Tobias Grabher, die Camerata Musica Reno und Michael Köhlmeier bescherten dem Publikum ein „österliches Cineastenfest“.
Walter Gasperi · 19. Jun 2011 · Film

Aktuell in den Filmclubs (20.6. - 26.6. 2011)

Im Kino Madlen in Heerbrugg läuft diese Woche mit Anka Schmids „Mit dem Bauch durch die Wand“ ein erfrischender Dokumentarfilm, bei dem drei Teenager-Mütter drei Jahre lang durchs Leben begleitet werden. Eine Komödie, die vor Dialogwitz sprüht und von einem lustvoll aufspielenden Ensemble getragen wird, zeigt dagegen das Filmforum Bregenz mit Francois Ozons „Potiche - Das Schmuckstück“.

Mit dem Bauch durch die Wand: Die Schweizerin Anka Schmid begleitet in ihrem Dokumentarfilm drei Teenager, die Mütter werden, von der Schwangerschaft bzw. Geburt des Kindes bis etwa zum vierten Lebensjahr des Kindes: Die eine bleibt beim Freund, heiratet ihn sogar, bekommt ein zweites Kind. Die andere muss ihr Kind in ein Heim geben, weil sie selbst arbeiten muss, die dritte wird von ihrer Mutter und Freundinnen unterstützt.
Anka Schmid reiht bei ihrer Langzeitbeobachtung weitgehend chronologisch kurze Szenen aneinander und springt dabei im Stil der Raps, die einer der drei jungen Väter schreibt, zwischen den aus ganz unterschiedlichen sozialen Milieus stammenden Teenager-Müttern hin und her. Tempo entwickelt der kommentarlose Film dadurch, gewinnt durch den schnellen Szenenwechsel Schwung und Witz und vermittelt einen ebenso facettenreichen wie bruchstückhaften Einblick in die Entwicklung der Mütter und ihrer Kinder. In dieser lockeren und befreiten Erzählweise ist Schmid auch nah an der Gefühlswelt ihrer ProtagonistInnen, die mit der neuen Situation ihre Ungebundenheit und Freiheit abrupt verlieren und lernen müssen Verantwortung zu übernehmen.
Da die Protagonistinnen selbst die Drehzeit jeweils bestimmten und natürlich im Bewusstsein, dass die Kamera dabei ist, agierten, mag das Bild insgesamt geschönt sein, nah dran an den Jugendlichen, ungekünstelt und lebensecht wirkt dieser erfrischend optimistische und lebensfrohe Dokumentarfilm aber dennoch.
Kino Madlen, Heerbrugg: Mo 20.6., 20.15 Uhr

Potiche – Das Schmuckstück: Regenschirmfabrikant Pujol (Fabrice Luchini) sieht in seiner Gattin (Catherine Deneuve) nur ein „Potiche“, ein Schmuckstück, das nett anzusehen, aber im Grunde bestenfalls für Küche und Kindererziehung zu gebrauchen ist. Das traute Heim soll ihr Reich sein, die Firma leitet der Mann, der sich nebenbei selbstverständlich auch eine Geliebte und wöchentliche Besuche im Bordell erlaubt. Als Monsieur, der auch seine Arbeiter tyrannisiert und damit einen Streik provoziert, aber krankheitsbedingt ausfällt, übernimmt Madame die Führung der Firma. Ein Chaos wird befürchtet, doch ganz im Gegensatz dazu läuft alles wunderbar rund, gewinnt Madame die Arbeiter für sich und genießt auch selbst die neue Rolle, bis sich der Gatte von der Kur zurückmeldet.
Mit „Potiche“ knüpft Francois Ozon an seinen Erfolg mit „8 Frauen“ an. Pierre Barillets und Jean-Pierre Grédys Boulevardkomödie von 1980 verlegte Ozon ins Jahr 1977 und erzählt unterstützt von einem blendend aufgelegten Schauspielerensemble lustvoll die Geschichte einer Emanzipation, spielt aber auch mit den Mustern der Boulevardkomödie. In grellste 70er Jahre Farben verpackt er seinen Film, lässt seine SchauspielerInnen hemmungslos überspielen und erweist im cholerischen Firmenchef dem legendären Louis de Funés seine Reverenz. Daneben will Ozon „Potiche“ aber auch als Abrechnung mit den politischen Verhältnissen im Frankreich Nicolas Sarkozys verstanden wissen und hat raffiniert originale Aussagen des französischen Präsidenten in seine Komödie verpackt.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 22.6., 20 Uhr; Fr 24.6., 22 Uhr