Das Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung von Leo McFall startete sein Abonnement mit einem aussagekräftigen Konzert. Gefeiert wurden unter anderem der Komponist Herbert Willi und die Klarinettistin Sharon Kam.
Silvia Thurner · 21. Jul 2025 · Musik

Freude, Lust und Klage von der Wiege bis zur Bahre

Lea Elisabeth Müller und Eva-Maria Hamberger begeisterten mit emotionsgeladenen Barockarien

In den Talschaften Vorarlbergs stehen Kirchen, die sich perfekt als Konzerträume anbieten. Eine davon ist die seit über 500 Jahren bestehende Kirche St. Anna in Thüringen, wo die Cembalistin Eva-Maria Hamberger eine kleine Konzertreihe kuratiert. Zum gemeinsamen Musizieren lud sie die Mezzosopranistin Lea Elisabeth Müller ein. Die Werkauswahl bestand aus geistlichen Arien der Barockzeit, deren Inhalte den Bogen von frühen zu späten Lebensstationen spannten. Die vielfältigen Textinhalte, die barocken Linienführungen und kunstvollen Verzierungen zur Darstellung der Affekte formte die Mezzosopranistin mit ihrer warmen Stimme hervorragend aus. Am Cembalo bot ihr Eva-Maria Hamberger eine gute Stütze. Darüber hinaus ließ sie mit einem Variationensatz von Sweelinck sowie dem Prelude aus der englischen Suite Nr. 2 von Bach aufhorchen.

Mit anschaulicher Gestik führten Lea Elisabeth Müller und Eva-Maria Hamberger die Zuhörenden in die frühbarocke Musikwelt ein. „Amor dormiglione“ aus dem Op. 6 von Barbara Strozzi ist eine fröhliche Arie, in der Amor geweckt wird. Das Anklopfen des Cembalos und die Weckrufe der Singstimme zeigten die Qualitäten der beiden Musikerinnen unmittelbar auf. Lea Elisabeth Müller sang mit warmem Timbre und ausdrucksstark. Beide wirkten kommunikativ und musizierten mit spürbarer Freude an der musikalischen Gestaltung. So entfaltete sich bereits mit dem ersten Lied ein Esprit, der das gesamte Konzert durchzog.
Einen emotionalen Wechsel brachte John Dowlands „Flow my Tears“. Die tiefe Tonlage sowie der gemäßigte Pavanenrhythmus unterstrichen die melancholische Stimmung, die von den Musikerinnen feinfühlig ausgestaltet wurde.
Einen Höhepunkt stellte „Lasciatemi qui solo“ von Francesca Caccini dar. Lea Elisabeth Müller kristallisierte die Todessehnsucht mit intensivem musikalisch-rhetorischem Ausdruck heraus. Unterstrichen wurde die Wirkung durch die harmonischen Farben des Cembaloparts.

Tongirlanden im Raum

Passend dazu erklangen die Variationen „Mein junges Leben hat ein End“ von Jan Pieterszoon Sweelinck für Cembalo solo. Stets waren die melodischen Hauptlinien präsent, und der sich allmählich verdichtende Satz mit den virtuosen Tongirlanden erklang plastisch ausgeformt. Einen großen Eindruck hinterließ auch das Prelude in a-Moll aus der Englischen Suite Nr. 2 von J.S. Bach, das Eva-Maria Hamberger temperamentvoll in den Raum stellte.
Als inniges musikalisches Gebet formulierten Lea Elisabeth Müller und Eva-Maria Hamberger die Bach-Arie „Ach bleibe doch, mein liebes Leben“ (BWV 11). Der große Ambitus und charakteristische Tonschritte stellten interpretatorische Herausforderungen dar, sodass der emotionale Gehalt eher in den Hintergrund trat und die Deutung etwas statisch wirkte. Feinsinnig umgarnten sich die Sing- und die Cembalostimme in Bachs Lied „Schlummert ein“ (BWV 82). Aufmerksamkeit lenkten die Vokalfärbungen auf den langen Liegetönen auf sich, die von der Cembalostimme achtsam umspielt wurden.
Mit Arien von Georg Friedrich Telemann wendeten sich die Musiker:innen weiteren affektgeladenen Werken zu. Mit viel Risikobereitschaft interpretierten sie „Ich taumle vor Freude, ich sterbe vor Lust“. Die Mezzosopranistin breitete die Melismen wirkungsvoll aus, gut gestützt von einem tragfähigen Cembalopart. Widerstreitende Gefühle auf engem Raum, überraschende Wendungen und ausgeprägte chromatische Durchgänge prägten Telemanns ausdrucksstark dargebotene Arie „Weinend, seufzend“. Mit ruhigem Duktus breiteten Lea Elisabeth Müller und Eva-Maria Hamberger abschließend die Kantilene „Lass auch deiner Engel Hände“ in freudvoller Stimmung aus.

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