"Die Sterne" im Spielboden Dornbirn: Frontmann Frank Spilker und Philipp Janzen an den Drums (Foto: Stefan Hauer)
Walter Gasperi · 28. Aug 2014 · Film

Aktuell in den Filmclubs (29.8. - 4.9. 2014)

Das TaSKino Feldkirch zeigt diese Woche den französischen Liebesfilm "Une rencontre - Ein Augenblick Liebe", in dem Lisa Azuelos im Konjunktiv die mögliche Entwicklung einer Beziehung durchspielt. Beim Open-Air des Lindauer Club Vaudeville steht dagegen der mitreißende kubanische Animationsfilm "Chico und Rita" auf dem Programm.

Chico und Rita: Fernando Trueba und der Designer Javier Mariscal erzählen in ihrem 2011 mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichneten und 2012 für den Oscar nominierten Animationsfilm von einer großen, aber nur für kurze Zeit glücklichen Liebe zwischen dem kubanischen Pianisten Chico und der Sängerin Rita. Von den 1950er Jahren bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts spannt sich die Handlung und führt von der Karibikinsel in die USA.
Bewegend und wunderbar rund, voll Liebe zur Musik und den Menschen erzählen Trueba/Mariscal und beschwören durch detailreiche, akribisch genaue und liebevolle Gestaltung der Clubs, Straßen, Räume und Kostüme atmosphärisch dicht die Stimmung der Zeit. Gleichzeitig übt das Regie-Duo aber auch unübersehbar Kritik am heutigen Zustand der Karibikinsel, wenn sie der tristen kubanischen Gegenwart im rückwärtsgewandten nostalgischen Blick das in warme Brauntöne getauchte alte Kuba gegenüberstellen.
Mitreißend wird dieser mit viel Herzblut inszenierte Animationsfilm aber vor allem durch die Musik und die legendären Musiker, die darin vorkommen. Der Bogen spannt sich hier von Dizzy Gillespie über Thelonius Monk bis zu Charlie Parker und für den Soundtrack zeichnet Bebo Valdez verantwortlich, nach dessen Vorbild Chico gestaltet wurde. Eindrücklich erzählt „Chico & Rita“ auf dieser musikalischen Ebene von der gegenseitigen Beeinflussung und Befruchtung des amerikanischen Jazz durch die kubanische Musik und der sich daraus ergebenden Verschmelzung zu etwas Neuem.
Club Vaudeville, Lindau (Open-Air Kino im Innenhof): Sa 30.8., 20 Uhr

Une recontre – Ein Augenblick Liebe: Zufällig begegnen sich der Strafverteidiger Pierre (François Cluzet) und die Schriftstellerin Elsa (Sophie Marceau) bei der Präsentation ihres neuen Buches. Auf Anhieb sind sie sich sympathisch, doch er ist seit 15 Jahren glücklich verheiratet und hat zwei Kinder, sie lässt sich gerade von ihrem Mann scheiden und will nichts mit einem Verheirateten anfangen. So werden keine Telefonnummern ausgetauscht, doch zufällig begegnet man sich bald wieder.
In konsequenter Parallelmontage stellt Lisa Azuelos den Alltag von Pierre und Elsa einander gegenüber, trennt sie dadurch, macht aber gleichzeitig die Nähe spürbar, wenn Szenen ineinander fließen oder er auf seinem Roller das gleiche Lied wie sie im Auto singt.
Der Clou des Films ist aber, dass die Regisseurin bei den zufälligen Begegnungen die Beziehung zwar immer wieder weiter spinnt, sich diese Entwicklung dann aber als Traum oder Gedankenspiel von Pierre oder Elsa entpuppt. Lustvoll werden so Zuschauererwartungen düpiert und im Konjunktiv über die Liebe reflektiert.
An Klischees fehlt es dabei nicht und hemmungslos arbeitet Azuelos in den Traumsequenzen mit kräftigen Farben, künstlichem Licht und Songs von „Happy Together“ bis Robbie Williams´ „Feel“, aber dank des spielerisch-leichten Umgangs mit Motiven und Stilmitteln, der spritzigen Inszenierung und den wunderbar harmonierenden Hauptdarstellern bereitet diese mit 80 Minuten auch angenehm kurze Petitesse durchgehend Vergnügen.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Mo 1.9. bis bis Fr 5.9.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 11.9., 20 Uhr + Sa 13.9., 22 Uhr