Junge Stimmen zu Nachtleben im Wandel
Gibt es ein Clubsterben in Vorarlberg?
Schüler:innen der HAK Lustenau setzen sich mit Journalismus und Mediengestaltung auseinander. Hier bieten wir Raum für ihre Kulturerfahrungen und Meinungen. Dieses Mal sucht Raphael Riedmann (*2006) eine Antwort auf die Frage: Gibt es ein Clubsterben in Vorarlberg?
Am Freitagabend in Dornbirn, gegen 23.30 Uhr. Im „Market 33“ ist es relativ ruhig. Am Eingang spürt man eine entspannte Atmosphäre, Warteschlange gibt es keine. Die Tanzfläche bleibt erstmal leer, einzelne Gäste stehen an der Bar oder unterhalten sich. Es wird 1.30 Uhr werden, bis spürbar mehr Menschen von anderen Lokalen ins „Market“ finden. Die Stimmung verändert sich und die Tanzfläche füllt sich langsam.
Einige Tage später beim Besuch des „Conrad Sohm“: Bei meiner Ankunft gegen 23.50 Uhr höre ich am Parkplatz schon die elektrischen Drum and Bass Beats. Es wirkt so, als hätten sich die Gäste gezielt für das D’n’B-Event „Vortex“ entschieden, doch auch hier ist der Club nicht überfüllt.
Nach diesen zwei Eindrücken stellt sich mir die Frage, wie es um die Nachtclubs in Vorarlberg steht. Bleiben die Gäste aus? Ist gar ein Clubsterben in Vorarlberg im Gange? Im Ländle kann man in rund 18 Nachtclubs feiern, aber der Markt habe sich verändert beziehungsweise verkleinert, erklärt Thomas Krobath, der Geschäftsführer des „Shake“ in Röthis. Infolgedessen habe das „Shake“ Anfang September seine Tore schließen müssen. Ähnlich sei es bereits vor der Coronazeit der Diskothek „A14“ in Lauterach ergangen. Einige Clubs würden dagegen mit neuen Betreibern sowie neuem Namen weitergeführt, so Krobath weiter.
Besondere Erlebnisse sind gefragt
Hat sich das Nachtleben in Vorarlberg in den letzten Jahren tatsächlich so deutlich verändert? Gehen die Menschen etwa nicht mehr aus? Laut Recherchen des ORF wird heute tatsächlich öfter in den eigenen vier Wänden gefeiert. Grund dafür seien die gestiegenen Preise und die Corona-Pandemie, auch wenn sie heute vorbei ist. Es seien viele Veränderungen geblieben. Während früher viele Menschen einfach regelmäßiger und spontaner ausgingen, entscheiden sich heute viele bewusster für bestimmte Events und legen mehr Wert auf besondere Erlebnisse.
Der Geschäftsführer des „Market“, Kassian Xander, vermeidet es, angesichts dessen von einem Clubsterben zu sprechen, eher passe der Begriff einer „natürlichen Evolution“. Klassische Großraumdiskotheken verlören an Bedeutung, aber dadurch entstünden neue, kreative Konzepte. Wichtig seien spezielle Events für unterschiedliche Zielgruppen an verschiedenen Tagen der Woche.
Von „kreativen Clubbesitzern“ berichtet auch Hannes Hagen, Geschäftsführer des Conrad Sohm. Die Clubszene in Vorarlberg sei äußerst lebendig und stelle Woche für Woche einiges auf die Beine, aber das Publikum habe sich spürbar verändert. Die verschiedenen Musikrichtungen hätten eigene Communities gebildet und die Gäste orientierten sich stärker am Programm. Sehr auffällig sei, dass als Konsequenz davon einmalige Events oft dem regelmäßigen Clubbesuch vorgezogen würden. Zudem kämen auch Clubkonzerte heute sehr gut an.
Klar sei, so Hannes Hagen weiter, dass sich das Ausgehverhalten der Menschen verändert habe. Viele würden bewusster und seltener ausgehen. Statt mehrmals pro Woche feiern zu gehen, gehe man gezielter auf ein Event.
Ein Standbein reicht nicht mehr
Clubs stehen auch wirtschaftlich unter Druck. Hannes Hagen erklärt, dass es schwierig sei, die gestiegenen Kosten mit höheren Preisen auszugleichen. Einige Clubs gingen sogar teilweise unter den vertretbaren Preis. Besonders wichtig sei es, genau zu kalkulieren und die Veränderungen zu beobachten. Ebenso sei es entscheidend, dass man nicht nur ein Standbein habe, sondern breitgefächert sei, wie zum Beispiel neben Konzerten auch Hochzeiten, Schulfeste und Firmenfeiern ausrichte. Auch im „Market“ wird dies bestätigt, wer heute nur Getränke verkaufe, statt kreative Konzepte zu entwickeln, habe es schwer.
Auch besagter Getränkemarkt ist derzeit im Wandel. Alkohol werde zwar weiterhin konsumiert, etwa in Form der derzeit beliebten Longdrinks, wie Hannes Hagen sowie auch Kassian Xander feststellen, aber alkoholfreie Alternative gewännen an Bedeutung.
Die Rolle von Social Media und dem Sicherheitspersonal
Eine Rolle bei all diesen Veränderungen spielt sicher auch Social Media. Junge Menschen legen heute mehr Wert auf das Erlebnis im Club; der Wunsch nach besonderen Highlight-Fotos besteht. Viele Gäste halten besondere Momente mit ihrem Handy fest. Volle Tanzflächen, bekannte DJs oder Fotos mit Freunden landen oft auf Instagram. Dabei wird häufig versucht, möglichst ästhetische Bilder zu machen, die den Abend und die Atmosphäre des Clubs perfekt widerspiegeln.
Ein weiterer Aspekt, der heutigen Clubbesitzern Kopfzerbrechen bereitet: die Sicherheit. Die beiden Geschäftsführer sind sich einig, dass es nicht unbedingt den klassischen muskelbepackten Türsteher brauche, um dem Gast ein unbeschwertes Cluberlebnis bieten zu können, sondern qualitativ besseres, geschultes Personal. Entscheidend seien da Kommunikationstalente und Deeskalations-Profis. Hannes Hagen erklärt, dass infolgedessen die Kosten für das Sicherheitspersonal massiv gestiegen seien, diese Investition aber gleichzeitig auch eine Grundvoraussetzung sei, um qualifiziertes Personal zu bekommen.
Die Clubszene in Vorarlberg bleibt also weiterhin lebendig, aber mit Veränderungen. Wandel, statt Clubsterben.
Das Projekt „Junge Stimmen“ wird von Double Check – Netzwerk für Kultur und Bildung in Vorarlberg unterstützt.
Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR Oktober 2026 erschienen. Hier geht es zum E-Paper.