„weltbewegt“ – Eine Ausstellung über Entwicklung und globale Zusammenarbeit
Silvia Thurner · 13. Jul 2023 · Musik

Jubel beim Mittagskonzert

Birgit Plankel, Viktoria Türtscher, Benjamin Lack und Jakob Peböck begeisterten das Publikum

Die musikalischen Mittagspausen im vorarlberg museum während der Sommerwochen wurden in ihrer zehnten Saison mit fulminanten Vokalquartetten von Johannes Brahms gefeiert. Unter dem Leitgedanken „Ohne dich, Liebster, was wären die Feste?“ interpretierten Birgit Plankel, Viktoria Türtscher, Benjamin Lack, Jakob Peböck und der Pianist Martin Gallez Lieder von Robert Schumann sowie zwei Klavierwerke von Heinrich von Herzogenberg. Mit beiden Komponisten und insbesondere mit deren Frauen, die herausragende Pianistinnen waren, pflegte Johannes Brahms intensive Künstlerfreundschaften. Bis auf den letzten Platz war das Foyer im vorarlberg museum besetzt. Das Ambiente, die Werkauswahl und die hervorragenden Werkdeutungen sowie die freundschaftlich lockere Atmosphäre machten diese Mittagsstunde zu einem vergnüglichen und genussreichen Erlebnis.

Die Sopranistin Birgit Plankel stellt seit Beginn der Mittagskonzerte das Sommerprogramm zusammen und eröffnet die vierteilige Reihe stets persönlich mit einem Konzert. Vokalquartette von Johannes Brahms sind Meisterwerke einer sehr speziellen Gattung, die Johannes Brahms mit einer besonders reichhaltigen Satztechnik zum Höhepunkt führte. Als eine Art „Liederspiel“ stellten Birgit Plankel, die Altistin Viktoria Türtscher, der Tenor Benjamin Lack und der Bariton Jakob Peböck, alle vier sind in der heimischen Musikszene bestens verankert und bekannt, die Vokalquartette zusammen. Dabei ergänzten sich die Timbres der Stimmen wunderbar. Die gute Laune im Quartett sowie das spezifische Wissen über die Qualitäten und Herausforderungen der differenziert gesetzten Lieder zeichnete alle Werkdeutungen aus. Gleich das erste „Wechsellied zum Tanz“ stellte die Stimmgruppen von Alt und Tenor sowie Sopran und Tenor einander gegenüber und illustrierte die Raffinesse der Kompositionsart von Johannes Brahms. Während die „Gleichgültigen“ die Melodien in eher „unrunden“ melodischen Gestalten, einander ständig imitierend, führten, sangen die „Zärtlichen“ in parallel gesetzten, leittongestützten Terzgängen. Selbstverständlich stellten die Sängerinnen und Sänger genau diese Charakteristika mit guter Textdeutlichkeit in den Vordergrund und so kam der Humor von Beginn an nicht zu kurz. Genauso reizvoll wirkten die „Neckereien“. Motettenhafte Züge nahm das dicht gesetzte Lied „An die Heimat“ op. 64 an. Auch diese Komposition, die sich durch dazwischen gestellte a capella Passagen sowie chromatisch fortschreitende Linien auszeichnete, gestaltete das Vokalquartett vielschichtig aus. Den Höhepunkt bildete „Sehnsucht“ op. 112, dessen differenziert verflochtenen Themen gut austariert, mit einem gemeinsamen Atem und transparent entfaltet wurden. Besonders in diesem Werk wurde die Nähe zwischen den Gattungen Streichquartett und Vokalquartett deutlich.
Für Abwechslung sorgten Duette von Robert Schumann. Wunderbar authentisch boten Viktoria Türtscher und Jakob Peböck das Liebeslied „So wahr die Sonne scheinet“ dar. Gute Laune verströmten die Schumann-Duette „Erste Begegnung“ und „Intermezzo“ sowie Brahms‘ „Die Schwestern“.
Martin Gallez begleitete das Vokalquartett sehr präsent. Mit Bedacht füllte er seine Rolle aus, indem er genau unterschied, in welchen Passagen das Klavier eine Begleitfunktion einnimmt und mit welchen Motiven der Klavierpart das Ambiente der Vokallinien ausdeutet. Überdies stellte der vielseitige und stets nach Unbekanntem forschende Pianist zwei Klavierwerke von Heinrich von Herzogenberg vor. Der Zeitgenosse und Freund von Johannes Brahms und dessen vielfältiges Oeuvre ist (fast) vergessen. Das „Menuett“ op. 37/5 sowie die „Gavotte“ op. 25/4 illustrierte Herzogenbergs Vorliebe für barocke Themen und imponierte durch die Art, wie er diese im romantisch harmonischen Duktus des 19. Jahrhunderts ausführte.

Tipp:
Konzert am Mittag: „Lichtblick - Melodien für die Seele“, Karoline Wocher, Violine und Yuying Chen, Klavier
Donnerstag, 20.7., 12.15 Uhr
vorarlberg museum, Bregenz
www.vorarlbergmuseum.at