Klarinetten-Feuerwerk im Rittersaal
Werke von A. Rosetti, C. M. von Weber und Franz Schubert standen auf dem Konzertprogramm des Kammerorchesters Arpeggione.
Naturhörner und Klarinette gaben am Samstagabend im Rittersaal des Hohenemser Palastes den Ton an.
Das erste Konzert des Kammerorchesters Arpeggione nach der Sommerpause stand unter dem Titel „Sehnsucht“ und wurde von Chefdirigent Werner Bärtschi geleitet. Das erste Stück des Abends war ein Doppelkonzert für zwei Hörner und Orchester des Mozart-Zeitgenossen Antonio Rosetti, komponiert für Joseph Nagel und Franz Zwierzina, zwei berühmte Hornvirtuosen der damaligen Zeit.
Ein Instrument voller Tücken
Die beiden Solisten, Andrew Hale und David Fliri, wählten die harte Tour und spielten auf historischen Naturhörnern, wie sie in der Zeit von Rosetti und Mozart üblich waren. Das Stück ist musikalisch eine eher dünne Suppe, aber was Antonio Rosetti den Hornisten abverlangt, ist hochvirtuos und nur von wirklichen Naturhorn-Spezialisten zu bewältigen. Ob die Konzertbesucher:innen die Schwierigkeiten dieses Instruments wirklich verstanden haben, die eng nebeneinanderliegenden Obertöne, die nur durch Zwerchfell- und Lippenspannung angesteuert werden können und daher schwer zu treffen sind, oder diese durch das „Stopfen“ der rechten Hand im Schallbecher erzeugten etwas muffigen Klänge, die aber notwendig sind, um dem Naturhorn eine vollständige Tonleiter zu entlocken? Ist das am Ende doch eher etwas für Hornfreaks? Was Andrew Hale und David Fliri ihren Naturhörnern entlockten, war wirklich bewundernswert. Aber man verstand auch, wie sehr die Komponisten den Übergang zum modernen Ventilhorn, wie es heute in allen großen Orchestern gespielt wird, begrüßt haben.
Prominente Klarinettist:innen kommen nach Vorarlberg
Die Klarinette als Soloinstrument ist in den nächsten Monaten hierzulande prominent vertreten. Am kommenden Wochenende wird Sharon Kam mit dem SOV das Klarinettenkonzert von Herbert Willi aufführen, im März kommt Daniel Ottensamer, der bereits zu Lebzeiten legendäre Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, mit dem Ensemble Philharmonix nach Dornbirn, gefolgt vom schwedischen Klarinetten-Superstar Martin Fröst, der im April ebenfalls im Kulturhaus zu erleben sein wird.
Begonnen hat diesen Klarinetten-Reigen aber das Kammerorchester Arpeggione mit der aus Israel stammenden Klarinettistin Shirley Brill am Samstagabend im Palast Hohenems. Auf dem Programm stand das Klarinettenquintett von Carl Maria von Weber in der Fassung für Klarinette und Streichorchester. Im Gegensatz zu seinen Komponistenkollegen Mozart, Brahms und Reger, die ihre Klarinettenquintette für fünf musikalisch gleichberechtigte Partner konzipiert haben, fungieren bei Weber die Streicher in erster Linie als Begleiter der Soloklarinette. Die kann dafür ihren ungewöhnlichen Tonumfang sowie ihr dynamisches Spektrum vom Pianissimo bis zum Fortissimo demonstrieren. Diese Aufgabe war bei der in Israel geborenen Klarinettistin Shirley Brill in den allerbesten Händen. Shirley Brill hat in Israel, in Lübeck bei Sabine Meyer und in den USA studiert und ist Professorin an der Musikhochschule Nürnberg. Mit ihrer Interpretation des Weber-Quintetts hat sie die Latte für alle demnächst in Vorarlberg auftretenden Kolleg:innen schon einmal sehr hoch gelegt. Alle technischen Schwierigkeiten dieses hochvirtuosen Werks bewältigte sie absolut souverän, zauberte herrliche Pianissimo-Töne aus ihrem Instrument, um sich aber im nächsten Moment mühelos über das Streichorchester zu erheben. Ihr Klang, der die Ausbildung in Deutschland nicht verleugnen kann, blieb auch in den Fortissimo-Passagen immer weich, rund und klangschön. Die Arpeggione-Streicher ließen sich von der Spielfreude der Solistin anstecken, hatten aber anscheinend vergessen, dass Weber den Streichern ab und zu auch leise Passagen anvertraut hat.
Eine heitere Fünfte
Nach der Pause dann Franz Schuberts Fünfte Symphonie. Wie die stellvertretende Intendantin Ulrike Neubacher in ihrem wie immer höchst inspirierenden Einführungsvortrag bemerkte, ist sie – ganz im Gegensatz zu den durchgehend „tragischen“ fünften Symphonien von Beethoven, Bruckner, Mahler oder Schostakowitsch – ein durch und durch heiteres Werk mit herrlichen Melodien, einem wunderschönen langsamen Satz und einem rasanten Finale. Außerdem stellt sie – wenn jemand aus welchem Grund auch immer eine Symphonie aufführen möchte – so etwas wie den kleinsten gemeinsamen Nenner dar. Jede:r Musiker:in hat Schuberts Fünfte schon gespielt, im Jugendorchester, während des Studiums oder wenn sich ein aufstrebender Dirigent dem Publikum vorstellen möchte. Sie ist ohne Trompeten, Posaunen und sogar Pauken überschaubar besetzt, benötigt wenig Platz und Probenzeit, hinterlässt aber doch einen richtig „symphonischen“ Eindruck. Das Kammerorchester Arpeggione unter der Leitung von Werner Bärtschi spielte dieses Werk sehr musikantisch und klangschön, allerdings oft an der oberen dynamischen Grenze, was vermutlich zum Teil der Akustik des Rittersaales geschuldet war. Die beiden Hornsolisten hatten nun im Orchester Platz genommen und gaben mit ihrem knackigen Naturhorn-Sound Schuberts durchsichtiger Instrumentation die nötige Würze.
Das nächste Abonnementkonzert: „Ohne Grenzen“
(Werke von R. Strauss und W. A. Mozart)
Marko Hribernik, Dirigent; Elisso Virsaladze, Klavier
Sa, 17.10.26, 19.30 Uhr | Konzerteinführung 19 Uhr
Rittersaal, Palast Hohenems
www.arpeggione.at