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06.10.2016 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (7.10. - 13.10. 2016)

Filmforum Bregenz und TaSKino Feldkirch zeigen diese Woche die neuseeländische Familiensaga „Mahana“. Beim Filmforum Bregenz steht zudem Xavier Beauvois´ liebevolle Chaplin-Hommage „Die unglaubliche Entführung des Charlie Chaplin“ auf dem Programm.

Mahana: Lee Tamahori erzählt in seinem ersten neuseeländischen Film seit seinem fulminanten Debüt „Die letzte Kriegerin“ (1994) von einem Konflikt zwischen zwei Maori-Familien, die in den 1960er Jahren als Schafscherer arbeiten, aber auch von einem innerfamiliären Konflikt zwischen dem autoritär den Clan der Mahana lenkenden Großvater und seinem 14-jährigen Enkel Simeon. Gleichzeitig bietet der Film aber auch Einblick in die Machtverhältnisse zwischen weißen Herrn und indigener Bevölkerung und die Verdrängung der Kultur der Maori.
Kein modernes Kino ist das, sondern Tamahori orientiert sich am klassischen Hollywood, doch altbacken oder verstaubt wirkt das nie, denn immer spürt man die Leidenschaft des Regisseurs.
Großartig verankert die Kamera von Ginny Loane – ganz im Stil klassischer Western - die Handlung in der prächtigen Landschaft. Markant ist die Zeichnung der Charaktere, die durch die Besetzung mit unbekannten Schauspielern zudem Frische und Natürlichkeit ausstrahlen, und leichthändig und ganz selbstverständlich verknüpft Tamahori die prägnant herausgearbeiteten Konfliktfelder.
Klar verteilt sind hier die Rollen, Ecken und Kanten sind glattpoliert und am Ende ist alles geklärt. – Tamahori bietet nicht mehr und nicht weniger als souverän gemachtes, süffiges und emotional mitreißendes Kino klassischen Stils.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Fr 7.10., 22 Uhr
TaSKino Feldkirch im Kino Rio:
Fr 7.10. bis Di 11.10.


La rancon de la gloire – Die unglaubliche Entführung des Charlie Chaplin:
Xavier Beauvois zeigt sich wandlungsfähig: Nach dem meisterhaften religiösen Drama „Von Menschen und Göttern“ legt er mit diesem „von einer wahren Geschichte inspirierten Film“ eine verschmitzte Komödie über die Entführung des Sargs von Charlie Chaplin vor.
Im Mittelpunkt steht nicht der an Weihnachten 1977 verstorbene große Komiker, sondern der soeben aus dem Gefängnis entlassene Eddy (Benoît Poelvoorde) und der algerische Migrant Osman (Roshdy Zem). Wie Chaplins legendärer Tramp leben sie am Rande der Gesellsaft und dicht evoziert Beauvois mit dunklen Blau- und Grautöne, der kalten und verregneten Stimmung, tristen Schauplätzen und geduldigem Blick ihre Lebenswelt. Charmant knüpft der Franzose dabei im Ton und in der Mischung aus Drama und Komödie an Chaplin an und auch die Musik, bei der sich Beauvois auch bei Michel Legrands Soundtrack zu „Limelight“ bedient, arbeitet mit solchen Reminiszenzen.
In jeder Szene spürt man so die Liebe des französischen Regisseurs zu Chaplin, wunderbar trifft er den Ton der Filme des Vorbilds, doch so stimmig auch der Beginn ist, so ist mit Fortdauer des mit 110 Minuten auch etwas zu langen Films nicht zu übersehen, dass die Inszenierung doch etwas zu bieder und brav ist, es an Tempo und Verve vermissen lässt. So folgt man zwar mit Schmunzeln der Handlung des Films, der auch durch seinen warmherzigen, von Mitmenschlichkeit geprägten Blick auf die Protagonisten sowie das wundervolle Spiel von Poelvoorde und Roshdy Zem, die ein wunderbares Duo ergeben, für sich einnimmt, doch wirklich mitgerissen wird man nicht, hat man doch das Gefühl, dass da mehr drin gewesen wäre.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 12.10., 20 Uhr + Fr 14.10., 22 Uhr

Mahana

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La Rançon de la gloire - Die unglaubliche Entführung des Charlie Chaplin

La Rançon de la gloire - Die unglaubliche Entführung des Charlie Chaplin

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