Fahrraddiebe – Ladri di biciclette (Foto: Juppiter Film)
Martina Pfeifer Steiner · 14. Sep 2026 · Ausstellung

Lokalaugenschein bei der Parallel Vienna 26

Die Parallel Vienna verwandelt im September das Otto Wagner Areal auf der Baumgartner Höhe in einen extravaganten Ausstellungsort.

Zum großen Kunstereignis im Wiener Otto Wagner Areal hat das gerade in die CampusVäre Dornbirn eingezogene Living Museum gelockt – zu entdecken war dann ganz viel Vorarlberg Präsenz: in der Parallel Kitchen, bei den Gallery Statements sowie bei den kuratierten Segmenten Artist-, Coop- und Project Statements.

Die 2013 gegründete Parallel Vienna wollte damals an der größten Kunstmesse Österreichs – der Vienna Fair – andocken und jungen, weniger namhaften Künstler:innen die Möglichkeit bieten, sich prominent zu präsentieren, aber auch unkonventionelle Leerstände in dynamische Ausstellungsorte verwandeln. Inzwischen hat sich diese alternative Plattform etabliert und ist eine Schnittstelle zu Galerien, Institutionen und der freien Szene geworden. Terminlich parallel lief heuer erstmals die Astoria Artshow in der Josefstadt, organisiert vom Verein Vienna Art United. Einige Galerien waren dann tatsächlich auf beiden Kunstmessen vertreten.
Die Bregenzer Galerie Lisi Hämmerle, zum Beispiel, zeigte in der Astoria-Garage Claudia Larcher und im Pavillon 7 Leo Peschtas „The Thicket“. Den dritten Teil seiner Werkreihe mit „The Sea“ und „The Forest“ konzipierte er für die Sommerausstellung in Bregenz. Auch in dieser Installation geht es um Naturphänomene in „technosymbolischer Simulation“ als Bewegung, Klang und räumliche Beziehungen (siehe Artikel KULTUR Juli/August 26). Zudem war Lisi Hämmerle bei Parallel Editions – mit Schwerpunkt auf Editionen, Grafiken, Multiples, Kleinplastiken, Objekten, Skulpturen, Kunstbüchern – präsent, die heuer zum ersten Mal nicht nur gleichzeitig, sondern am selben Ort stattfand. Zu entdecken unter anderen: Edith Hofer mit ihrer Unikat Edition „Gashgai-Blüten“; Amrei Wittwer mit „Powder – Mein kleines Pony“; Ruth Schnells UV-Drucke auf Büttenpapier „Flower/Shotgun“ und Claudia Larchers Giclée Prints „Still Lifes“.
Vorarlbergbezug ist auch bei der Innsbrucker Galerie Rhomberg auszumachen, die im Haupthaus – dem Jugendstiltheater – mit Zeichnungen von Andy Warhol auftrumpft. Clemens Rhomberg (Nachkomme aus der Textil-Rhomberg-Dynastie) erzählt, wie alle nur den Kopf geschüttelt hatten, als er 1981 die erste Warhol Ausstellung in Österreich eröffnete. Alfred Hitchcock, Graphit auf HMP-Papier, 80,9 x 60,3 wäre um 105.000,- Euro zu erwerben … faszinierend!
Parallel Kitchen ist die diesjährige Special Exhibition mit Eat Art. Auf einen Blick sieht man beim Kücheneingang gleich zwei auffallende Werke: „Bitte leise putzen“ auf gerahmtem Geschirrtuch von Christine Lederer und „Marmeladen“ von Paul Renner. Der Künstler hat zur Eröffnung mit Josef Floh – Chef – Abendessen zubereitet: „The Grand Inquisitor’s Breakfast“. Ebenso Roland Adlassnigg, der einen Beitrag zum Parallel Kitchen Buffet kochte, nämlich einen Vulkan aus Couscous, mit herunterrinnendem schwarzen Reis und Feuerzungen aus Paprika und Kürbis. Die mit Verzierungen kunstvoll gefrästen Bierbänke und -tische gehören zum Artist Statement des Vorarlbergers Lukas Weithas, der im Erdgeschoss dazu noch einen eigenen kleinen Raum bespielt. Nachzulesen auf der Parallel Website: „Weithas arbeitet an der Schnittstelle von Skulptur, Installation, Performance und setzt sich mit ländlicher Ästhetik sowie Fest- und Zeltkultur als soziale Strukturen auseinander, in denen Zugehörigkeit und Ausgrenzung sichtbar werden.“
Clemens Gächter kommt aus Hohenems, hat an der Universität Mozarteum in Salzburg studiert und beim Ö1 Talentestipendium den Publikumspreis und damit die Teilnahme am Artist Statement im Rahmen der Parallel gewonnen. Auf großformatigen Textilien erzählt er mit subtiler Ironie … „heute nicht“ gilt für das Schweinchen, das sich losgerissen hat … oder „vielleicht doch“, wenn der verschollene Jäger zurückkehrt? Wer lauert, wer beobachtet? Die wiederkehrende Figur des Voyeurs spielt mit der Ambivalenz von Nähe und Distanz.
Für Coop Statements können sich bis zu drei Künstler:innen für eine gemeinsame Präsentation bewerben, so wie Anita Steinwidder mit textilen Bildern und Katja Berger mit gemalten. „Fragments of Presence … Statements of Becoming“ behandeln zwei feministische Positionen in einem Raum, ein Frauenbild zwischen Erschöpfung und Selbstermächtigung. Katja Berger zeigt neue Bilder der Serie „Her own Money“, die sie für die kommende Ausstellung in der Sylvia Janschek Art Gallery im Oktober in Bregenz konzipiert.
Das Segment Project Statements bietet Kunstvereinen und unabhängigen Kunsträumen eine Plattform, um ihre aktuellen Programme mit bis zu fünf Künstler:innen zu präsentieren. Neben dem Living Museum Linz zeigt Matthias Bildstein für Vorarlberg die zwei Künstler WolfGeorg und Leon Wust. Die weltweite Kunstbewegung umfasst vierzig solcher Institutionen, wo man für einen stressfreien Raum zur Entfaltung des hohen künstlerischen Potenzials Sorge trägt und die Werke professionell im zeitgenössischen Kunstbetrieb positioniert. Die Bilder der beiden Künstler waren sehr gefragt – und für Kinder anregend, einfach loszuzeichnen.
Höchst spannend war aber auch die Premiere einer Live-OstLicht Photo Auktion. Sämtliche Bilder konnte man im ersten Stock der Kitchen bei den Parallel Editionen in Ruhe betrachten. Zahlreiche Leute im Saal sowie internationale Online- und Telefonbieter sorgten für aufregende Gefechte, da vergingen die Stunden wie im Flug. Nächstes Jahr sollte man sich besser zwei Tage für den Besuch dieser außergewöhnlichen Kunstmesse reservieren ... und mindestens noch einen dazu für die Astoria Art Show.