Das PulsArt Ensemble der Stella Privathochschule in Feldkirch (Foto: Victor Marin)
Walter Gasperi · 27. Sep 2012 · Film

Aktuell in den Filmclubs (28.9. - 4.10. 2012)

Ein Kleinod ist dem Belgier Pierre Duculot mit seinem Langfilmdebüt „Das Haus auf Korsika“ gelungen, das diese Woche vom TaSKino Feldkirch gezeigt wird. Die Fortsetzung von Julie Delpys Culture-Clash-Komödie „2 Tage Paris“ steht dagegen mit „2 Tage New York“ auf dem Programm des Filmforum Bregenz.

Au cul du loup - Das Haus auf Korsika: Urlaubsgefühle weckt der deutsche Titel, wesentlich deftiger und auch treffender ist aber der Originaltitel, der übersetzt „Am Arsch des Wolfs“ heißt. Das Haus, das die 30jährige Belgierin Christina von ihrer Oma erbt, liegt nämlich nicht idyllisch an der Küste, sondern im rauen korsischen Bergland in einem Kaff mit gerade mal 12 Einwohnern. Schon bei der Testamentseröffnung denken Christinas Eltern nur ans Verkaufen, doch sie selbst ist sich diesbezüglich nicht so sicher. Denn rosig ist die Lage in der belgischen Bergarbeiterstadt Charleroi ja auch nicht, Job gibt es hier für die junge Frau mit einem Kunststudium so wenig wie für ihren Vater. Also bricht sie kurzerhand mal nach Korsika auf, stößt dort zwar nur auf eine Bruchbude, doch findet sie rasch Gefallen an dem einfachen Leben abseits jeder Zivilisation und der Möglichkeit sich von den einengenden Eltern und dem im Alltagstrott verharrenden Freund zu befreien und ihrem Leben eine ganz neue Richtung zu geben.
Pierre Duculots Langfilmdebüt besticht durch den genauen Blick für Menschen und Situationen. Wie die Dardennes fängt er in Blau- und Grautönen die Tristesse der belgischen Kleinstadt ein und stellt dieser trostlosen Region die majestätische, aber raue und nie idyllisch verklärte korsische Bergwelt gegenüber. Unaufgeregt und ohne große Überraschungen ist das erzählt, lässt den Zuschauer aber gerade durch diesen ruhigen Erzählrhythmus zusammen mit der von Christelle Cornil wunderbar natürlich gespielten Christina in diese ursprüngliche Welt eintauchen, in der sie auch die Fäden ihrer Familiengeschichte wieder aufnimmt, und macht ihren Entschluss, ihrem Leben eine radikale Wende zu geben, nachvollziehbar.
TaSKino Feldkirch im Feldkircher Kino Rio: Fr 28.9., 22 Uhr; Sa 29.9., 22 Uhr; Mo 1.10., 18 Uhr

 

2 Tage New York: Fünf Jahre nach „2 Tage Paris“ legt Julie Delpy eine Fortsetzung ihres Spielfilmdebüt vor: Die in die USA übersiedelte Marion (Julie Delpy) und ihr neuer Freund Mingus (Chris Rock) erhalten in New York Besuch von Marions recht schräger Familie. Im Mittelpunkt steht Mingus, der erstaunt bis entsetzt vom Verhalten der Gäste aus Europa ist.
Keine Sightseeing-Tour durch New York wird geboten, vielmehr konzentriert sich  Delpy ganz auf die Figuren, die hier aufeinanderprallen. Wenn beim Familienbesuch weltoffenes Frankreich auf prüdes Amerika trifft entwickelt „2 Tage New York“ beträchtlichen Witz. Wie es in „2 Tage Paris“ um George Bush und den Irak-Krieg ging, so geht es nun immer wieder um Barack Obama, der das große Idol von Mingus ist, von Marions Familie aber äußerst kritisch gesehen wird. Kein Wunder, dass die Franzosen bei einem  Gespräch mit einem Obama-Berater kräftig ins Fettnäpfchen treten.
Lustvoll spielt die mit beiden Kulturen bestens vertraute Delpy mit Klischees, deckt aber auch innerfamiliäre Gegensätze auf und lässt die Protagonistin über ihre persönliche Situation als wenig erfolgreiche Künstlerin reflektieren. Man spürt das Vorbild Woody Allens nicht nur in den schnellen Dialogen, sondern auch in der Auseinandersetzung mit schwerer Krankheit, der Existenz der Seele sowie mit Kunstkritik. Schön bissig ist diese Sommerkomödie in ihren besten Momenten, doch insgesamt kann sie es an Spritzigkeit nicht mit den Meisterwerken Allens aufnehmen.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 3.10., 20 Uhr; Fr 5.10., 22 Uhr