Jazz&-Doppelkonzert mit Martin Eberle/Martin Ptak und Martin Listabarth am Spielboden (Foto: Stefan Hauer)
Gunnar Landsgesell · 19. Jul 2016 · Film

Frühstück bei Monsieur Henri

Studentin muss aus Pariser Wohnungsnot eine WG mit altem Grantler bilden. Was fies klingt, kommt nicht so schlimm: Frühstück bei Monsieur Henri ist eine weichgespülte, charmante und leichte Komödie, in der allerdings das knochentrockene Comeback des 80-jährigen Claude Brasseur für einige wohlfeile falsche Töne sorgt.

Der französische Schauspieler Claude Brasseur war vor allem in den Siebziger und Achtziger Jahren eine fixe Größe im französischen Kino, wo er sich zwischen Komödie und Dramen („La boum“, „Ein Elefant irrt sich gewaltig“) als vielseitig einsetzbarer Schauspieler erwies. Nun kehrt er, ähnlich überraschend wie Jean-Louis Trintignant, als 80-jähriger Misanthrop auf die Leinwand zurück und mobilisiert scheinbar die letzten Kräfte, um der Studentin Constance das Leben schwerzumachen. Sie hat sich von ihren Eltern abgenabelt und sucht nun am überhitzten Pariser Immobilienmarkt ein Zimmer. „Frühstück bei Monsieur Henri“ ist eine Komödie, die sich mit schöner Planmäßigkeit über die schroffen Gegensätze ihrer beiden Protagonisten entfaltet. Brasseur gibt einen vom Leben enttäuschten Eigenbrötler, dessen einzige Freude darin besteht, anderen noch eine schlechtere Zeit zu bereiten als sich selbst. Sein Haustier ist eine Schildkröte, die keine besondere Zuwendung erwartet. Brasseur schießt seine spitzen Bemerkungen mit unangenehm krächzender Stimme so trocken und humorlos hervor, als wäre er selbst dieser Pensionist. Damit unterläuft Brasseur die absehbare Wandlung seiner Figur so lange es nur geht. Mit der frankophonen Schweizerin Noémie Schmidt, die als Entdeckung im Kino gilt, findet sich ein fröhlich-naiver Widerpart: Constance, mit einer notorischen Prüfungsangst ausgestattet, gelingt nicht viel im Leben, doch – soweit die recht simplen Dichotomien des Films – begegnet sie dem Leben immer mit einem Lächeln. Die 20-seitigen Hausregeln, die ihr ein griesgrämiger Henri überreicht, akzeptiert sie ebenso wie das Verbot, das verwaiste Piano im Wohnzimmer zu bespielen. Ein bisschen irritiert die betonte Demut dieser Constance, die Geschichte ist jedenfalls eher kein screwball-comedy-mäßiger Kampf der Geschlechter oder Generationen. Dazu ist die auf charmante Pointen ausgerichtete Regie von Ivan Calbérac nicht ausgerichtet.

Kuschelige Studentin


Schon bald wird es frivol in dieser eigentümlichen WG – Henri erpresst die junge Frau, seinen ungeliebten Sohn zu verführen, um dadurch die noch ungeliebtere Schwiegertochter loszuwerden. Auch hier zieht Constance mit, wiewohl Henris Sohn (Guillaume de Tonquedec) ungefähr doppelt so alt ist wie sie. Leicht bekleidet am Frühstückstisch und zugleich ein hilfreicher Geist in dieser Wohnung, dann wieder in die Hauspatschen des alten Henri geschlüpft – Constance erweist sich als eigentümlich kuschelige Figur. Schließlich kratzt „Frühstück bei Monsieur Henri“ doch noch die Kurve, wenn die angepassten Kinder ihrer dominanten Väter aufbegehren. Spätestens dann ist aber auch wirklich Schluss mit schwarzem Humor.