"Die Sterne" im Spielboden Dornbirn: Frontmann Frank Spilker und Philipp Janzen an den Drums (Foto: Stefan Hauer)
Thorsten Bayer · 25. Jän 2013 · Literatur

Zeitlose Analysen aus der Wiener Moderne – Arthur Schnitzler Tage in Hittisau

„Wir spielen immer – wer es weiß, ist klug“: Unter diesem Titel stand die Auftaktveranstaltung der Arthur Schnitzler Tage im Hittisauer Gasthof Krone am gestrigen Donnerstagabend. Dietmar Nussbaumer, der Wirt der „Krone“, und Gotthard Bilgeri haben dazu Prof. Klaus Gmeiner zurück in seine Vorarlberger Heimat holen können. Mit sichtlichem Vergnügen gestaltete der 80 Jahre alte Regisseur, der aus Schwarzach stammt, das Programm. An seiner Seite: die beiden Schauspieler Johanna Lonsky und Leo Braune. Bis Samstag noch beleuchten die drei Künstler Leben und Werk des Wiener Arztes und Schriftstellers.

Dietmar Nussbaumer ist die Freude ins Gesicht geschrieben, als er in die Runde von 30 Gästen blickt, die im Kaminzimmer der „Krone“ gespannt das Programm erwarten. Die Hausgäste sind dabei sogar eine Minderheit, die meisten Besucher sind aus Hittisau oder anderen Bregenzerwälder Nachbargemeinden gekommen. „Das, was wir unter Dorfkultur verstehen, passiert genau jetzt“, sagt Nussbaumer. Gemeinsam mit Markus Faißt, Gotthard und Wolfgang Bilgeri sowie Urs Schwarz gehört er zu den treibenden Kräften des regen Hittisauer Kulturlebens, wie die KULTUR-Zeitschrift in ihrer Dezember/Jänner-Ausgabe berichtete. Sein Anspruch ist dabei, ein urbanes Angebot mitten im Vorderwald zu bieten. Das Interesse gibt ihm recht: Der gemütliche Raum ist sehr gut gefüllt und das – noch bemerkenswerter – bei weitem nicht nur von Senioren.

Die österreichische Variante von Tschechow

Klaus Gmeiner ist viel unterwegs; auch heute noch, mit 80 Jahren. Der künstlerische Leiter des Salzburger Straßentheaters, der am Mozarteum das Schauspielseminar besuchte, hat sich schon früh für die Wiener Literatur der Jahrhundertwende interessiert. Die pointierten und zeitlosen Analysen Schnitzlers vergleicht er mit den Werken von Tschechow oder Ibsen. „Als ich dann Regisseur war, hatte ich die Möglichkeit, die wichtigsten Werke Schnitzlers zu inszenieren“, erzählt Gmeiner. „Während meiner Tätigkeit als Leiter der Hörspiel- und Literaturabteilung beim ORF Salzburg entstanden mindestens 15 Hörspiele nach Texten von Schnitzler. Da mich das Gesellschaftskritische, das Zwischenmenschliche mit allen seinen Problemen bei meinen Arbeiten besonders interessierte, griff ich gerne nach diesen Texten.“

Kombination aus Schauspiel und Vortrag

Für die Präsentation des Themas hat Gmeiner eine interessante und unterhaltsame Form gefunden: Seine Erklärungen zur zeitgeschichtlichen Einordnung und zum Werdegang Schnitzlers – der 1862 in Wien zur Welt kam, wo er auch 1931 starb – wechseln sich mit gespielten Szenen aus seinen Werken und Tagebüchern ab. Johanna Lonsky und Leo Braune zeigen beispielsweise eine Szene aus der Monolog-Novelle „Fräulein Else“. Auch das „manische Liebesleben“ (Gmeiner) des Schriftstellers wird so anschaulich.

Immer noch aktuell

Die Stärke des Autors, der übrigens aus einer Medizinerfamilie stammte und eine eigene Privatpraxis eröffnete, die er nie ganz aufgab, liegt für Klaus Gmeiner in seiner unveränderten Aktualität: „Während Sigmund Freud, ein Zeitgenosse und Freund Schnitzlers, allmählich verblasst, sind die Analysen und Behauptungen des Arztes Schnitzlers für mich in vielen Fällen so heutig, dass die meisten Theaterstücke und auch seine Erzählungen genau auch die heutige Gesellschaft berühren.“ Über tiefe Einblicke in die Psyche seiner Protagonisten gelang es ihm, ein präzises Bild der damaligen (Wiener) Gesellschaft zu zeichnen. Dazu diente ihm auch das Stilmittel des inneren Monologes, das er sowohl im „Leutnant Gustl“ als auch in „Fräulein Else“ verwendete.

Für Prof. Gmeiner schließt sich in Hittisau ein Kreis: „Für mich sind diese Tage wie ein Homecoming. Als Bursche habe ich im Gasthof Engel in Schwarzach meine ersten Begegnungen mit Literatur und Theater gehabt. Heute bin ich in der ‚Krone’ Hittisau, wo die frühere Chefin des ‚Engel’ mittlerweile die Seniorchefin ist.“

Das weitere Programm der Arthur Schnitzler Tage

Fr, 25.1.
11 Uhr: Ausflug ins Ziegentheater bei Melitta und Ingo Metzler
17 Uhr: „Eher holt man den Vogel im Flug ein als Liebe, die flieht“:
Erzählungen und Dialoge Liebender. Eine Szene aus dem Zyklus Anatol und die Prosastücke „Der Empfindsame“ und „Die Frau des Weisen“

Sa, 26.1.
11 Uhr: Holzkultur-Rundgang durch Hittisau
17 Uhr: „Die kleine Komödie“ in der Holzwerkstatt Markus Faißt
Ein burleskes Lustspiel in Briefform


www.arthur-schnitzler.at

www.krone-hittisau.at