"Mit einem Tiger schlafen": Anja Salomonowitz‘ Spielfilm über die Künstlerin Maria Lassnig derzeit in den Vorarlberger Kinos (Foto: Stadtkino Wien Filmverleih)
Silvia Thurner · 27. Jul 2017 · Musik

Balzrufe, Orpheus, Tango und Vierteltöne – der Wiener Concert-Verein unter der Leitung von Martin Kerschbaum bescherte Gerold Amann ein schönes Geburtstagsfest

Die zweite Ausgabe der „Zeitklang im Museum“ ist in diesem Jahr dem Vorarlberger Komponisten Gerold Amann gewidmet. Im Rahmen eines stimmungsvollen Konzertes wurden zwei Werke aufgeführt, die für das kammermusikalische Schaffen des in Schlins lebenden Künstlers typisch sind. Überdies erklangen Werke von Johanna Doderer, Michael Floredo und Gerald Futscher. Alle drei haben von Gerold Amann entweder wesentliche Impulse erhalten oder bei ihm studiert. Gut disponiert spielten die Musikerinnen und Musiker des Wiener Concert-Vereins, so dass hervorragende Werkdeutungen erklangen und der gesamte Abend zu einem rund um gelungenen Fest für den bald 80-jährigen Gerold Amann wurde.

Es brauchte nicht allzu viele Worte an diesem Abend, denn die Musik stand im Vordergrund und sprach für sich selbst. Diese sympathische Konzentration auf das Wesentliche ergab im Saal des vorarlberg museums eine feine und zugleich dichte Atmosphäre. Im Mittelpunkt standen zwei Werke von Gerold Amann. „Nachricht für den Uhu“ ist im Jahr 1983 entstanden. Zu einer Zeit, in der sich der stets individualistische und zeitkritische Künstler intensiv mit Bandverzögerungen von aufgezeichneten Vogelgesängen beschäftigte. Rufe und Laute der Uhubalz in unterschiedlich verzögerten Formen kombinierte er in diesem Werk mit Maschinenmorsen sowie einer Kuckucksuhr und verband damit kreativ und verspielt die belebte Natur mit dem Umweltschall.

Die transparent geführten melodischen Linien und die Instrumentation mit Flöte (Alexandra Uhlig), Klarinette (Manuel Gangl), Violine (Franz Fischer), Violoncello (Peter Siakala), Klavier (Ines Schüttengruber) und Percussion (Tomas Schindl) führten die Zuhörenden unmittelbar hinein in ein gut nachvollziehbares Kaleidoskop von rufartigen Motiven, die in unterschiedlichen Klangkonstellationen und rhythmischen Fortschreitungen zueinander in Beziehung gestellt wurden. Schöne Akzente setzte der Perkussionist unter anderem mit dem Reibeklang an einem Weinglas.

Abwechslungsreicher musikalischer Fluss

Im Jahr 1999 komponierte Gerold Amann das „Concertino für Klavier und Kammerorchester“. Neben den bereits genannten Mitgliedern des Wiener Concert-Vereins musizierten Stefanie Gansch (Oboe), Thorwald Almassy (Violine), Christian Kaufmann (Viola) und Christian Roscheck (Kontrabass) wieder unter der versierten Leitung von Martin Kerschbaum. Dem Klavier wurde über weite Strecken eine vorrangige Stellung eingeräumt, abschnittweise agierte dieses jedoch auch ganz bewusst in den melodischen Fluss eingebettet. Die Pianistin Ines Schüttengruber füllte ihren Part hervorragend aus und markierte zahlreiche Bewegungsimpulse und setzte Verdichtungsprozesse in Gang, die das Kammerorchester erwiderte und weitertrug. Auf diese Weise entwickelte sich ein abwechslungsreiches Spiel mit musikalischen Verlaufsformen, die auch optische Bilder wie Trittmuster oder Wirbel implizierten. Der Wiener Concert-Verein musizierte klanglich hervorragend ausbalanciert, so dass sich die Quintessenz des Werkes transparent herauskristallisierte.

Michael Floredos „Orpheus Rückkehr“ für Klavier solo hat längst seinen eigenen Weg in den Konzertsaal gefunden und wurde schon oft von unterschiedlichen Interpreten gespielt. Allein deshalb war es spannend, wie Ines Schüttengruber ihre Werkdeutung anlegen würde. Einesteils benötigt gerade dieses Werk einen großen akustischen Klangraum, doch auch in der eher trockenen Akustik im Vortragssaal des vorarlberg museums entfaltete das Klavierstück eine gute Wirkung. Die Pianistin hörte gut hinein in die sich öffnenden Klangräume und schrieb die motivischen Floskeln darin ein. Aufmerksamkeit erregte auch die im Korpus gezupften Saiten im Zusammenklang mit den angeschlagenen Tönen.

Johanna Doderer spielte im „Tango“ mit den Idiomen des weltberühmten Tanzes und lustvoll kosteten die Musiker das humorvoll angelegte Werk aus.

Samtweicher Ton

Bewunderung löste die Spielart des Posaunisten Martin Riener aus, der zusammen mit Ines Schüttengruber zwei der „5 Stücke für Posaune und Klavier“ von Gerald Futscher zur Uraufführung brachte. Die Nr. 2 legten die Musiker lyrisch an. Dazu entwickelte Martin Riener eine wunderbar weiche Tongebung, die die Zuhörenden in Staunen versetzte. Das waren die besten Voraussetzungen für das fein ziselierte Stück Nr.5. Darin brachte die vierteltönige melodische Linie in Verbindung mit dem Klavierpart faszinierende Klangkonstellationen zum Klingen. Die Rollenwechsel zwischen den Instrumentalstimmen und das höchst konzentrierte Spiel machte diese Uraufführung zu einem besonderen Ereignis.

 

Tipp
Feitag, 4. August, vorarlberg museum, 20 Uhr
Zeitklang im Museum II mit dem Wiener Concert-Verein. Werke von Gerold Amann, Richard Dünser, Alfred Huber u.a.