„Antigone" in einer Bearbeitung von Michael Köhlmeier derzeit im Theater Kosmos in Bregenz zu sehen.(Foto: Jan Friese)
Walter Gasperi · 27. Mär 2011 · Film

Aktuell in den Filmclubs (28.3. - 3.4. 2011)

Das Filmforum Bregenz zeigt diese Woche mit David Finchers „The Social Network“ einen mitreißenden Film über den „Facebook“-Gründer Mark Zuckerberg. Liebesturbulenzen stehen dagegen im Mittelpunkt von Leander Haussmanns „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“, der in der Harder Kammgarn gezeigt wird.

The Social Network: Über 600 Millionen Nutzer hat das soziale Netzwerk "Facebook" inzwischen, seinen Gründer Mark Zuckerberg zeichnet David Fincher aber als zutiefst einsamen Menschen. – Das ist die bitterböse Pointe dieses Films , der dem Zuschauer von der ersten Szene an mit seinem Tempo und seiner Dichte förmlich den Atem raubt. Fincher ist nicht an der Nachzeichnung des Lebens des 1984 geborenen Mark Zuckerberg interessiert, sondern entwickelt vielmehr ausgehend von zwei Prozessen gegen den Nerd in multiperspektivischer Rückblendenstruktur ein schillerndes Psychogramm. Immer wieder wird die Kamera diesen „Milliardär per Zufall“ isolieren, nicht nur in den Verhandlungs, in denen er sich allein in seinen Laptop vertieft, sondern auch in den Rückblenden.
Dialoglastig ist „The Social Network“ zwar, doch vernachlässigt Fincher trotzdem nie die visuelle Ebene. Brillant werden die verschiedenen Milieus gezeichnet, großartig unterstützt von Trent Reznors fantastischem, sich variantenreich der jeweiligen Szene anpassenden und so Atmosphäre schaffenden Soundtrack. Offen zur Schau gestellt wird diese Meisterschaft aber nie, auf Spielereien verzichtet Fincher, konzentriert sich auf die ökonomische Umsetzung von Aaron Sorkins brillantem Drehbuch.
Nicht um historische Rekonstruktion geht es hier, auch nicht um im Zusammenhang mit "Facebook" immer wieder aufgeworfene Fragen von Datenschutz und sozialer Vereinsamung, sondern um das Porträt einer Generation anhand einer markanten Einzelperson – und wie alle Filme Finchers um die Unmöglichkeit des Glücks und die Verdammnis zur Einsamkeit.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi, 30.3., 20 Uhr; Fr, 1.4., 22 Uhr


Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe: Vom Namen der Titelfigur angefangen, der natürlich an Bob Dylan erinnert, treibt Leander Haussmann in seinem fünften Spielfilm auf allen Ebenen ein Spiel mit Vorbildern, Genres, Figuren- und Plotmustern. Darauf stimmt schon der Beginn ein, wenn der Zuschauer sogleich in ein vom jungen Robert Zimmermann entworfenes Ego-Shooter-Spiel versetzt wird. Ein cooler junger Mann von heute ist dieser Robert, in einer WG mit seinem Kollegen Ole lebend und mit Beziehung zu einer flotten Blondine, doch dann trifft ihn förmlich die Liebe wie der Blitz.
Die charmanten, aber auch vorhersehbaren Bemühungen um die gut 20 Jahre ältere alleinerziehende Monika sind ein Handlungsstrang des Films. Und auch hier wird immer wieder auf Mike Nichols´ Kultfilm „Die Reifeprüfung“ nicht nur angespielt, sondern explizit darauf verwiesen. Obendrauf trifft Robert später in einer Bar in einer von den Bildern Edward Hoppers inspirierten Szene den Sohn von Art Garfunkel.
Ein zweiter Handlungsstrang kreist um die familiären Turbulenzen mit Trennung der Eltern, die sich - zumindest vorübergehend – deutlich jüngere Partner suchen und die lesbische Schwester, die sich sehr zur Verärgerung ihrer schwergewichtigen, äußerst maskulinen Partnerin Marga von einem Freund schwängern lässt.
Überall schlägt hier somit zwar die Liebe ein, aber wirklich zündend oder spritzig wirkt das nie, vielmehr müde und abgegriffen. Denn Haussmann kann sich nicht entscheiden, ob sein Film Parodie und Burleske oder Romanze sein soll. So kann man aber weder Mitgefühl mit den krass überzeichneten und auf Karikaturen reduzierten Figuren entwickeln noch angesichts der harmlosen und wenig originellen Witze wirklich über sie lachen. Zudem plätschert diese ohne Verve und Esprit inszenierte Aneinanderreihung von halbkomischen und substanzlosen Szenen und Anekdoten ziemlich tempolos dahin.
Kammgarn, Hard: Mi, 30.3., 20.30 Uhr