Kurzgeschichten für die Leinwand
Der Kinderkurzfilmwettbewerb der Alpinale bringt internationale Filmkunst nach Bludenz.
Neun Filme, neun Geschichten und jede Menge Fantasie: Beim Kinderkurzfilmnachmittag der Alpinale stehen heuer internationale Kurzfilme im Mittelpunkt, die zeigen, wie viel sich in wenigen Minuten erzählen lässt. Das Programm richtet sich an Kinder ab acht Jahren und lädt dazu ein, in unterschiedliche Welten einzutauchen – mal humorvoll, mal spannend, mal nachdenklich.
Neun Filme, viele Perspektiven
Beim Kinderkurzfilmwettbewerb der Alpinale stehen heuer neun internationale Produktionen auf dem Programm, die zwischen zwei und 18 Minuten dauern. Zugelassen zum Wettbewerb sind Filme mit einer maximalen Laufzeit von 30 Minuten, die innerhalb der vergangenen zwei Jahre entstanden sind. Acht der neun ausgewählten Beiträge sind Animationsfilme und zeigen die Vielfalt dieses Genres. Unterschiedliche Animationsstile und Erzählweisen machen deutlich, wie unterschiedlich Geschichten erzählt werden können. Alle Filme sind entweder in deutscher Sprache oder kommen ganz ohne Dialog aus. Dadurch stehen visuelle Erzählformen im Mittelpunkt und machen die Geschichten auch für Kinder mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen leicht zugänglich.
Inhaltlich spannt das Programm einen weiten Bogen. Die Filme erzählen von Freundschaft, Zusammenhalt, Mut, Kreativität und Fantasie, greifen aber auch Themen wie Abschied, Verantwortung und die Suche nach dem eigenen Platz auf. So lernt ein Eichhörnchen in „Volles Nest“, dass Teilen wichtiger sein kann als Besitzen, während der österreichische Animationsfilm „Azuki“ die Geschichte eines kleinen Streunerhundes auf der Suche nach einem Zuhause erzählt. „Kito, Maja und die Kugelkiste – Von den Lutken und wie sie Brot backen wollten“ führt in die Welt der Lausitzer Sagen, „First Flight“ begleitet drei junge Vögel bei ihrem aufregenden ersten Flug. Nachdenklich wird es in „Kirschkerne im Bauch“, wo ein Mädchen den Abschied von seiner besten Freundin verarbeitet, während „The Theft“ Fragen nach Gewissen und Verantwortung stellt. „Vor meiner Tür auf einer Matte“, „Die Neuen“ und „Mitmalmeisterin Dörtel Hochknie“ erzählen schließlich mit Humor von Veränderungen, Kreativität und Selbstvertrauen.
Nach welchen Kriterien die Filme ausgewählt werden, erklärt Organisatorin Rebekka Rinderer: Entscheidend seien spannende Geschichten, eine hohe filmische Qualität sowie Themen, die Kinder begeistern, berühren oder zum Nachdenken anregen. Gleichzeitig werde auf ein möglichst abwechslungsreiches Programm geachtet. Gute Kinderfilme nähmen ihr junges Publikum ernst, erzählten auf Augenhöhe und blieben über den Kinobesuch hinaus in Erinnerung.
Mehr als nur Kino
Für Martina Kulmitzer-Rabel, Vizeobfrau und Moderatorin des Kinderprogramms, zählt der Kinderfilmnachmittag zu den Höhepunkten der Festivalwoche: „Es ist schön zu erleben, wie Kinder Filme entdecken, die von Filmemacherinnen und Filmemachern mit viel Herz und Leidenschaft geschaffen wurden.“
Über die Vorführungen hinaus haben die jungen Besucher:innen Gelegenheit, mit Filmschaffenden ins Gespräch zu kommen und mehr über die Entstehung der Filme zu erfahren. „Das schafft einen persönlichen Zugang zum Medium Film“, erklärt Rebekka Rinderer. Die Kinder können den Filmschaffenden direkt Fragen stellen und erfahren, wie aus einer Idee Schritt für Schritt ein fertiger Kurzfilm entsteht.
Ein weiterer besonderer Aspekt des Nachmittags ist die aktive Rolle des jungen Publikums. Anders als in den übrigen Wettbewerbskategorien der Alpinale entscheiden beim Kinderkurzfilm die jungen Besucher:innen selbst über ihren Lieblingsfilm und vergeben das „Goldene Einhorn“ in der Kategorie „Bester Kinderkurzfilm“. So wird aus dem Kinobesuch nicht nur ein Filmerlebnis, sondern auch eine Einladung, genau hinzusehen, sich mit den unterschiedlichen Geschichten auseinanderzusetzen und die eigene Meinung einzubringen.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1985 hat sich die Alpinale kontinuierlich weiterentwickelt. Aus jährlich mehr als 1.000 Einreichungen werden die Filme für die Wettbewerbe in den Kategorien Kurzspielfilm, Animation, Horror, VR/360°, v-shorts und Kinderkurzfilm ausgewählt. Das Kinderprogramm eröffnet jungen Zuschauer:innen einen altersgerechten Zugang zum internationalen Kurzfilm. Mit Kurzfilmen, Filmgesprächen und einer Publikumsjury, in der Kinder selbst entscheiden, verbindet der Kinderfilmnachmittag Kino mit Austausch und Begegnung. Vielleicht, so Rinderer, zeige der Nachmittag auch, dass Filme Menschen miteinander verbinden
Alpinale Kurzfilmfestival: Wettbewerb Kinderkurzfilm
14.8, 15 Uhr
Remisesaal Bludenz
Empfohlen ab 8 Jahren
Dauer: ca. 90 Minuten
www.alpinale.at