunehmen, auch eine ‚Community‘ zu bilden unter den jungen Musiker:innen“, gibt Nikolaus Netzer zu Bedenken. „Im Sport finden regelmäßig, Landes- und Bundesbewerbe und dann auch noch europa- und weltweite Bewerbe statt. Eine nur annähernd vergleichbare Struktur fehlt uns im Bereich der musikalisch-pädagogischen Förderung.“ In diese Kerbe schlägt auch der junge Cellist Kilian Erhart, der als 19-Jähriger in der Kategorie IV plus beim Wettbewerb teilgenommen hat. Er habe erst einmal Erfahrungen beim Bundeswettbewerb gesammelt. Gerne würde er öfters in derselben Alterskategorie mitmachen, um auch einen direkten Vergleich über den eigenen Fortschritt zu erhalten, meint er.
Vorarlberg steht im Hinblick auf den Stellenwert der musikalischen Ausbildung im Ländervergleich hervorragend da. In absoluten Zahlen habe Vorarlberg ein Vielfaches an Musikschüler:innen im Vergleich zur Bundeshauptstadt Wien. Auch von Seiten der Eltern und der Politik werde die Wichtigkeit der Musikschulen und ihrer Funktionen für die Kultur und Gesellschaft erkannt, stellt Nikolaus Netzer fest.

Juror:innen in beratender Funktion

Christine Roider, Claudia Salagar und Detlef Mielke waren als Jurymitglieder bei „prima la musica“ in Feldkirch tätig. Auf die Frage, nach welchen Kriterien die Jurymitglieder die musikalischen Darbietungen der jungen Musiker:innen beurteilen würden, antwortet Claudia Salagar, dass es ziemlich rasch nach den ersten Tönen klar sei, welcher Preis am Ende vergeben werden könne. Alle drei betonen, dass sie auf alle Fälle wohlwollend auftreten und sich in einer beratenden Funktion sehen. „Wir geben Feedback und das ist das Wertvollste, wenn das jemand von außen gibt.“ Die Stückauswahl sei überaus wichtig, betonen die Juror:innen. Es gehe darum, dass die Werke altersspezifisch ausgewählt seien, damit die aufstrebenden Talente damit brillieren können.
Als Vorsitzende des Bundesfachbeirates für „prima la musica“ ist Ulrike Sych unter anderem auch mit Fragen zur Werkauswahl für die teilnehmenden Musikschüler:innen beschäftigt. Die Vorbereitung zum Wettbewerb liegt bei den Lehrenden. Sie seien auch bestens darin ausgebildet für die Kinder und Jugendlichen Stücke auszuwählen, die sie beim Wettbewerb gleichermaßen fordern und fördern. Jedes „Kurzkonzert“ muss eine stilistische Bandbreite bieten und dabei auch ein zeitgenössisches Werk beinhalten, das in den vergangenen 30 Jahren entstanden ist.
Seit diesem Jahr gibt es den Programmschwerpunkt „prima Komponistinnen“, dabei werde die Interpretation der Kompositionen von Frauen in den Fokus gestellt, erklärt Ulrike Sych. Die Violinistin Fiona Warenitsch hat sich ebenfalls der Konkurrenz gestellt und sieht in der Auswahl einer zeitgenössischen Komposition eine gute Möglichkeit, sich zusätzlich zu profilieren.

Die wichtigen Begleiter:innen

Einen großen Stellenwert, der oftmals bei all den solistisch auftretenden, enthusiastisch spielenden Musiker:innen fast zu wenig wertgeschätzt wird, ist die Aufgabe der Korrepetitor:innen. Sie begleiten die Solist:innen am Klavier. Viel Erfahrung in dieser Richtung hat der pensionierte Professor und Pianist Ferenc Bognar. Er betont, wie wichtig eine gute Vorbereitung sowohl der Solist:innen als auch des Korrepetitors sei, denn ein guter Korrepetitor könne viel helfen oder alles kaputt machen. Oft wird bemängelt, dass die Möglichkeiten mit einem Korrepetitor zu üben, zeitlich sehr knapp bemessen seien. Umso wichtiger sei, dass die Musikschüler:innen und auch Studierenden die Vorbereitung mit dem Klavierbegleiter:in nicht als Übungsstunde, sondern als Probe verstehen würden, betont Ferenc Bognar. Auch in der Kategorie „Begleitung“ sind beim diesjährigen Bundeswettbewerb sechs Jugendliche angetreten.

Erfahrungen für später sammeln

Vor einigen Jahren wurde für Jugendliche, die ihr Hobby zum Beruf machen wollen, die Kategorie „Plus“ eingeführt. Das bedeutet, dass die jungen Musiker:innen mit gesteigerten Anforderungen beim Landeswettbewerb antreten und für die Teilnahme beim Bundeswettbewerb ein zusätzliches Programm einstudieren. Das sei mitunter mit etwas Stress verbunden, aber gleichzeitig auch sehr reizvoll betonen Fiona Warenitsch, Anna Schrottenbaum und Kilian Erhart. „Es ist eine Motivation, wenn man vom Landeswettbewerb zum Bundeswettbewerb weitergeleitet wird, dass man dann das zweite Programm richtig gut präsentieren kann“, sind sie sich einig.
Diese Vorgangsweise habe sich sehr bewährt, unterstreicht Ulrike Sych, denn in der Vorbereitung auf ein Musikstudium sei es für die Teilnehmer:innen der „Plus-Gruppen“ relevant, Erfahrungen zu sammeln, „die den Anforderungen von Zulassungsprüfungen der Musikuniversitäten und –hochschulen weitgehend entsprechen.“ Ergänzend fügt Birgit Hinterholzer an, dass die Veröffentlichung der Punkte in diesen Gruppen einen noch direkteren Vergleich ermögliche.

Ergebnislisten
https://musikderjugend.at/prima-la-musica/bundeswettbewerb/ergebnisse

Der Bundewettbewerb "prima la musica" in Feldkirch versammelte junge Musiker:innen aus ganz Österreich in Feldkirch. (Foto: Theresa Pewal)

Der Bundewettbewerb "prima la musica" in Feldkirch versammelte junge Musiker:innen aus ganz Österreich in Feldkirch. (Foto: Theresa Pewal)

Neben den Solist:innen traten auch zahlreiche Ensembles auf. (Foto: Theresa Pewal)

Neben den Solist:innen traten auch zahlreiche Ensembles auf. (Foto: Theresa Pewal)

Nach den Auftritten gab es viel zu besprechen. Im Bild: Fiona Warenitsch, Kilian Erhart und Anna Schrottenbaum.

Nach den Auftritten gab es viel zu besprechen. Im Bild: Fiona Warenitsch, Kilian Erhart und Anna Schrottenbaum.

Unter anderem gaben Claudia Salagar, Christine Roider und Detlef Mielke den Teilnehmer:innen ein konstruktives Feedback "von außen".

Unter anderem gaben Claudia Salagar, Christine Roider und Detlef Mielke den Teilnehmer:innen ein konstruktives Feedback "von außen".

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Der Bundewettbewerb "prima la musica" in Feldkirch versammelte junge Musiker:innen aus ganz Österreich in Feldkirch. (Foto: Theresa Pewal) Der Bundewettbewerb "prima la musica" in Feldkirch versammelte junge Musiker:innen aus ganz Österreich in Feldkirch. (Foto: Theresa Pewal)
  • Neben den Solist:innen traten auch zahlreiche Ensembles auf. (Foto: Theresa Pewal) Neben den Solist:innen traten auch zahlreiche Ensembles auf. (Foto: Theresa Pewal)
  • Nach den Auftritten gab es viel zu besprechen. Im Bild: Fiona Warenitsch, Kilian Erhart und Anna Schrottenbaum. Nach den Auftritten gab es viel zu besprechen. Im Bild: Fiona Warenitsch, Kilian Erhart und Anna Schrottenbaum.
  • Unter anderem gaben Claudia Salagar, Christine Roider und Detlef Mielke den Teilnehmer:innen ein konstruktives Feedback "von außen". Unter anderem gaben Claudia Salagar, Christine Roider und Detlef Mielke den Teilnehmer:innen ein konstruktives Feedback "von außen".