"Die Sterne" im Spielboden Dornbirn: Frontmann Frank Spilker und Philipp Janzen an den Drums (Foto: Stefan Hauer)
Anita Grüneis · 18. Mär 2024 · Musik

Hinreißend exzellent – Galakonzert der Musikakademie in Liechtenstein

Das Galakonzert der Musikakademie im Schaaner SAL begann und endete virtuos. Und dazwischen? Ebenfalls nur höchste Virtuosität. Doch was heißt hier „nur“! Die neun Künstlerinnen und Künstler aus sechs Nationen im Alter zwischen 16 und 27 Jahren brachten den prallvollen Saal mit ihrer musikalischen Leidenschaft zum Glühen. Das Publikum dankte mit großem Applaus.

„In einer Welt voller Bruchstellen dürfen wir heute Stunden der Harmonie erleben“, meinte der Präsident der Musikakademie, Alt-Regierungschef Otmar Hasler in seiner Begrüßung. Er betonte, dass sich die Musikakademie in Liechtenstein der Exzellenz verschrieben habe und dass zu einer exzellenten Ausbildung ein gesamtheitliches Lernangebot gehöre – wie zum Beispiel das Lernen, sich zu präsentieren, mit Finanzen umzugehen, auf den Körper und die Gesundheit zu achten und Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. „Das Scheitern ist das Gegenstück zur Exzellenz“, meinte er und dass die Musikakademie ein Ort des Rückzugs und ein Ort der Selbsterkenntnis sein kann. „Es geht nicht darum, besser zu sei als andere, sondern seinen eigenen Weg zu kennen“, meinte er abschließend.

Schon mit 16 Jahren perfekt

Wie dies in der Praxis aussieht, wurde beim Galakonzert eindrücklich bewiesen. Das begann schon mit der 16-jährigen Lana Zorjan aus Serbien, die Ravels „Tzigane“ interpretierte. Das Stück dauert zwar nur zehn Minuten, stellt aber die Virtuosität jedes Solisten bis an die Grenze des physisch Möglichen. Doch Lana Zorjan scheint keine Grenzen zu kennen. Bei ihrem feinfühligen, aber auch temperamentvollen Spiel voller Sinnlichkeit war es mucksmäuschenstill im Saal. Sie wurde am Klavier vom 23-jährigen Jan Nikovich aus Kroatien mit viel Empathie begleitet. Ein grandioser und virtuoser Auftakt! Mit einem ebenfalls 16-jährigen Musiker ging es weiter. Der Bündner Simon Gabriel erreichte im letzten Jahr in Malmö an den Solo-Europameisterschaften für Brass und Perkussion den dritten Rang und gewann zudem als jüngster Teilnehmer den Publikumspreis. Im SAL spielte er das Stück, mit dem er in Malmö das Finale erreichte: „Zelda“ von Percy Code. „This young man is already a great soloist. A star!”, meinte ein Zuhörer und traf damit ins Schwarze. Simon Gabriel bewies eine unglaubliche Feinfühligkeit für seine Trompete, er entlockte ihr extrem weiche Töne, konnte damit flüstern und lebhaft erzählen aber auch rasant davonpreschen. Da wächst ein Meister heran.

Jung und Alt gesellt sich

Das Gleiche lässt sich von der 20-jährigen Anna Schultsz aus Basel sagen. Sie spielt eine Violine von Giuseppe Testore da Milano aus dem Jahr 1690, eine Leihgabe von der Musik & Jugend Förderstiftung Chur, wie sie an diesem Abend erwähnte. Anna Schultsz war Stipendiatin der Internationalen Musikakademie in Liechtenstein und nahm regelmäßig an den Intensiv-Wochen teil. Sie verzauberte das Publikum im SAL mit Pablo de Sarasates „Carmen-Fantasie“. Nicht nur die Brillanz ihres Instruments bestach, sondern vor allem ihr furioses und virtuoses Spiel. Sie schuf mit ihrer Geige Klänge, die wie geschliffenes Kristallglas in der Sonne glänzten. Auch sie wurde vom Pianisten Jan Nikovich begleitet, der bereits als 13-Jähriger mit Lang Lang in Konzerten und Meisterkursen auftrat.

Kammermusik vom Feinsten

Dass in der Musikakademie aber nicht nur solistisch gedacht und gearbeitet wird, bewiesen fünf Musiker:innen mit Antonín Dvořáks Klavierquintett Nr. 2 in A-Dur. An den Violinen der 24-jährige Amerikaner Kevin Zhu, und die 20-jährige Schweizerin Anna Schultsz. An der Viola die 27-jährige Chinesin Yue Yu und am Cello der 22-jährige Michael Wehrmeyer aus Deutschland. Ebenfalls aus Deutschland der 19jährige Simon Haje am Klavier. Diese fünf, alle mehrfache Preisträger:innen, brachten mit Dvořáks Werk ein Stück Kammermusik vom Feinsten in dieses Gala-Konzert. Ein perfektes Zusammenspiel zwischen allen und eine tragende Strebe zwischen Piano, Cello und Viola ließen das Zuhören zum Vergnügen werden. Dazu ein üppiger Klang, viel Temperament, aber auch Weichheit und Elegie. Mal tänzerisch beschwingt, dann wieder sanft und lieblich – ein Dvořák, wie er besser nicht hätte sein können. Da wächst an der Musikakademie in Liechtenstein eine musikalische Zukunft heran, die sich weltweit sehen und vor allem hören lassen kann. 

https://www.musikakademie.li/