"Mit einem Tiger schlafen": Anja Salomonowitz‘ Spielfilm über die Künstlerin Maria Lassnig derzeit in den Vorarlberger Kinos (Foto: Stadtkino Wien Filmverleih)
Walter Gasperi · 24. Dez 2011 · Film

Sherlock Holmes - Spiel im Schatten

Von Sir Arthur Conan Doyles-Vorlage bleibt bei Guy Ritchie nicht viel mehr als die Protagonisten. Die Handlung ist nur Vorwand für eine Abfolge spektakulärer Szenen, die wie Jahrmarktattraktionen dargeboten werden. Unterhaltsam ist das dank hohem Tempo und lustvoller Inszenierung dennoch.

Wie in den James Bond-Filmen oder in der „Mission Impossible“-Reihe steht auch in diesem „Sherlock Holmes-Film nichts weniger als der Weltfrieden auf dem Spiel. Verantwortlich für die internationale Krise ist hier der „Napoleon der Verbrecher“ Professor Moriarty (Jarred Harris), der versucht durch Anschläge die europäischen Großmächte gegeneinander aufzuhetzen. Polizei scheint es keine zu geben, allein Sherlock Holmes (Robert Downey jr.) und sein Helfer Dr. Watson (Jude Law), der nebenbei auch noch heiratet, jagen den Superverbrecher. Als Sidekicks stehen ihnen Holmes´ älterer Bruder (Stephen Fry), der Witz ins Spiel bringt, und „Millennium“-Trilogie-Entdeckung Noomi Rapace als Roma Simza zur Seite.

Action statt Kopfarbeit

Mag da aber auch von nationalistischer und anarchistischer Stimmung und vor allem von den deutsch-französischen Spannungen Ende des 19. Jahrhunderts die Rede sein, so dient diese reale historische Situation, die schließlich einer der Gründe für den Ersten Weltkrieg wurde, Guy Ritchie doch nur als Hintergrund für spektakuläre und vielfach hochexplosive Szenen. Wie im ersten Film darf Robert Downey jr. als koksender Holmes auch in diesem Sequel blitzschnell kombinieren und den Verlauf anschließender Kämpfe aufgrund dieser Kombinationsgabe schon vorwegnehmen. Nur staunen kann der Zuschauer über diese Fähigkeit, unmöglich macht es ihm aber das Tempo selbst Überlegungen anzustellen.
So steht nicht die langsame Lösung eines kriminalistischen Rätsels mittels Kopfarbeit im Mittelpunkt, sondern das rasante, actiongeladene Spektakel. Mit Zeitraffer und stakkatoartiger Montage werden die Kampfszenen zerhackt, andererseits visualisieren Zeitlupenaufnahmen die Wirkung des Einschlags von Kugeln auf Bäumen und zeigen en Detail, wie das Holz zerbirst.

Kino als Jahrmarktattraktion

Zurück zur Jahrmarktattraktion, die der Film in seinen Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts war, führt Ritchie mit seiner 1891 angesiedelten Geschichte das Medium. Haarsträubende Maskeraden vom Chinesen bis zur Dame, mit der auch auf die Homosexualität des Meisterdetektivs angespielt wird, darf Holmes treiben, von London über Paris nach Deutschland und dann zu den Reichenbachfällen in der Schweiz führt die Handlung. Nicht überlegen sollte man dabei freilich, wo hier die deutsch-französische Grenze überquert wird oder auf welcher Strecke man mit dem Zug durch die Schweiz fährt.

Rasanter Szenenwechsel, lustvolle Inszenierung

Hanebüchen ist die Handlung, aber rasanter Szenenwechsel, der kaum Zeit lässt die visuelle Opulenz der Schauplätze und Kostüme auszukosten, hält diese Kinomaschine am Laufen. Was für den klassischen Western der Italo-Western ist, den Hans Zimmers Soundtrack auch mehrfach musikalisch zitiert, ist dieser „Sherlock Holmes“-Film für den klassischen Detektivfilm: Verzerrt und parodiert wird das Genre, gespielt wird mit den Mustern, bis dem Film jede Substanz ausgetrieben ist und nur die äußere Hülle bleibt.
So bleibt zwar nach 130 Minuten nichts außer den beiläufig eingestreuten Kommentaren, dass man letztlich nicht den Waffenhändlern, sondern vielmehr der menschlichen Natur die Schuld an Konflikten und Kriegen geben muss und dass die Schweiz für Reiche immer ein sicherer Platz ist, dennoch unterhält man sich ganz  nicht zuletzt dank der ebenso selbstironischen wie lustvollen Inszenierung ganz passabel.