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30.07.2015 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (31.7. - 6.8. 2015)

Beim Open-Air in Altstätten gibt es in dieser Woche unter anderem mochmals den hinreißenden Animationsfilm „Shaun, das Schaf“ zu sehen. Am Marktplatz Rankweil steht dagegen mit Richard Linklaters „Boyhood“ einer der herausragenden Filme des letzten Jahres auf dem Programm.

Shaun, das Schaf: Ganz eigenen Charme entwickeln die Trickfilme der britischen Aardman Studios, in denen Knetfiguren mittels zeitaufwändiger und mit viel Handarbeit verbundener Stop-Motion-Technik zum Leben erweckt werden. Nach den Erfolgen mit „Chicken Run“ (2000) und „Wallace & Gromit“ (2005) haben nun Mark Burton und Richard Starzak auch aus der seit 2007 laufenden TV-Serie „Shaun das Schaf“  einen Kinofilm entwickelt. Vom Bauernhof führt die Handlung in die Stadt, wo die kleine Schafherde mit Unterstützung des Hundes Bitzer den Bauern suchen muss, der durch einen Unfall sein Gedächtnis verloren hat. Gefahr droht aber – wie zuletzt dem Bären in „Paddington“ – von einem hinterhältigen Tierfänger.
Bravourös meistert das Regie-Duo die Schwierigkeit ganz ohne Dialog auskommen zu müssen und mischt spielerisch leicht Witz mit Spannung. Die Handlung ist einfach gestrickt, doch große Liebe zum Detail und Einfallsreichtum in der Entwicklung von Szenen sorgen dafür, dass dieses Trickfilm-Abenteuer Jung und Alt gleichermaßen begeistern wird.
Altstätten, Kirchplatz: Fr 31.7., 21.30 Uhr

Boyhood: Über zwölf Jahre verteilt drehte Richard Linklater mit den gleichen Schauspielern an diesem Film und inszenierte nicht die Entwicklung des sechsjährigen Mason zum 18-Jährigen nach, sondern zeigt in 164 Minuten die Entwicklung real und erzählt in der individuellen Geschichte von der Kindheit und Jugend im Allgemeinen.
Hier war keine Maske nötig, um Ethan Hawke und Patricia Arquette, die die Eltern spielen, altern zu lassen und keine je nach Alter verschiedenen Kinderdarsteller für Mason (Ellar Coltrane) und seine Schwester (Lorelei Linklater). Zeitgeschichte vom Irakkrieg über die Wahl Obamas bis zur NSA-Affäre, die im Hintergrund einfließen, musste ebenso wenig rekonstruiert werden wie der kulturelle Background von Videospielen über Harry-Potter-Hype bis Smartphone und Facebook und auch der Soundtrack ergab sich aus den jeweils zur Drehzeit aktuellen Hits.
Das mitfühlende Begleiten eines Erwachsenwerdens verleiht diesem Film, die auch für die „Before“-Trilogie typische Natürlichkeit und Frische. Bestechend fängt Linklater jeweils den Augenblick ein, unverkrampft und echt sind die Dialoge und im befreiten Erzählen, in dem mit großen Ellipsen auch Wohnungswechsel oder die Trennung der Mutter von einem Ehemann übersprungen werden, wird mit großer Leichtigkeit auch die Entwicklung der Weltsicht Masons geschildert.
Hier werden nicht dramatische Momente breit ausgespielt, viel Platz gibt es dafür für Gespräche bei Ausflügen mit dem von der Familie getrennt lebenden Vater, mit der ersten Freundin, einem Lehrer oder Masons Chef bei einem Nebenjob. Beiläufig werden die Charaktere der Mutter, die immer wieder an die falschen Männer gerät, und des im Laufe der Jahre erst Verantwortungsbewusstsein entwickelnden Vaters gezeichnet. Und Verantwortung ist auch das zentrale Wort, das vom Anfang an in diesem zutiefst menschlichen und die Menschen liebenden Film, der auch ein großer Film über Texas, über seine Landschaften und Städte und die Mentalität ihrer Bewohner ist, immer wieder fällt.
Rankweil, Marktplatz:
Do, 6.8. 21.30 Uhr

Shaun, das Schaf

Shaun, das Schaf

Boyhood

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