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24.06.2021 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (25.6. - 1.7. 2021)

Im Filmforum Bregenz begleitet "Lovecut" drei jugendliche Paare durch ein sommerliches Wien. "Los Lobos", der diese Woche im Kinotheater Madlen in Heerbrugg und nächste Woche im Filmforum Bregenz läuft, erzählt dagegen aus Kinderperspektive von mexikanischen Migranten in den USA.

Los Lobos: Eine junge alleinerziehende Mexikanerin versucht mit ihren beiden kleinen Söhnen in den USA ein neues Leben zu beginnen, doch der Traum von Disneyland ist fern. Während die Mutter versucht mit diversen Jobs den Lebensunterhalt zu verdienen, bleiben die Kinder allein in ihrer kleinen Mietwohnung.
Ganz auf Augenhöhe mit den von den beiden Brüdern Maximiliano Nájar Márquez und Leonardo Nájar Márquez famos gespielten Söhnen bleibt Samuel Kishi Leopo. Vertreiben sie sich zunächst mit Fußball oder unerlaubter Bemalung der Wände die Zeit, hören eine Kassette mit einer Aufzeichnung des Großvaters an, die die Erinnerung an ihre Heimat wach hält, oder lernen Englisch, wächst langsam doch, gesteigert durch Blicke durch das Fenster, der Wunsch, die Enge zu verlassen und mit Gleichaltrigen zu spielen.
Einfach und klein gehalten ist die Geschichte. Wie Hirokazu Kore-eda im teilweise verwandten "Nobody Knows" verzichtet Kishi Leopo auf Dramatisierung und beschränkt sich auf Alltägliches. Weitgehend kommt er dabei mit drei SchauspielerInnen aus, doch durch den genauen und empathischen Blick auf seine ProtagonistInnen und sein Gespür für die Nebenfiguren und das Milieu gelingt dem 37-Jährigen ein atmosphärisch dichtes und bewegendes Porträt eines Lebens am Rande der Glücksversprechungen der US-amerikanischen Gesellschaft. Prägnante Bilder für diesen Widerspruch findet Kishi Leopo nicht nur in der Kontrastierung von Disneyland und Lebensrealität, sondern auch wenn zwischen den riesigen Gängen einer Lagerhalle im Hintergrund markant die US-Flagge hängt.
Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 28.6., 20.15 Uhr
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 7.7. 20 Uhr


Lovecut:
In lockerem Fluss folgen Iliana Estañol und Johanna Lietha sechs Jugendlichen durch Wien, erzählen von Sehnsüchten und Liebe, aber auch von Ängsten in Zeiten der digitalen Medien.
Nah dran ist die bewegliche Handkamera von Steven Heyse und Georg Geutebrück an den sechs Protagonist*innen. Ungekünstelt und wie improvisiert wirkt die Erzählweise über weite Strecken, nur wenige Szenen machen einen etwas hölzernen Eindruck. Wesentlich zum Gelingen des Films trägt auch das zu einem großen Teil aus Laien bestehende Ensemble bei, für das über 300 Jugendliche gecastet wurden. Dicht und authentisch werden durch die frische Inszenierung und das natürliche Spiel der Jugendlichen die Gefühle eingefangen.
Ganz auf Augenhöhe mit diesen Teenagern sind Estañol und Lietha, ihr Umfeld wird mit Ausnahme der Eltern und des Bewährungshelfers eines der Jugendlichen ausgespart. Klischeehaft ist zwar die Zeichnung der Eltern, doch dieser Konflikt macht auch das Spannungsfeld zwischen Erwachsenen und Jugendlichen, zwischen Sicherheitsdenken und dem Wunsch Dinge auszuprobieren sichtbar.
Den Coming-of-Age-Film erfinden Estañol und Lietha zwar nicht neu, erzählen aber in ihrem offen endenden Episodenfilm unverfälscht und echt und bringen mit der heutigen Rolle von Internet und sozialen Medien aktuelle Aspekte ins Spiel. Da geht es dann auch nicht nur um Wünsche und Sehnsüchte sowie um Ängste, die verhindern, dass man dem Anderen gegenüber offen und ehrlich ist, sondern auch um Täuschungen und Gefahren durch die neuen Medien.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 30.6. 20 Uhr

Weitere Filmkritiken, Streamingtipps, DVD-Besprechungen und Regisseur-Porträts finden Sie auf meiner Website https://www.film-netz.com.

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