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05.04.2017 |  Tamara Ofner

Willkommen in der Zukunft - Der WFC – World Future Council – tagte von 30. März bis 2. April 2017 in Bregenz

Im Bregenzer Kongresszentrum waren Bürgermeister DI Markus Linhart, das Land Vorarlberg und die Stadt Bregenz 4 Tage lang Gastgeber für den „World Future Council“ – Weltzukunftsrat, eine Vereinigung von über 50 Persönlichkeiten aus allen Teilen der Welt, die Hervorragendes auf ihrem Tätigkeitsgebiet geleistet haben und sich im World Future Council zusammenfinden, um eine Veränderung der Welt in Richtung Gewaltfreiheit, atomare Abrüstung und Beendigung von Kriegen, sowie 100 % nachhaltige Ressourcennutzung und Klimaschutz in die Hände zu nehmen und so eine neue Zukunft für die Welt zu gestalten.

Der World Future Council


Der World Future Council wurde 2007 von Jakob von Uexküll gegründet. Der gebürtige Schwede studierte am Christ Church College in Oxford und schloss mit dem Master of Arts in Politikwissenschaften, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften ab. Jakob von Uexküll gründete bereits 1980 den Right Livelihood Award – den „Alternativen Nobelpreis“ - und war auch Mitbegründer von The Other Economic Summit – dem Alternativen Weltwirtschaftsgipfel, kurz: TOES. Er ist ebenfalls Träger zahlreicher Preise und Auszeichnungen – unter anderem des Salzburger Landespreises für Zukunftsforschung 1999, sowie des Bundesverdienstkreuzes der BRD. Jakob von Uexküll war kurze Zeit Mitglied des Europäischen Parlaments und Aufsichtsrat von Greenpeace Deutschland. Der World Future Council ist eine gemeinnützige Stiftung und versteht sich als Stimme zukünftiger Generationen.

Die einzelnen Ratsmitglieder kommen aus Politik, Geschäftswelt, Wissenschaft und Kultur, aber auch aus der Zivilgesellschaft. Einige von ihnen sind Träger des Right Livelihood Award, wie zum Beispiel Francisco Withaker Ferreira, 2006 für seinen Einsatz für Demokratie und gegen Korruption ausgezeichnet. Dr. hc Maude Barlow, 2005 für ihren weltweiten Einsatz für gerechten Handel und die Anerkennung des Grundrechtes auf Wasser, Dr. Ibrahim Abouleish, 2003 für eine alternative „Wirtschaft der Liebe“, Prof. Dr. Vandana Shiva, 1993 für das Engagement, die Themen Frauen und Ökologie in der Politik in den Mittelpunkt zu stellen, Sulak Sivaraksa, 1995 für sein Engagement, den Buddhismus als Alternative zu westlichen Kulturmodellen bekannt zu machen und der Förderung einer bürgerlichen Gesellschaft in Thailand.

Zur Vervollständigung hier auch die Preisträger des Right Livelihood Awards 2016: Die syrische Rettungsorganisation „Weißhelme“, die ägyptische Feministin Mozn Hassan, die russische Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina und die türkische Zeitung „Cumhuriyet“.

Der Future Policy Award


Ein weiterer alternativer Preis, den die Ratsmitglieder seit 2007 vergeben, ist der Future Policy Award – der „Oscar“ für gute Gesetze, den Österreich im Jahr 2014 für das Gewaltschutzgesetz aus dem Jahre 2006 erhielt, und Frauen Gewaltschutz, psychosoziale Unterstützung und Prozessbegleitung bei Gewalt garantiert. 2015 gab es gleich 3 Preisträger für die besten Kinderrechtsgesetze: Gold für Sansibar für ein Gesetz, das effektiv Gewalt gegen Kinder verhindert und besonders in einem begleitenden Konsultationsprozess Kinder als aufgeklärte junge Bürger stärkt. Das Gesetz hat zur Bildung von über 200 Kinderräten geführt. Silber für Maryland, USA, für ein Umweltbildungsprogramm, das verpflichtend und fächerübergreifend sowie prüfungsrelevant die Auseinandersetzung mit der Natur und den praktischen Umgang mit Umweltschutz eingeführt hat. Ein zweiter Silber-Award ging an Finnland für das 1998 in Kraft getretene Bildungsgesetz, das unabhängig von Herkunft und Wohlstand den Zugang zu hochklassiger Bildung und Ausbildung garantiert.

Dr. Auma Obama


Dr. Auma Obama ist eine der Sprecherinnen und die starke Stimme der Veranstaltung. Die ältere Schwester von Barack Obama ist Gründerin der Sauti Kuu Foundation. Sauti Kuu ist Suaheli und bedeutet: Starke Stimmen. Die Stiftung will Kindern in aller Welt Perspektiven geben. Dazu sollen Wege gefunden und Strukturen geschaffen werden, die Kindern und Jugendlichen psychisch, sozial und finanziell zur Eigenständigkeit verhelfen. Die Ziele der Stiftung sind demnach auch die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen – starke Stimmen also, in diesem Zuge auch die Förderung von Aus- und Weiterbildung von Kindern und Jugendlichen sowie nachhaltiges, ökonomisches Wachstum. Die Sauti Kuu Stiftung wurde in Kenia, in der Heimat von Auma Obama ins Leben gerufen und begleitet seit 2013 auch Projekte in Deutschland. Auma Obama richtete an die Anwesenden den Appell, sich an die eigene Kindheit zu erinnern und daran, welche Bedürfnisse nicht befriedigt waren.

Bregenz und Vorarlberg als Gastgeber


Bürgermeister DI Markus Linhart sah die Tagung mit dieser hochkarätigen Besetzung in Bregenz als Auszeichnung für den Standort Vorarlberg und die Kongressstadt Bregenz. Der Problematik bewusst, dass sich die Probleme der Entwicklungs- und Krisenländer dieser Welt in keinster Weise mit den Problemen eines Landes wie Vorarlberg vergleichen lassen, ein Land, das von großen Katastrophen und Klimakatastrophen wie Hurricans und Wüstenbildungen immer geschützt und verschont war, bezeichnete Linhart Vorarlberg dann auch als „far away from everything“ und betonte die Stärken dieses kleinen Wirtschaftsstandortes: Kleine, flexible Unternehmen, die rasch auf zukünftige Entwicklungen reagieren können, Entwicklungen hin zu modernsten Technologien, das e5 Programm, das nachhaltigen Klimaschutz und Energieeffizienz anstrebt und mit dem Programm für energieeffiziente Gemeinden Vorbildcharakter nachweist. Weiters betonte er die Kraft unseres Bildungs- und Ausbildungssystems, das Talente fördert und Schwächere nicht ausschließt und selbstverständlich Inklusion lebt. Beispiele dafür waren die Volksschule St. Gerold, die mit lediglich 15 Schülern als eine der kleinsten Schulen gilt, sowie vor allem die HAK Bregenz, deren Schüler in vorzüglichem Englisch bewiesen, dass ihre Absolventen nicht nur europafit sind, sondern gleichermaßen weltwirtschaftstauglich, zudem auch nachhaltig für eine intakte Zukunft denken und agieren sowie von einem hohen Bewusstsein für Solidarität und Ressourcenschonung geprägt sind. Ebenso zukunftsfähig zeigte sich die Vorarlberger Wirtschaft beim UnternehmerInnenfrühstück, an dem vor allem energiepolitisch interessante und wichtige Projekte vorgestellt wurden.

Die Bregenzer Erklärung


Die 50 Ratsmitglieder des WFC kamen in Bregenz nicht nur zum Austausch zusammen, sondern auch um sich zu beraten und die Dinge tatkräftig selbst in die Hand zu nehmen. Dazu Jakob von Uexküll: „Schmelzende Gletscher und wachsende Wüsten verhandeln nicht, es gibt weltwirtschaftlich gesehen auch kein Versagen des Marktes, sondern nur ein Versagen der Bilanzen, die sich an einem überholten und absurden Finanzsystem orientieren, das nicht einer Kostenwahrheit von Ressourcen entspricht, sondern finanzmathematischen Systemen, die nicht funktioniert haben und nicht aufgehen.“ Jakob von Uexküll spricht die Probleme unserer Zeit mit starken und eindringlichen Worten an. „Wir fragen immer, was eine Maßnahme zur Sicherung und Schonung von ökologischen Ressourcen, der Umstieg auf erneuerbare Energien kostet, niemand fragt danach, was es kostet, auf die Klimaerwärmung und humanitäre Katastrophen NICHT zu reagieren.“ Jakob von Uexküll sieht sich selbst als Possibilitist, der in Angriff nehmen will und umsetzen, was notwendig ist, und weder Pessimismus, der zaudert, noch Optimismus, der keine Probleme sieht, für angebracht hält.

Am Ende der 4-tägigen Beratung legte der Weltzukunftsrat folgende Bregenzer Erklärung vor, die hier als Download nachzulesen ist.

Ein kritischer Blick auf den World Future Council


Das kraftvolle Engagement für weltweite soziale Gerechtigkeit, Frieden und Gewaltfreiheit, der Umstieg auf erneuerbare Energien und der rücksichtsvolle Umgang mit den Ressourcen der Welt ist absolut notwendig. Kein Mensch, der noch alle Sinne beieinander hat, würde dem in irgend einer Weise widersprechen. Der Weg über die Belohnung im Sinne einer Auszeichnung und Ehrung von positiven Vorbildern macht durchaus Sinn, denn er schafft Anreize zur Nachahmung und Weiterentwicklung, stärkt bereits engagierten Menschen den Rücken.

Im Sinne einer demokratischen, weltweiten Entwicklung stellt sich dennoch die Frage, ob ein selbsternanntes und sich selbst beauftragendes und zudem finanzkräftiges Gremium wie der World Future Council auch tatsächlich das alleinige Recht, die alleinige Verantwortung dafür in Anspruch nehmen darf und soll – oder ob es im Sinne einer demokratischen Weiterentwicklung nicht sinnvoll wäre, eine unabhängige und demokratisch konstituierte – also von einer von der Bevölkerung (mit)bestimmten – Kontrollinstanz zu installieren und etablieren, um Machtmissbrauch in einem so verantwortungsvollen Aktionsradius zu verhindern.

Wenn Frau Dr. Obama nach einer Kindheitserinnerung fragt, dann fällt mir meine Großmutter ein, Jahrgang 1921. Sie hat immer ein Kreuz über das frische, oft sogar noch selbst gebackene Brot gemacht, bevor sie es anschnitt und wir haben uns bei Gott für das Essen bedankt. Wir wussten, was Hunger ist und auch, wann wir satt sind.

 

Weitere Informationen und Websites:

www.worldfuturecouncil.org/de/

www.rightlivelihoodaward.org/

sautikuufoundation.org/de/startseite/

Der World Future Council in Bregenz. Foto: Dietmar Mathis, P2 Pressearbeit, Kongresskultur Bregenz.

Der World Future Council in Bregenz. Foto: Dietmar Mathis, P2 Pressearbeit, Kongresskultur Bregenz.

Aktiver Umweltschutz: Die Kleinen der Volksschule St. Gerold hauen mächtig auf die Pauke, wenn es um richtige Mülltrennung geht. Foto: Ofner

Aktiver Umweltschutz: Die Kleinen der Volksschule St. Gerold hauen mächtig auf die Pauke, wenn es um richtige Mülltrennung geht. Foto: Ofner

Fit for the Future: Die Handelsakademie Bregenz und ihre Schüler. Foto: Ofner

Fit for the Future: Die Handelsakademie Bregenz und ihre Schüler. Foto: Ofner

Jakob von Uexküll und Alexandra Wandel, Vorstand und Direktion des World Future Council. Foto: Ofner

Jakob von Uexküll und Alexandra Wandel, Vorstand und Direktion des World Future Council. Foto: Ofner

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  • Der World Future Council in Bregenz. Foto: Dietmar Mathis, P2 Pressearbeit, Kongresskultur Bregenz. Der World Future Council in Bregenz. Foto: Dietmar Mathis, P2 Pressearbeit, Kongresskultur Bregenz.
  • Aktiver Umweltschutz: Die Kleinen der Volksschule St. Gerold hauen mächtig auf die Pauke, wenn es um richtige Mülltrennung geht. Foto: Ofner Aktiver Umweltschutz: Die Kleinen der Volksschule St. Gerold hauen mächtig auf die Pauke, wenn es um richtige Mülltrennung geht. Foto: Ofner
  • Fit for the Future: Die Handelsakademie Bregenz und ihre Schüler. Foto: Ofner Fit for the Future: Die Handelsakademie Bregenz und ihre Schüler. Foto: Ofner
  • Jakob von Uexküll und Alexandra Wandel, Vorstand und Direktion des World Future Council. Foto: Ofner Jakob von Uexküll und Alexandra Wandel, Vorstand und Direktion des World Future Council. Foto: Ofner