Tanz ist Festival (Foto: Stefan Hauer)
Peter Füssl · 29. Okt 2026 · CD-Tipp

Jakob Manz: Supernova

Der 25-jährige deutsche Altsaxophonist Jakob Manz studierte als Ausnahmetalent bereits mit 15 an der Musikhochschule Stuttgart, gründete mit 17 sein bis heute bestehendes Jakob Manz Project, absolvierte das Bachelorstudium an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln und war noch keine Zwanzig, als auf dem renommierten Münchner Jazz-Label ACT sein Debütalbum erschien. Längst gilt der sich auch jenseits gewohnter Jazz-Grenzen durchaus wohlfühlende Manz als eine der aufregendsten jungen (Saxophon-)Stimmen der europäischen Szene. So ist es wenig verwunderlich, dass er 2025/26 zum jüngsten „Artist in Residence“ aller Zeiten an der Alten Oper Frankfurt ernannt wurde, die er mit vier unterschiedlich besetzten Konzerten bespielte.

Ein besonderer Höhepunkt war sicher der 27. Jänner 2026, für den der Saxophonist seine neue, achtköpfige Supernova Band zusammengestellt hat. Der aus Niko Zeidler (ts, fl), Maximilian Seibert (tp), Jonathan Böbel (tb) bestehende Bläsersatz stand wie die Rhythmusgruppe um Bruno Müller (g), Thomas Stieger (b), Roland Peil (perc) und Felix Lehrmann (dr) unter der musikalischen Leitung des Keyboarders Ferdinand Schwartz. Auf dem nun veröffentlichten Konzertmitschnitt brennt das Oktett gleich zum Auftakt mit der Manz-Komposition „Eyes of Crystals“, die das Zeug zum Jazz-Soul-Funk-Klassiker hat, gleich das erste Feuerwerk ab.

 


 

 


 

Anschließend gesellen sich immer mehr illustre Gäste ins mitreißende Geschehen. Auf dem folkloristisch angehauchten, klangmalerischen, mit Flötenklängen eröffneten „Islands“ überzeugt die Polin Kinga Głyk – eine musikalische Frühstarterin wie Manz – mit ihren millionenfach gestreamten Läufen auf dem E-Bass. „Peace“ von Horace Silver präsentiert Manz im intensiven und inspirierten Dialog mit dem Pianisten Michael Wollny, der ebenfalls schon in jungen Jahren Jazz-Geschichte geschrieben hatte. Schließlich stößt zu Manz, Głyk und Wollny mit dem Posaunisten und Sänger Nils Landgren ein ACT-Urgestein, der wohl einflussreichste Musiker des Münchner Labels. Das gleichermaßen mitreißende wie witzige „Mr. M“ hat der Schwede mit der ikonischen roten Posaune eigens für diesen Abend geschrieben, es würde aber auch perfekt ins musikalische Portfolio seiner legendären Nils Landgren Funk Unit passen und bietet allen Beteiligten jede Menge Platz für begeisternde Soli im Schnellzugtempo. Nicht weniger rasant, wenn auch etwas raffinierter und abwechslungsreicher gestrickt, wirkt Michael Wollnys „Polygon“, das durch ein hörenswertes Posaunen-Solo Landgrens veredelt wird. Ohne zusätzliche Gäste gestaltet die Supernova Band die Manz-Komposition „Forgotten World“ zu einem der wenigen, aber umso stimmungsvolleren Ruhepole dieses Albums, der allerdings einmal höchst dramatisch unterbrochen wird, was wenig verwundert, wenn man weiß, dass die „Jurassic Park“-Filme als Inspirationsquelle dienten. Schließlich präsentiert Manz noch zwei Gesangsstars, die ihn auch immer wieder auf ihre Tourneen einladen. Ein musikalischer Grenzen-Sprenger wie er ist der Sänger Max Mutzke, der mit seinem emotional enorm aufgeladenen Road-Trip-Hit „Welt hinter Glas“ das Publikum in der Alten Oper zu Begeisterungsstürmen hinriss. Nicht weniger innig interpretiert Sarah Connor ihre Ballade „Ich wünsch dir“, in der sie Wünsche für die Zukunft ihrer eigenen Kinder verarbeitet hat. Ein reizvoller Kontrast zu den energiegeladenen Highlights dieses hörenswerten Albums und ein letzter, schlagender Beweis für die Vielseitigkeit von Jakob Manz, wenn es überhaupt noch eines weiteren Beweises bedurft hätte.

(ACT)

Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR November 2026 erschienen. Hier geht es zum E-Paper.

Konzert-Tipp: Um Supernova zu hören, müsste man schon am 10.11.2026 zu den Leverkusener Jazztagen fahren. Bedeutend einfacher ist es aber, den Dauerbrenner Jakob Manz Project live zu erleben – zum Beispiel am 3.11. beim Trans4JAZZ-Festival in der Zehntscheuer in Ravensburg.