Tanz ist Festival (Foto: Stefan Hauer)
Daniel Furxer · 19. Okt 2026 · Film, Musik

Im Schatten der Fledermaus: Wenn Berühmtheit zur Bürde wird

Seit dem 1. Oktober ist das neue Album „Tonight I’m Looking For Trouble!“ der Feldkircher Punkband UH!-Batman And The Mighty Antiheroes im gut sortierten Fachhandel zu finden. Es versetzt einen in das sympathische Universum eines Künstlers, der nicht vor Selbstironie und Humor zurückschreckt. Ähnliches gilt für seinen Film, der momentan in zwei Vorarlberger Programmkinos zu sehen ist: „I Never Asked For Fame!“ befasst sich mit dem Leben von UH!-Batman und den Schattenseiten des Ruhms. Alles mit einer guten Portion Augenzwinkern.

UH!-Batman And The Mighty Antiheroes: Tonight I’m Looking For Trouble!

Sechs neue Songs sind auf der A-Seite zu hören. Ungehobelter Garagen-Punk, aufgenommen in den Nautilus Studios in Dornbirn von Anton Loitsch, kommt rotzfrech aus den Boxen der Stereoanlage. Selbstbewusst startet er mit der frischen Punk-Hymne „Bat-Times Are Best Times“. Wenn man seine energiegeladenen Liveshows kennt, kann man dieser Aussage zustimmen. Der Mann mit der eigenwilligen, selbstgebastelten Kopfbedeckung mischt nicht in Gotham City, sondern vor allem in Feldkirch auf. Etliche Shows beim Poolbar Festival und das 20-jährige Bühnenjubiläum zeugen nicht nur von Ausdauer, sondern auch von unglaublicher musikalischer Gestaltungskraft. Klar ist hier auch ein Dank ans Publikum angebracht. „I Need You“ ist ein offenes Liebesbekenntnis an seine treuen Fans. Märchenhaft betrachtet sich UH!-Batman beim nächsten Song im Spiegel. Dieser kommt zu der nicht wenig überraschenden Erkenntnis, dass UH!-Batman der Beste und Schönste sei. Wer denn sonst? fragt man sich.
Etwas rauer geht es bei „Shut Up Jerk“ zur Sache. Punk ist halt auch eine In-die-Fresse-Musik, sowohl inhaltlich als auch musikalisch. Das titelgebende Stück „I’m Looking For Trouble!“ bleibt knackig kurz, schlägt aber inhaltlich in eine ähnliche Kerbe. UH!-Batman schließt mit dem Lied „Is This The End?!?“. Mit den Worten „Ich bin berühmt, das geht mich echt an!“ startet er in den Song. Hier werden Parallelen zum Film spürbar, man wähnt das Mastermind am Abgrund. Aber natürlich denkt er nicht ans Aufhören. Die Songzeile „Just Be Happy!“ rundet den Song positiv ab. Ein steiles Gitarrensolo kracht am Ende der ersten Seite gekonnt rein und lässt alle Gitarrenfans jubilieren.
Comickünstler Michael Hacker (besser bekannt auch als „The Häcksler“) gestaltete das Plattencover mit viel Liebe zum Detail. Er zauberte einen superschön verärgerten UH!-Batman, umgeben von Freunden und Feinden, aufs Cover.
Auf der B-Seite covern bekannte und befreundete Künstler:innen wie Spike Slawson/Spike and the Gimmie Gimmies, Xray Xerox/Xray Xeroxx, Thee Garagekid und die Eisbachwelle-Combo, Rock and Roll Adventure Kids, Atomic Suplex, Dirt Bag und die Österreicher Salamirecorder ältere Songs von UH!-Batman. Das ist eine ehrenwerte Hommage! Die B-Seite klingt jedoch über weite Strecken wie die A-Seite. Das stört beim ersten Hören nicht, weil gute Punkmusiker am Werk sind. Trotzdem ist die B-Seite zu wenig griffig. Man hätte sich von den Gastmusikern mehr Mut zur Neuinterpretation des Werks von UH!-Batman gewünscht. UH!-Batman hätte strenger sein können, was die Auswahl der Songs betrifft.
Auch das berühmte Batman-Musikmotiv des – um einiges weniger bekannten – gleichnamigen Comic-Helden kommt kurz zum Einsatz. Es ist der Song, mit dem UH!-Batman traditionell seine Konzerte beginnt. Die amerikanische Fledermaus ist aber nur bedingt für den Sound verantwortlich, der auf der A-Seite richtig gelungen und fett ist.

Film: „I Never Asked For Fame!“

Dieser Film ist eine Heldenreise. Die Welt liegt in Trümmern, viele beschäftigen sich lieber mit ihren Handys als mit Kunst, und auch der Protagonist dieser Mockumentary, UH!-Batman, struggelt mit seinem Leben. Hinter ihm brennt sinnbildlich ein altes Auto.
UH!-Batman ist in die Welt hinausgezogen, um mit seiner Musik berühmt zu werden, aber nun kommt er mit dem Ruhm nicht zurande. Das stürzt ihn in eine fundamentale Lebenskrise, aus der er schlussendlich geläutert wieder herausfindet. Die Handlung ist schnell erzählt. Es geht in diesem Film jedoch weniger um die Handlung als vielmehr um die Menschen, die UH!-Batman trifft. Künstler wie Voodoo Jürgens, David Scheid (bekannt aus der ORF-Serie „Dave“), Marco Pogo oder der Psychiater Dr. Reinhard Haller sprechen ihm Mut zu oder leisten ihm einfach Gesellschaft. Josef Hader ist dabei der Einzige, der UH!-Batman nicht zu kennen scheint, was die Dialoge aber umso skurriler macht. Kleine Details wie der eigene Butler oder eine offensichtliche Anspielung auf „Das Leben des Brian“ (Monty Python) machen diesen Film zu einem Kleinod. Garniert wird die Doku durch Live-Mitschnitte von UH!-Batman-Konzerten und die augenzwinkernde Erkenntnis, dass Punk in Schaan (Liechtenstein) erfunden wurde.
Die kurzweilige Doku, inszeniert von Regisseur Virgil Berlin Baxter, besticht durch viel Selbstironie, Humor und unerwartete Begegnungen. Man muss verrückt sein, um diese Welt verändern zu können. Dieser Film macht vor, wie es geht. Absolut sehenswert!

I Never Asked For Fame!
AT/LI 2026, 45 Min.

Mi, 21.10., 20 Uhr, GUK Feldkirch
Fr, 13.11., 19.30 Uhr, Spielboden Dornbirn