Neu in den Kinos: „Ich Capitano“ (Foto: X-Verleih)
Silvia Thurner · 04. Okt 2015 · Musik

Alte Musik und arabisch inspirierte Improvisationen – frenetischer Jubel für Concerto Stella Matutina, Claudio Spieler und David Mayoral

Sein drittes Abonnementkonzert widmete das „Concerto Stella Matutina“ der barocken Tanzmusik. Um den Werkdeutungen den richtigen Drive zu verleihen, luden die Musiker den aus Bregenz stammenden Perkussionisten Claudio Spieler und David Mayoral aus Spanien ein. Mit diesen beiden charismatischen Persönlichkeiten entwickelte der Abend eine mitreißende Dynamik. Die farbenreichen und höchst inspirierenden Improvisationen zogen die Zuhörenden in den Bann, und die Verbindung mit Kompositionen von Johann Heinrich Schmelzer, Alessandro Poglietti und Giovanni G. Kapsberger war hervorragend.

Herbert Walser-Breuß ist ein vielseitiger Musiker und darüber hinaus ein guter Arrangeur. Auch für diesen „Tanzabend“, der unter dem Motto „Alles Balletti“ stand, hat er zahlreiche Sätze für das spezifische Instrumentarium des CSM eingerichtet, zusammengestellt und teilweise auch arrangiert. So fügten sich die einzelnen Darbietungen zu einem kaleidoskopartigen Ganzen zusammen. Nicht nur die beiden Perkussionisten spielten unter anderem mit Trommel, Djembe, Darabuka, Rahmentrommel und Tamburin, sondern das Barockorchester wurde auch bereichert durch eine Tripelharfe (Margret Köll), eine Blockflöte (Katya Polin) sowie eine Colascione (Mirko Arnone) – das ist ein kraftvolles Lauteninstrument, das für die Barockmusik soviel bedeutet hat wie eine E-Gitarre in der heutigen Popularmusik. Thomas Platzgummer führte sympathisch durch den Abend und ließ die Musiker ihr Instrumentarium selbst erklären. So gab es nicht nur Außergewöhnliches für die Ohren, sondern auch interessante Einblicke in die Instrumentenkunde.

Universelle Sprache der Perkussion


Dem Spiel von Claudio Spieler und David Mayoral zuzuhören, war ein besonderes Erlebnis. Humorvoll und mit bewundernswerter Virtuosität forderten sich die beiden Musiker heraus, führten originelle Dialoge miteinander, schufen mitreißende Überleitungen und gliederten sich ausdrucksstark in den barocken Orchesterklang ein. Besondere Bewunderung löste das nuancierte Spiel mit den Tonhöhen auf der Rahmentrommel und dem Tamburin aus. Dass die klangschönen Trommeln und die Energien der Rhythmen sehr unmittelbar auf die Zuhörenden wirken, war in der Kulturbühne „AmBach“ besonders eindrücklich zu erleben. Spontan erhoben sich nach der ersten Improvisation Begeisterungsstürme im Saal.

Bilder- und farbenreiche Kompositionen


Die Balletti von Johann Heinrich Schmelzer und Alessandro Poglietti boten viel Abwechslung. Schöne Stimmungsbilder, Naturschilderungen und typische Anklänge an die Volksmusik und länderspezifische Eigenheiten lenkten den Blick in unterschiedliche Himmelsrichtungen. Beispielsweise klang die Violine plötzlich wie eine englische Fidel, Schleifer erinnerten an alpine Volksmusik und Rhythmuswechsel an südosteuropäische Volkslieder.

Risikobereite Musikerinnen und Musiker


Den Orchestermusikern verlangte das Konzert sehr viel Flexibilität und einen außergewöhnlichen Einsatz ab. Wohl aus diesem Grund wirkte der Gesamtklang des ansonsten so gut austarierten CSM abschnittweise etwas diffus. Doch dies machten die Orchestermusiker unter anderem mit originellen Überleitungen zwischen Improvisationen und Kompositionen wett, in die beispielsweise die „Capona“ von Kapsberger und Pedro Guerreros „La Perra Mora“ eingebettet wurden.

Der „Ballo della Battaglia“ von Bernardo Storace bildete zugleich den Schluss und einen Höhepunkt des Abends. Das Publikum war hingerissen und entließ die Musiker erst nach zwei Zugaben. Vor allem das sephardische Lied mit den Soli der Bratsche, der Trompete und der Flöte hinterließ einen großenartigen Eindruck.