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30.03.2021 |  Annette Raschner

Ein Vater wie ein Bilderbuch - Interview mit Christian Futscher zu seinem neuen Buch

Letztes Jahr hätte Christian Futscher so viele Lesungen gehabt wie nie zuvor in seinem Leben. Alle wurden abgesagt oder verschoben. Noch gelinge es ihm recht gut, ein heruntergefahrenes, einfaches Leben zu führen, sagt der in Wien lebende Schriftsteller im Gespräch mit Annette Raschner. Sein neues Buch „Mein Vater, der Vogel“ ist ein bunter, tragikomischer Episodenroman, erschienen bei Czernin. Wer Christian Futschers Literatur kennt, weiß, dass der gebürtige Feldkircher darin gerne und ausgiebig flunkert. Das ist auch diesmal nicht anders. Denn versprochen wird ein Erinnerungsbuch über seinen Vater.

Poetische Aktionen

Christian Futscher: Seit vielen Jahren habe ich lustige Vateraktionen notiert, um vielleicht irgendwann einmal ein Buch daraus zu machen. Ich hatte in der Vergangenheit viel Zeit mit meinem Sohn verbracht, und wir haben immer wieder aberwitzige Dinge unternommen. Ich habe dabei öfters an H. C. Artmann gedacht, der gemeint hat, dass man ein Dichter sein kann, ohne zu dichten, wenn man poetische Aktionen setzt.
Letztes Jahr während des Lockdowns habe ich wie so viele aufgeräumt, und da sind mir zahlreiche Zettel untergekommen, auf denen „Vater“ gestanden ist; Zettel mit Notizen, die ich gesammelt hatte.
Dann sind mir zwei wunderbare Bücher von Jean-Louis Fournier in die Hände geraten – „Wo fahren wir hin, Papa?“ und „Umgebracht hat er keinen“ – und sie haben mich überzeugt, etwas aus dem gesammelten Material zu machen. Denn sie sind sehr witzig und gleichzeitig ungemein tragisch. Es hat Klick gemacht. Ich habe mich erinnert, erfunden oder – ausgehend von wirklichen Erlebnissen – eine Episode ausgebaut. Als zweite Ebene habe ich die Geschichte einer Ehe eingeführt. Ursprünglich war das Buch um einiges dicker, meine beiden Lektoren haben es ziemlich zusammengekürzt.
Annette Raschner: Das Buch ist zweifelsohne eine Hommage an einen Vater. Aber hat es auch irgendwas mit deinem Vater zu tun?
Futscher: Mit meinem Vater hat es rein gar nichts zu tun. Die einzige Parallele ist die, dass mein Vater so wie der Vater im Buch mit 52 Jahren gestorben ist. Interessanterweise wurde ich kürzlich wegen einer Lesung kontaktiert, und dabei wurde ganz selbstverständlich angenommen, dass ich über meinen Vater ein Buch geschrieben habe. Nein, es hat mit mir als Vater zu tun!

Die Anziehungskraft des „Halblustigen“

Raschner: Das Buch hast du deinem mittlerweile erwachsenen Sohn Philipp gewidmet. Schwingt darin auch ein bisschen so etwas wie eine augenzwinkernde Entschuldigung für die vielen Blödeleien mit, der er ertragen musste?
Futscher: Das könnte man so ausdrücken, ja. Es war nicht immer nur schön für ihn, wenn ich lustig war. Aber – wie der Werner Kofler einmal so richtig geschrieben hat: Ich kann dem Halblustigen nur schwer widerstehen. Manchmal gehe ich den Menschen damit ziemlich auf die Nerven, die Hauptleidtragenden waren natürlich mein Sohn und meine Frau.

Kleiner, bunter Episodenroman

Raschner: Der Verlag hat das Buch zunächst einen Roman genannt. War das ursprünglich das Vorhaben von dir?
Futscher: Nein, eigentlich überhaupt nicht. Aber wenn man das Wort Roman in den Mund nehmen möchte, würde ich von einem kleinen, bunten, tragikomischen Episodenroman sprechen.

Die Sache mit der Logorrhö

Raschner: Im vergangenen Jahr sind gleich drei neue Bücher von dir erschienen, darunter ein Kinderbuch. Wirkt sich die Pandemie auf dein Schreiben positiv aus, weil du nicht abgelenkt bist?
Futscher: Es hat immer wieder Jahre gegeben, in denen mehrere Bücher von mir erschienen sind. Ich bin ein Vielschreiber, sogar ein Zuviel-Schreiber. Es ist schon fast eine Krankheit. Mit Logorrhö habe ich wirklich zeitweise zu kämpfen. Ich meine, es wird nur ein winziger Bruchteil von dem, was ich schreibe, veröffentlicht. Ich habe gerade dem Picus-Verlag drei Kinderbuchmanuskripte geschickt, weil ich unbedingt mit der Illustratorin meines Kinderbuchs „Gute Reise, Eierspeise“, Raffaela Schöbitz, noch ganz viele Bücher machen möchte!
Raschner: Du hast im April letzten Jahres deinen 60. Geburtstag gefeiert. Leider konntest du ihn nicht, wie beabsichtigt, in Venedig feiern. Geht bei dir manchmal die Angst um, dass du deinen Schalk verlieren könntest, wie auch der Vater in dem Buch nach der Trennung seiner Frau?
Futscher: Es gibt manchmal so Phasen, aber die vergehen wieder ziemlich schnell.

Annette Raschner ist Redakteurin des ORF-Landesstudios Vorarlberg

Christian Futscher: Mein Vater, der Vogel. Czernin Verlag, Wien 2021, ca. 160 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, ISBN: 978-3-7076-0728-4, € 20

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