Fünf Preisgekrönte bei den Podiumskonzerten im TAK
Die Podiumskonzerte 2024 sind Geschichte. Zum Abschluss bewiesen die Preisträger:innen noch einmal ihre Virtuosität im TAK.
„Fünf Solisten hatten wir noch nie“, meinte Dr. Hossein Samieian, Organisator der Podiumskonzerte. Ein weiteres Novum war in diesem Jahr der Einsatz des Streicherensembles Montfort als Begleitorchester. Zwei Tage hatten Ensemble und Solist:innen Zeit zum Proben, dann musste alles sitzen. Dr. Hossein Samieian sprang als Querflötist ein und Maestro Graziano Mandozzi, künstlerischer Leiter der Podiumskonzerte, dirigierte. Die Preise wurden von I.K.H. Erbprinzessin Sophie von und zu Liechtenstein gleich nach dem jeweiligen Vortrag überreicht. Den ersten Preis erhielt die 16-jährige Cellistin Léanne von Sury aus Azmoos im Kanton St. Gallen. Die anderen vier Preisträger:innen wurden alle Zweite.
Mit Haydn beginnt es
Die preisgekrönte Musikerin Léanne von Sury begann schon als Fünfjährige mit dem Cellospielen. Der erste, der ihr Talent erkannte, war ihr Musiklehrer Josef „Pepi“ Hofer von der Liechtensteiner Musikschule. Seit 2022 lernt sie bei Martin Merker und erhält zusätzlich Unterricht von Rafael Rosenfeld, seit sie mit elf Jahren als Jüngste an einem seiner Meisterkurse teilnahm. Léanne von Sury eröffnete die Konzert-Matinee mit Joseph Haydns Cello-Konzert in C-Dur, woraus sie den 1. Satz, das Moderato, spielte. Die Solistin legte von Beginn an einen eleganten Stil vor, der aber immer aus der Tiefe des Herzen zu kommen schien. Sie bewies damit einmal mehr, warum das Cello in Filmen immer dann zum Einsatz kommt, wenn es um tiefe Emotionen geht. Zehn Minuten währte der Dialog zwischen Solovioline und Streicher. Dabei überzeugte Léanne von Sury nicht nur mit ihren Doppelgriffen, mit denen sie das prägnante Hauptthema zu virtuosen Passagen überleitete. Im „Moderato“ werden vor allem die hohen Lagen bevorzugt – für die Solistin kein Problem, denn diese beherrscht sie perfekt. Léanne von Sury war bei ihrer Interpretation immer auch „Erste unter Gleichen“ – sie spielte zwar als Solistin, war aber auch in den Orchestertutti präsent. Ein perfekter Einstieg in dieses Abschlusskonzert.
Unterwegs mit Hummel und Bratsche
Ihr folgte Maximilian Eisenhut mit seiner Viola. Er stammt aus einer Feldkircher Musikerfamilie und wurde bereits mit sieben Jahren das erste Mal von prima la musica ausgezeichnet; zuletzt war er dort zweimal Bundessieger, als Viola-Spieler wie auch in der Kategorie „ensemble kreativ“. Maximilian Eisenhut spielte bei diesem Schlusskonzert drei Sätze aus dem „Potpourri op. 94“ für Viola und Orchester von Johann Nepomuk Hummel. Der Komponist war ein enger Freund von Beethoven und Schüler von Mozart. In seinem „Potpourri“ baute er daher leichtfüßige und romantische Sequenzen seines Lehrers wie auch Partien von Gioachino Rossini ein. Da das Werk eine Flöte erfordert, übernahm Dr. Hossein Samieian im Streicherensemble Montfort die Partie der Querflöte. Preisträger Maximilian Eisenhut erwies sich einmal mehr als Meister der tänzerischen Töne, immer wieder nahm er die letzten Schwingungen der Töne vom Orchester auf und führte sie mit seiner Viola weiter. Dabei setzte er klare Akzente und ließ die Musik von Johann Nepomuk Hummel wie ein Stück aus dem Heute klingen. Kein Wunder, der 18-jährige Solist spielt ja auch in einer Rockband die E-Gitarre.
Das ungarische Fagott
Einen besonderen Akzent setzte die 19-jährigen Katharina Mätzler am Fagott. Die Solistin aus Langenegg erhielt 2023 den Nachwuchspreis der Wiener Symphoniker. Ein Jahr davor wurde sie mit der IsaChallenge der Freunde der Wiener Philharmoniker und dem Stella Musikpreis ausgezeichnet. Im Konzert spielte sie Carl Maria von Webers „Andante e Rondo Ungarese op. 35“. Mit diesem Stück gastierte sie letztes Jahr zusammen mit den Wiener Symphonikern im ORF Radiokulturhaus. Bei ihrer Interpretation im TAK bewies Katharina Mätzler eindrücklich, dass das Fagott ein wunderbares Solo-Instrument ist, aus dem die Melodien nur so herauszuwachsen scheinen. Sie „sang“ mit ihm lange Melodien, vor allem in den hohen Lagen und sorgte so für eine große Klangfülle. Ihr Spiel hörte sich unbeschwert und hin und wieder verschmitzt an. Manchmal klang es zudem, als sei das Fagott ihr Tanzpartner, mit dem sie das „Rondo Ungarese“ in Bewegung umsetzt – virtuos und elegant tanzten die zwei durch das Werk bis zu einem furiosen Schluss.
Und dann ein Kontrabass
Da hatte es im Anschluss der 18-jährige Friedrich Wocher mit seinem Kontrabass als Solo-Instrument nicht einfach. Der junge Musiker aus Rankweil begann mit 5 Jahren Kontrabass zu lernen, außerdem spielt er Klavier, Saxophon und Klarinette und ist Mitglied der European Youth Orchestra Academy und des Wiener Jeunesse Orchesters. Er interpretierte das Allegro-Finale aus Giovanni Bottesinis „Concertino in Si minore, BOT 29“. Der italienische Komponist Bottesini wurde bereits als 14-Jähriger in das Konservatorium Mailand aufgenommen und war ein führender Kontrabassist seiner Zeit. Die Streicher des Montfort Orchesters bereiteten mit einem temporeichen Rhythmus den Einsatz für Friedrich Wocher vor, und auch im Laufe des Stückes stand der Solist in engem Dialog mit dem Orchester. In der letzten Kadenz allerdings konnte er sich als Solist von seiner ungeheuer virtuosen Seite zeigen und bewies unter anderem, dass ein Kontrabass auch flüstern kann.
Die Geige kam zum Schluss
Den Abschluss dieses Preisträgerkonzerts machte Maruja Laukas mit ihrer Violine. Die Geigerin wurde in Liechtenstein geboren und wuchs in Sargans auf. Vor zwei Jahren schloss sie an der Hochschule Musik Luzern ihren Bachelor mit Auszeichnung ab und ist unter anderem Mitglied des Lucerne Festival Contemporary Orchestras. Die 29-Jährige ist nicht nur eine erfahrene Virtuosin, sondern auch bereits eine erfolgreiche Komponistin. Mit 17 Jahren komponierte sie „Der Klang der Sterne“, vor zehn Jahren wurde das Werk wie auch ihr Kindermusical „Die wilden Schwäne“ nach Hans Christian Andersen uraufgeführt. Vor zwei Jahren entstand das Stück „Sonserosa chroma“. Bei dem Podiumskonzert im TAK spielte die Musikerin den dritten Satz „allegro ma non tanto“ des Violinkonzerts in d-Moll von Jean Sibelius. Schon der Beginn glich einem virtuosen Spiel mit dem Orchester, immer wieder tönte es, als spiele Maruja Laukas zwei Violinen gleichzeitig. Sie konnte bei diesem Sibelius ihre ganze Brillanz zeigen und wechselte mühelos von den dunklen zu den weichen Klangfarben. Ein „Dance macabre“ der besonderen Art – Maruja Laukas interpretierte das Violinkonzert von Sibelius gemeinsam mit dem Streicher:innen-Ensemble als große symphonische Dichtung. Besser hätte diese Matinee im TAK nicht enden können.