Kollektiv auf Tour
Bei zwei sehr unterschiedlichen Anlässen konnte man am Wochenende dem „Kollektiv Duo“ mit dem Flötisten Juan Carlos Díaz und Raphael Brunner am Akkordeon begegnen.
Am Freitag, den 19. September feierte die Reihe „Kultur in Kennelbach“ ihren 30. Geburtstag. Veranstaltet wird sie von einem Verein, der 1995 als „Kulturinitiative Kennelbach“ gegründet wurde und der örtlichen Bevölkerung ein Kulturprogramm im Ambiente des wunderschönen Saals der Villa Grünau bieten möchte.
Diese 1887 erbaute Villa der Fabrikantenfamilie Schindler ist eines der bedeutendsten historischen Gebäude der Gemeinde Kennelbach und ihr Musiksaal begeistert seine Besucher:innen vom ersten Augenblick an. Bewohnt wurde das Haus von Friedrich Wilhelm Schindler, einem Pionier sowohl der Textil- als auch der Elektrotechnik. Einer seiner Betriebe, die „Jenny & Schindler Elektrowerke“ wurde später in die heutige illwerke vkw umgewandelt. Das Gebäude gehört der Gemeinde Kennelbach, beherbergt das Gemeindeamt und wird gerne für standesamtliche Trauungen genutzt.
Für den Jubiläumsabend – 30 Jahre Kulturinitiative Kennelbach – war ein exklusives Programm geplant. Das „Sonus Brass Ensemble“ sollte sein neuestes Programm mit dem Titel „Wie alles begann“ zum ersten Mal dem Publikum vorstellen. Im Mittelpunkt steht der russische Komponist Viktor Ewald, einer der ersten, der Werke für Blechbläserquintett komponierte. Doch dann nahm das Unheil seinen Lauf. Der Hornist verletzte sich an der Hand, ein Ersatz wurde gefunden, erkrankte aber dann ebenfalls. Die Uraufführung dieses interessanten Programmes muss daher noch warten und nun sollte innerhalb von 24 Stunden ein Ersatz für Freitagabend gefunden werden.
At Short Notice
Das „Kollektiv Duo“ mit Juan Carlos Díaz an der Querflöte und Raphael Brunner am Akkordeon konnte und wollte kurzfristig einspringen. In Kennelbach sind die beiden keine Unbekannten, sie haben das Publikum in der Villa Grünau bereits vor zwei Jahren begeistert. Zunächst gab es ein paar Worte zum Vereinsjubiläum von Obmann Lukas Nußbaumer. Er dankte der Gemeinde für die großzügige Unterstützung und seiner Vorgängerin Roswitha Frefel, die den Verein 23 Jahre lang geleitet hat. Die Künstlerliste liest sich wie ein Who is Who der Vorarlberger Kulturszene, vom Autor Michael Köhlmeier über die Sopranistin Miriam Feuersinger bis zur Pianistin Hanna Bachmann sind alle schon einmal in der Villa Grünau aufgetreten. Auf Initiative von Judith Bechter entstand eine bis heute fruchtbare Kooperation mit dem Landeskonservatorium, jetzt Stella Musikhochschule. Neben klassischen Konzerten kommen aber auch Fans von Volksmusik über Pop bis Jazz nicht zu kurz, sie genießen das tolle Ambiente des Parks der Villa Grünau. Und für Kinder gibt es einmal pro Jahr ein sogenanntes Sitzkissenkonzert.
Musikalische Symbiose
Seit elf Jahren spielen der Lustenauer Raphael Brunner am Akkordeon und der kolumbianische Flötist Juan Carlos Díaz zusammen. In erster Linie als Duo, aber auch in anderen Formationen wie „No Limits“ oder „Caminos Nuevos“. Das Repertoire des „Kollektiv Duos“ kann mit dem Begriff „Weltmusik“ am besten beschrieben werden. Der Großteil der Stücke sind Eigenkompositionen, inspiriert von Reisen und persönlichen Begegnungen der beiden Musiker. Volksmusik und Folklore aus Südamerika, Europa und Asien bilden die Grundlage für Werke mit ungewöhnlicher Harmonik und teilweise äußerst vertrackten Rhythmen. Aber auch Musiknummern wie eine Fassung des Songs „Army Dreamers“ der britischen Sängerin Kate Bush bereichern das Programm. Über allem schwebt aber stets der Geist von Astor Piazzolla, wie ein kosmisches Hintergrundrauschen ist seine Musiksprache immer präsent.
Wirklich erstaunlich sind die enorme Klangfülle und das perfekte Zusammenspiel von Flöte und Akkordeon. Juan Carlos Díaz spielt auch Altquerflöte und Melodica, Raphael Brunner entlockt seinem Pigini-Akkordeon nicht nur Klänge vom Pianissimo bis zum dreifachen Forte, es wird darauf auch geklopft, getrommelt und geatmet. Musikalisch passt zwischen die beiden Musiker kein Blatt Papier. Mit traumwandlerischer Sicherheit werden jede Stimmung, jede dynamische Schattierung und jede virtuose Passage gemeinsam musikalisch nicht nur umgesetzt, sondern erlebt. Und das mit ganz viel Spontaneität und ohne jegliche Anstrengung. Faszinierend.
Gedanken von Elmar Simma
Nur zwei Tage später, am Sonntagnachmittag, traf man das „Kollektiv Duo“ wieder, diesmal in der Basilika Rankweil. Die vierte Veranstaltung der sechsteiligen Rankweiler Konzertreihe fand diesmal in der Landesgedächtniskapelle unter dem Hauptschiff der Basilika statt. Da dieser Raum nur Platz für 50 Besucher bietet, wurde das Konzert zwei Mal gespielt, um 17 und um 18.30 Uhr. Die Landesgedächtniskapelle wurde 2011 vom Bregenzer Architekturbüro Cukrowicz-Nachbaur als Gedächtnisort für alle Opfer von Gewalt neu gestaltet.
Das Programm stand unter dem Titel „Von Mut und Zuversicht“. Die Musik des „Kollektiv Duos“ wurde durch Texte des langjährigen Caritas-Seelsorgers der Pfarre Rankweil, Elmar Simma, ergänzt. Seine Gedanken zum Thema „Die Würde des Menschen“ zeigten in erschreckender Weise die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität in der heutigen Zeit. Hielten sich alle Menschen an folgende zwei einfache Regeln – „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen“ – wäre unsere Welt eine bessere. Elmar Simmas Texte und die stimmungsvolle Musikauswahl bewirkten eine konzentrierte, berührende Atmosphäre an diesem speziellen Ort. Mit dem Werk „Confianza“ von Juan Carlos Díaz wurde das „Kollektiv Duo“ auch dem Markenzeichen der Basilika-Reihe gerecht, nämlich in jedem Konzert eine Uraufführung oder eine Improvisation zu integrieren.