Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

15.06.2014 |  Ingrid Bertel

Mörderische Wellness - „Gesundes Gift“ von Franz Kabelka

In seinem Indien-Krimi „Gesundes Gift“ findet Franz Kabelka tödliche Spuren von Schwermetallen im ayurvedischen Massageöl.

Auf der ersten Seite des Romans stirbt Meera. Sie liegt verschmutzt auf dem nackten Lehmboden einer ärmlichen Hütte und ist zu schwach, sich vor einer Kettenviper in Sicherheit zu bringen. Meera wurde systematisch vergiftet beim Herstellen jener Produkte, die mittlerweile jede zweite Wellness-Einrichtung anbietet. Nach der Lektüre des Romans dürfte sich die Lust darauf allerdings nachhaltig verflüchtigen.

Wir reisen mit der Reporterin Frieda Prohaska, die uns Kabelka mit einer Prise Selbstironie vorstellt, denn als erstes besucht sie mit ihrem Lebens-Abschnitts-Partner Leo die Lesung eines Vorarlberger Autors, „der aus einem höchst nervigen Kriminalroman las. Nicht einmal ein verdammter Kommissar kam darin vor.“

Seinen Chefermittler Tone Hagen, der ihn mürrisch durch mehrere Krimis führte, hat Kabelka bekanntermaßen in Pension geschickt. Jetzt soll also Frieda recherchieren. Das tut sie am liebsten via Ultrabook. Ambitionierter ist da schon ihr Kollege Bernd Lussnig, ebenfalls Angestellter des Hochglanzmagazins „opinion“. Lussnig recherchiert in Indien, für Frieda fallen ein paar Nebenjobs ab. Was ist etwa an der Studie dran, die zum Ergebnis kommt, dass „40 % der im Internet verkauften ayurvedischen Produkte, welche unter rasa shastra laufen, massive Überschreitungen der Grenzwerte bei Quecksilber, Blei und Arsen aufweisen“?
An der Boston University will Studienautor Richard Piper weit umfangreichere Daten sammeln, da legt ihm ein Herr Ajith Nair ein Angebot auf den Tisch: eine Million Dollar für’s Aufhören und Wegsperren der Befunde. Ajith Nair hat eine traurige Familiengeschichte. Die Massenvergewaltigung seiner Schwester hat er auf eine Weise verarbeitet, die die Polizei nicht erlaubt. Aber die Polizei war schließlich an der Tat, die Chandra das Leben kostete, beteiligt.

Erzählfäden


Kabelka führt die Erzählfäden aus Österreich, den USA und Indien geschickt zusammen, auch wenn Frieda Prohaska einigen Anlauf braucht, um sich wirklich zu journalistischer Arbeit zu entschließen. Nun erfährt sie von Richard Piper einiges über „rasa shastra“: „Das Argument, dass es sich bei dem nach den traditionellen ayurvedischen Rezepturen bearbeiteten Blei um eine andersartige, nicht toxisch wirksame Form von Blei (das ominöse „bhasma“) handle, wurde nach meiner Kenntnis noch nie einer physikalisch-chemischen Überprüfung unter wissenschaftlich anerkannten Standards unterzogen.“ Dass die Schwermetalle durch diverse Prozeduren verschwänden, sei alchemistischer Glaube.
Wie aber kommen sie überhaupt ins Massageöl? Durch Frauen wie Meera, die Blei und Quecksilber in Mörsern zerreiben, über offener Flamme erhitzen und sich dabei vergiften. Kurt Kauer weiß das. Er hat ein Ökoprojekt im Sadhana Forest zwischen Pondicherry und Auroville ins Leben gerufen. Da werden Bäume gepflanzt, und es gibt ärztlich überwachte Arbeitsplätze für Frauen wie Meera. Es ist eine Art betreutes Sterben, erfährt die erschütterte Frieda. Und es ist das Unternehmen „Chennai Ayurvedic Pharmacy“ (CHAP), das die Gesundheit dieser Frauen ruiniert – und möglicherweise auch die Gesundheit entspannungswilliger TouristInnen.
Frieda stört. Frieda muss weg. Piper muss auch weg. Ajith Nair hat dazu den Auftrag von „Chennai Ayurvedic Pharmacy“. „Dass es jetzt ums Überleben der Firma ging, hatte der ältere Bruder bei ihrem letzten Telefongespräch unmissverständlich klargestellt. Sentimentalität liefe in solch einer Situation auf dasselbe hinaus wie Illoyalität.“

Franz Kabelka erweist sich in seinem sechsten Krimi als versierter Handwerker. Seine Geschichte ist mehr ist als reine Unterhaltung und trotzdem spannend wie … nun ja: der Autor legt einen Vergleich nahe, dem man beipflichten kann: „Leo kam sich vor wie in 'Das Duell' von Steven Spielberg, in den Sekunden vor dem Inferno.“

 

Buchpräsentation "Gesundes Gift" von Franz Kabelka

Mo, 30.6.2014, 20 Uhr
Theater Kosmos, Bregenz

Do, 3.7.2014, 20.15 Uhr
Theater am Saumarkt, Feldkirch

 

Franz Kabelka, Gesundes Gift, Hardcover mit Schutzumschlag, 336 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-222-13466-1, Verlag Styria, Wien 2014

Franz Kabelka erweist sich in seinem sechsten Krimi als versierter Handwerker

Franz Kabelka erweist sich in seinem sechsten Krimi als versierter Handwerker

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Kabelka Cover.jpg
  • Franz Kabelka erweist sich in seinem sechsten Krimi als versierter Handwerker Franz Kabelka erweist sich in seinem sechsten Krimi als versierter Handwerker