Chris Haring/Liquid Loft beim tanz ist Festival am Spielboden Dornbirn (Foto: Stefan Hauer)
Walter Gasperi · 12. Mär 2015 · Film

Aktuell in den Filmclubs (13.3. - 19.3. 2015)

Am Spielboden Dornbirn läuft diese Woche im Rahmen der Reihe „Es liegt noch so viel vor uns!“ das meisterhafte chinesische Drama „Tao jie – Ein einfaches Leben". Beim TaSKino Feldkirch und Filmforum Bregenz steht der mit dem Oscar ausgezeichnete Dokumentarfilm „Citizenfour“, in dessen Mittelpunkt die Enthüllungen Edward Snowdens stehen, auf dem Programm.

Tao jie – Ein einfaches Leben: Aus der Geschichte um eine Frau, die 60 Jahre lang im Haus einer reichen Familie diente, nach einem Schlaganfall aber selbst zum Pflegefall wird, hätte leicht eine tränendrückende Schnulze werden können. Haarscharf an der Grenze zur Sentimentalität bewegt sich Ann Hui dann auch, doch ihr Film ist von einer Zurückhaltung und einer Menschenliebe, dass tiefste Wahrhaftigkeit aus ihm strahlt.
Hier werden die Problematik der Überalterung einer Gesellschaft und die Zunahme der Pflegefälle nicht breit thematisiert, sondern eher beiläufig ins Bild gerückt, und den entwürdigenden Zuständen in überfüllten Altersheimen stellt die Hongkong-Chinesin Menschlichkeit gegenüber. Denn mit der Krankheit der Dienerin merkt der ansonsten so gestresste Sohn der Familie, dass sein Job Nebensache ist, er nun als Mensch gefordert ist, und er beginnt zu versuchen, der Dienerin zumindest teilweise das zu vergelten, was sie für ihn geleistet hat. – Großes Kino der Gefühle ist das, aber nie verlogen, sondern ganz nah am Leben.
Spielboden Dornbirn: Fr 13.3. + Di 31.3. - jeweils 20 Uhr

Citizenfour: Nach einem Film über den Irak-Krieg („Irak – Mein fremdes Land“) und nach einem über die Al-Kaida und Guantanamo („Der Eid – Einblicke in das Al-Kaida-Netzwerk“) arbeitete die Künstlerin und Dokumentarfilmerin Laura Poitras gerade am abschließenden Film einer Trilogie über die USA nach 9/11, als die wegen ihrer Filme selbst unter Überwachung des Geheimdienstes stehende Regisseurin im Jänner 2013 ein verschlüsseltes Mail erhielt. Der sich als Citizenfour ausgebende Autor versprach ihr Informationen über die Überwachung der Bürger durch die NSA.
Sechs Monate später traf sich Poitras mit Edward Snowden und den „Guardian“-Journalisten Glenn Greenwald und Ewen MacAskill in einem Hotelzimmer in Hongkong. Acht Tage lang – und die Inserts der Wochentage strukturieren den Film - gab Snowden seine Geheimnisse preis und Greenwald veröffentlichte diese und schließlich auch - mit Snowdens Zustimmung - den Namen des Informanten.
Auf Hintergrundinformationen wird verzichtet, ganz auf die Aufdeckung des weltweiten Überwachungssystems und die Wirkung der Veröffentlichung dieser Fakten konzentriert sich der mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnete Film.
Poitras, die selbst nie ins Bild kommt und nur über ihren e-mail-Verkehr mit Snowden präsent ist, rekonstruiert nicht Vergangenheit, sondern zeichnet hautnah und als unmittelbare Zeugin die Ereignisse nach und lässt den Zuschauer dadurch die Enthüllungen hautnah miterleben.
Filmisch ist das wenig aufregend, bietet visuell nicht viel, lebt vom Wort. Wie hier aber ein zeitgeschichtliches Ereignis zwangsläufig ohne Drehbuch festgehalten wurde, packt dennoch und gleichzeitig verunsichern die Fakten nochmals nachhaltig und schüren die Angst ständig und überall überwacht zu werden.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Di 17.3. + Do 19.3. – jeweils 20.30 Uhr; Mi 18.3., 18 Uhr
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 18.3., 20 Uhr + Fr 20.3., 22 Uhr