Die Wiener Noise-Rocker Bulbul sind als Band live bei einer Liquid Loft-Produktion beim tanz ist Festival dabei (Foto: Stefan Hauer)
Walter Gasperi · 12. Okt 2017 · Film

Aktuell in den Filmclubs (13.10. - 19.10. 2017)

Das Takino Schaan zeigt diese Woche im Kunstmuseum Liechtenstein Abdherrahamane Sissakos meisterhaften Spielfilm „Bamako“. Eine flotte Komödie über den Kampf Schweizer Frauen fürs Wahlrecht steht dagegen mit „Die göttliche Ordnung“ am Spielboden Dornbirn im Rahmen der "gender:impulstage 2017“ neben zwei Dokumentarfilmen auf dem Programm.

Die göttliche Ordnung: Neben den beiden Dokumentarfilm „Embrace – Du bist schön“ (Di 17.10., 19.30 Uhr) und „Man for a Day“ (Mi 18.10., 19.30 Uhr) zeigt der Spielboden Dornbirn in Kooperation mit dem Verein Amazone im Rahmen der „gender:impulstage 2017“ auch Petra Volpes flotte Komödie um den erst 1971 erfolgreichen Kampf der Schweizer Frauen fürs Wahlrecht.
Das Thema ist ernst, doch Volpe schlägt leichte Töne an, mixt gekonnt Komödie mit Drama, blickt aber dennoch genau auf die Unterdrückung der Frauen und deckt in vielen Details die Herrschaft der Männer auf. An die britischen Komödien eines Nigel Cole wie „Kalender Girls“ oder „We Want Sex“ erinnert „Die göttliche Ordnung“ in seinem Erzählton und seinen starken, prägnant gezeichneten Frauen, besticht wie diese Filme in der durch die penible Ausstattung unterstützte Verankerung in Zeit und Milieu und ein bis in die Nebenrollen hinein perfekt gecastetes Frauenensemble.
Erst gegen Ende wird diese Komödie, die sich nicht nur in der Schweiz, sondern im ganzen deutschsprachigen Raum zum Publikumserfolg entwickelte, etwas sprunghaft, wenn die 47-jährige Regisseurin Probleme mehr abhakt als sie wirklich ausführlich zu erzählen. Etwas zu viel hat Volpe somit insgesamt vielleicht hineingepackt, aber ein ebenso unterhaltsamer, leichthändiger und doch engagierter Film, der eine überwundene Zeit in Erinnerung ruft, ist ihr dennoch gelungen.
Spielboden Dornbirn: Do 19.9., 19.30 Uhr


Bamako:
Ein Innenhof in Bamako, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Mali, ist der zentrale Schauplatz von Abdherrahmane Sissakos drittem Spielfilm. Wie eine Theaterbühne wird dieser Platz am Beginn des Films präsentiert und hergerichtet – Welttheater findet hier statt: Bänke für eine Gerichtsverhandlung werden aufgestellt. Anklage erheben die Afrikaner gegen die Weltbank und den Internationalen Währungsfond und Sissako bringt die Not Afrikas ganz konkret auf den Punkt.
Bilder benötigt er dazu nicht, er lässt die Zeugen, die sonst von der Welt nie gehört werden, sprechen: Sie klagen über die Privatisierung, die zur Einstellung von Eisenbahnlinien führten, über geringe Sozialausgaben, die den Verfall des Schulwesens und der medizinischen Versorgung verursachten und immer noch verursachen. Mehr Geld bleibt dafür aber nicht, denn 40% des Staatshaushalts muss für die Rückzahlung der Schulden an die reichen Industrienationen aufgewendet werden.
In den ruhig, fast dokumentarisch gefilmten Prozess lässt Sissako immer wieder beiläufig Alltagsszenen einfließen. So sieht man im Hof auch Kinder spielen, Frauen Stoffe färben oder Kleider zum Trocknen aufhängen. Die Ausgesperrten verfolgen den Prozess vor den Toren über Lautsprecher und kappen auch dann und wann den Kontakt, um die heuchlerischen Rechtfertigungen des Verteidigers nicht hören zu müssen.
Inhaltlich ist „Bamako“ ein Schwergewicht, doch in den zahlreichen impressionistischen Seitenblicken, in der kunstvollen Verflechtung von Prozess und Alltag, von Privatem und Öffentlichem, von individuellen Schicksalen und Not eines ganzen Kontinents und letztlich von dokumentarischem Gestus und Inszenierung wirkt dieser Film federleicht und wie hingetupft, ohne freilich dabei an Klarheit in der Analyse und Schärfe in der Anklage einzubüßen.
Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz: Do 19.10. 20 Uhr