"Mit einem Tiger schlafen": Anja Salomonowitz‘ Spielfilm über die Künstlerin Maria Lassnig derzeit in den Vorarlberger Kinos (Foto: Stadtkino Wien Filmverleih)
Walter Gasperi · 22. Sep 2016 · Film

Aktuell in den Filmclubs (23.9.. - 29.9. 2016)

TaSKino Feldkirch und Filmforum Bregenz zeigen diese Woche Matt Ross´ ebenso unterhaltsamen wie intelligenten „Captain Fantastic“. Am Spielboden Dornbirn läuft in der Reihe „Horrorfilme von Frauen“ Jennifer Kents meisterhaftes Debüt „Der Babadook“.

Captain Fantastic: Ben Cash (Viggo Mortensen) und seine Frau Leslie haben sich mit ihren sechs Kindern seit langem von der Welt zurückgezogen. Sie leben in den Wäldern im Nordwesten der USA völlig autark in einer Blockhütte. Die Jagd mit einem Messer auf einen Hirsch fungiert für den ältesten Sohn Bodevan als Initiationsritus in die Erwachsenenwelt. Aber auch umfangreiches Wissen vermittelt Ben seinen Kindern, doch die Fakten dienen nur als Grundlage, wichtiger ist ihm die Diskursfähigkeit.
Was aber passiert, wenn diese Aussteiger, die Nike nur mit der griechischen Siegesgöttin und Dr. Spock mit dem berühmten amerikanischen Kinderarzt assoziieren und weder Cola noch Videospiele kennen, mit der „realen“ Welt konfrontiert werden. Dieser Fall tritt ein, als die Ehefrau und Mutter im Krankenhaus stirbt und Ben mit seinen Kindern quer durch die USA zu ihrem Begräbnis reist.
Ein uramerikanischer Film ist „Captain Fantastic“ im Blick auf die USA, ist wunderbar ambivalent nicht nur in der Kritik an der US-Gesellschaft und der Zerstörung des Landes einerseits und der Feier Amerikas in den Bildern der unberührten Natur andererseits, sondern auch im Blick auf die Protagonisten. So gegensätzlich nämlich der Schwiegervater und Ben auch sein mögen, so wollen doch beide nur das Beste für die Kinder.
Nicht nur den traditionellen amerikanischen Erziehungs- und Bildungsstil kritisiert Matt Ross in seinem höchst unterhaltsamen zweiten Spielfilm, sondern er stellt zunehmend auch die Methode Bens in Frage. Dieser wird nämlich nicht nur einsehen müssen, dass er seine Kinder auch einmal loslassen muss, sondern auch, dass der völlige Rückzug aus der Welt keine Lösung ist, dass vielmehr Kompromisse eingegangen werden müssen, um sie auf die Welt vorzubereiten.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Fr 23.9 + Sa 24.9., 22 Uhr
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz:
Do 29.9., 20 Uhr + Sa 1.10., 22 Uhr


Der Babadook:
Wird die allein erziehende Amelia von einem geheimnisvollen Wesen bedroht oder treiben sie ein unbewältigtes Trauma und Überlastung in Wahnsinn und Zusammenbruch?
Unübersehbar auf den Spuren von Roman Polanskis „Rosemarys Baby“, William Friedkins „Der Exorzist“ und auch Stanley Kubricks „Shining“ wandelt Jennifer Kent bei ihrem Debüt, schafft aber nicht zuletzt durch die anders gelagerten Probleme der Hauptfiguren etwas ganz Eigenes.
Souverän arbeitet die Australierin nicht nur mit den Motiven des „Haunted House“ und spielt mit dem Keller als Raum, in dem Unterbewusstes verborgen liegt, sondern verknüpft auch geschickt das Märchen „Die drei kleinen Schweinchen“ sowie Filme und Dokumentationen, die Amelia im Fernsehen sieht, mit ihrer psychischen Verfassung und Wahrnehmung.
Was sich nach außen hin als klassischer Horrorfilm gibt, entpuppt sich so im Kern als ein beklemmendes Drama über lange verdrängte, nicht bewältigte familiäre Traumata, die sich zunehmend in Gewalt zu entladen drohen. Scheint es zunächst der kleine Sohn zu sein, der dringend professionelle Hilfe braucht, so wird zunehmend klar, dass die Mutter psychisch weit angeschlagener ist: Der Babadook dringt nicht von außen ein, sondern ist letztlich der Dämon im Innern der Protagonistin, die besessen wie das Mädchen in „Der Exorzist“, immer mehr zwischen fürsorglichem Umgang mit Samuel und Gewaltausbrüchen pendelt.
Spielboden Dornbirn: Mi 28.9., 19.30 Uhr