Das Wiener Burgtheater war mit Molières „Der Menschenfeind“ unter der Regie von Martin Kušej im Bregenzer Festspielhaus zu Gast ( Foto: Matthias Horn))
Walter Gasperi · 21. Jul 2016 · Film

Aktuell in den Filmclubs (22.7. - 28.7. 2016)

Der FKC Dornbirn zeigt diese Woche den packenden spanischen Thriller „Marshland – La isla minima“, der in den kommenden Wochen auch bei den anderen Filmclubs auf dem Programm steht. Beim TaSKino Feldkirch gibt es mit Ben Wheatleys Adaption von J. G. Ballard Roman „High-Rise“ eine visuell aufregende und inhaltlich intelligente dystopische Gesellschaftssatire zu sehen.

High-Rise: Je nach sozialer Schicht bewohnen die Menschen vom Erdgeschoss bis zum Penthouse ein modernes Hochhaus. Doch zunehmend regt sich Widerstand der Unterprivilegierten.
Nachdem Bong Joon-ho im fulminanten „Snowpiercer“ die Gesellschaftspyramide in die Waggons eines Zugs verlegte, überträgt sie Wheatley in seiner Verfilmung von J. G. Ballards 1975 erschienenem Roman treffend auf ein Hochhaus. Der Brite hat den Roman dabei nicht aktualisiert, sondern evoziert mit Kleidung, Frisuren und Autos, aber auch mit Songs wie Abbas "SOS" die Stimmung der 1970er Jahre.
Der Hedonismus der Oberschicht und deren Extravaganzen wie ein Pferd im Garten des Penthouses wird ebenso karikiert wie die Arroganz einer Schauspielerin, doch auch die Mittelschicht ist hier kein Sympathieträger, wird sie doch ganz von Trieben gesteuert und neigt zu brutaler Gewalt, die die Menge ohne einzugreifen emotionslos geschehen lässt.
Nicht nur im Look, sondern auch im anarchischen Gestus ist „High-Rise“ damit ein Film im Stil der 1970er Jahre, im speziellen von Claude Faraldos „Themroc“. Und doch ist diese mit dem potentiellen zukünftigen Bond-Darsteller Tom Hiddleston, Jeremy Irons und Sienna Miller hochklassig besetzte Dystopie angesichts heutiger sozialer Spannungen durchaus aktuell. – Auf die explizite und platte Kapitalismuskritik im Finale hätte Wheatley bei seiner formal eigenwilligen und inhaltlich vielschichtigen und zu Diskussionen anregenden pechschwarzen Satire freilich verzichten können.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: bis Mi 27.7.

Marshland – La isla minima: Ein ungleiches Ermittlerduo jagt einen Serienkiller. – Die Plot an sich ist altbekannt, doch Alberto Rodríguez´ Thriller „Marshland“ ist alles andere als ein billiger Abklatsch von Klassikern wie David Finchers „Se7en“ oder der ersten Staffel der TV-Serie „True Detective“.
Perfekt und atmosphärisch dicht verankert der Spanier die 1980 spielende Handlung im südlich von Sevilla gelegenen Mündungsgebiet des Guadalquivir. Ausstattung und Kostüme versetzen den Zuschauer von der ersten Minute an in diese Zeit.
Franco ist zwar seit fünf Jahren tot, doch die Zeit der Diktatur ist noch nicht überwunden. Die gesellschaftlichen Spannungen spiegeln sich auch in den beiden Polizisten Pedro (Raúl Arévalo) und Juan (Javier Gutiérrez), die aus Madrid in die sumpfige Flusslandschaft kommen, um nach einem Serienmörder zu fahnden. Während der junge Pedro ein Vertreter der neuen Ordnung ist, arbeitete Juan schon unter Franco.
Keine Schwachstelle gibt es hier, hochspannend und in genau getimtem Wechsel von ruhigen und bewegten Szenen entwickelt sich „Marshland“ von der ersten bis zur letzten Minute, bringt zwar eine Lösung des Mordfalls, löst aber Verunsicherung über das Ende hinaus aus, denn Rodriguez macht deutlich, dass die Täter des Franco-Regimes auch nach dem Tod des „El Caudillo“ noch aktiv waren.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 27.7., 18 Uhr + Do 28.8., 19.30 Uhr
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Di 2.8. bis Fr 5.8.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 11.8., 20 Uhr + Fr 13.8., 22 Uhr
Spielboden Dornbirn: Sa 17.9. + Fr 23.9.  – jeweils 19.30 Uhr