Derzeit in Vorarlbergs Filmclubs: "No Bears" (Foto: Filmcoopi Zürich)
Michael Löbl · 23. Mai 2024 · Aktuell

Kultur ist ein Lebensmittel

Zum zweiten Mal wurde der Kunst- und Kulturpreis der Vorarlberger Nachrichten an Kulturschaffende vergeben

Als „Lebensmittel“ bezeichnet Peter Heiler, einer der fünf Juror:innen, die Kultur und unterstreicht damit ihre Bedeutung für die Gesellschaft. „Die Sichtbarmachung, die auch mit einer Preisvergabe einhergeht, ist wichtig für die Verankerung von Kunst und Kultur in Vorarlberg.“

Spannung herrschte unter den zahlreichen Besucher:innen im Badehaus des Seehotels am Kaiserstrand in Lochau, als nach diversen Begrüßungsworten die Preisträger:innen des Jahres 2024 bekanntgegeben wurden. Den Hauptpreis in Höhe von 12.000 Euro erhielt die Autorin Daniela Egger, die beiden Anerkennungspreise, mit je 4.000 Euro dotiert, wurden dem Projekt „Kunst im Rohnerhaus“ Lauterach und dem Team vom Jazzclub Lustenau zugesprochen. Einen zusätzlichen Sonderpreis vergab die Jury an Lisi Hämmerle und ihre gleichnamige Galerie in Bregenz.

Spektakuläre Kulisse

Wer steckt denn eigentlich hinter diesem Preis, der seit 2023 jährlich an Künstler:innen aller Sparten, Institutionen aber auch Kulturvermittler:innen vergeben wird? Zunächst einmal die Vorarlberger Nachrichten mit Chefredakteurin Isabel Russ, Hauptpartner ist die Wiener Städtische Versicherung und Landesdirektor Alexander Meier. Weitere Unterstützung kommt von der Präg GmbH, dem Autohaus Rudi Lins und dem Seehotel am Kaiserstrand.
Projektleiterin und Mitglied der fünfköpfigen Jury ist die Kulturjournalistin Christa Dietrich, ihre Jurykollegen sind Persönlichkeiten aus dem Vorarlberger Kulturleben: die Kulturwissenschaftlerin Anika Reichwald, die Regisseurin Brigitta Soraperra, der Kunsthistoriker Rudolf Sagmeister und der Musikpädagoge Peter Heiler. Die Preisvergabe in der spektakulären abendlichen Bodenseekulisse des Lochauer Badehauses wurde kompetent und humorvoll moderiert von Isabella Canaval, vielen bekannt als Mitglied des Antenne Vorarlberg-Teams. Guy Speyers und Nikolaus Feinig-Hartmann, zwei Musiker des Ensemble Plus (Preisträger 2023), überraschten das Publikum mit anspruchsvoller zeitgenössischer Musik für Viola und Kontrabass von Kate Moore und Georg Friedrich Haas.

Relevante Themen verdichten

In einer etwas befremdlichen Rede hat Juror Rudolf Sagmeister, ehemaliger Kurator des Kunsthauses Bregenz, über die Höhe der Preisgelder philosophiert und sie als „Beträge aus der Portokasse“ bezeichnet, im Gegensatz zu den vielen Millionen, mit denen er seinerzeit im Kunsthaus operieren durfte. Sonst sah man aber ausschließlich glückliche Gesichter und auch die Auswahl durch die Jury wurde mit lautstarken Beifallskundgebungen honoriert. Die mit dem Hauptpreis ausgezeichnete Schriftstellerin, Dramatikern und Kunstvermittlerin Daniela Egger arbeitet zurzeit an „Toxic – Britney über Spears“, ihrem nächsten Stück, das im Dezember im Vorarlberger Landestheater uraufgeführt wird. „Als Schriftstellerin gelingt es ihr, relevante Themen in Prosatexten und Theaterstücken vortrefflich zu verdichten“, heißt es in der Begründung der Jury. Der erste Anerkennungspreis ging an das private Museum Kunst im Rohnerhaus in Lauterach, das von manchen gar als heimliche Landesgalerie bezeichnet wird. Die Rohner Privatstiftung wurde vom Unternehmer Alwin Rohner und seiner Familie im Jahre 1996 als private Einrichtung für kulturelle Impulse gegründet. Das Museum beherbergt eine ständige Sammlung von Werken Vorarlberger Künstler:innen seit dem 17. Jahrhundert und veranstaltet Sonderausstellungen zur Kunstgeschichte Vorarlbergs. Der Eintritt ist frei, allerdings auch nur an insgesamt 78 Stunden im Jahr (!) möglich, nämlich jeden ersten Sonntag im Monat von 10.30 bis 17 Uhr. „Die von Alwin Rohner gegründete und nun von seinen Töchtern getragene Einrichtung symbolisiert die Verbindung von Kunst und Leben“, betont die Jury.

Weltklasse in Lustenau

Über den zweiten Anerkennungspreis darf sich das Team vom Jazzclub Lustenau mit Martha Bösch, Walter Weber und Helmut Gassner freuen. Seit nahezu 50 Jahren setzt diese Vorarlberger Institution Maßstäbe, bietet Jazz auf höchstem Niveau und zusätzlich auch Information und Vernetzung. Zahlreiche Weltstars aber auch alle Größen der Vorarlberger Jazzszene sind im Jazzclub Lustenau aufgetreten. Die Jury stellt fest: „Musikerinnen und Musiker wurden und werden nach Lustenau geholt, die Weltstars sind oder zu solchen wurden und hier hat man auch Standards für die lokale Szene entwickelt.“ Anscheinend war die Entscheidungsfindung diesmal so schwierig, dass es der Jury ein Anliegen war, heuer zusätzlich zu den drei vorgesehenen Preisen auch einen Sonderpreis zu vergeben. Er geht an die Galeristin Lisi Hämmerle, die gut 200 Einzel- und Gruppenausstellungen organisiert und realisiert hat. Dazu kommen zahlreiche Messebeteiligungen im In- und Ausland. „Ihre Galerie in der Bregenzer Anton-Schneider-Straße ist seit Jahrzehnten ein Ort der Begegnung mit junger Kunst, sie ist ein Ort für Sammler und der Vermittlungsarbeit.“ So die Jury. Die Urkunden für die Preisträgerinnen und Preisträger hat die Künstlerin Alexandra Wacker entworfen.

www.daniela-egger.at
www.rohnerhaus.at
www.jazzclub.at
www.galerie-lisihaemmerle.at