Das Wiener Burgtheater war mit Molières „Der Menschenfeind“ unter der Regie von Martin Kušej im Bregenzer Festspielhaus zu Gast ( Foto: Matthias Horn))
Walter Gasperi · 31. Mai 2018 · Film

Aktuell in den Filmclubs (1.6. - 7.6. 2018)

Beim Filmforum Bregenz steht diese Woche die französische Komödie „Eine bretonische Liebe" auf dem Programm. Im Takino Schaan wird im Rahmen der Liechtensteiner Literaturtage unter anderem Michael Glawoggers Spielfilm „Slumming“ gezeigt.

Ôtez-moi d'un doute - Eine bretonische Liebe: Immer noch liegen an der französischen Atlantikküste Minen aus dem Zweiten Weltkrieg vergraben. Aufgabe von Erwan Gourmelon (François Damiens) ist es diese ausfindig zu machen und dann zu entschärfen. Die Symbolik seines Berufs und der ersten Szene, in der er im Sand eine Mine freilegt, ist spätestens dann offensichtlich, wenn ihm von einem Arzt mitgeteilt wird, dass der Mann, den er für über 40 Jahre für seinen Vater hielt, nicht sein biologischer Vater ist.
Nach erstem Schock und Zögern macht Erwan über eine Privatdetektivin seinen leiblichen Vater ausfindig und knüpft Kontakt zu ihm. Gleichzeitig möchte er aber auch seine schwangere Tochter dazu bewegen, nach dem Kindsvater – einem One-Night-Stand - zu suchen. Noch komplizierter wird die Situation für Erwan, als er sich in die Ärztin Anna (Cecile de France) verliebt, die sich bald als Tochter seines leiblichen Vaters – und damit als seine Halbschwester – entpuppt.
Stehen in Filmen meist Mutterrollen und Mutter-Kind-Beziehungen im Mittelpunkt, fokussiert mit Carine Tardieu überraschenderweise eine Frau auf der Vaterrolle. Konsequent spielt die Französin dieses Thema durch, treibt es in jeder Szene weiter. Die Mütter sind hier schon früh abgehauen oder gestorben, den Vätern oblag die Erziehung ihrer Töchter.
Mögen die vielfältigen Verknüpfungen auch konstruiert wirken, die blendend aufgelegten und bestens harmonierenden Schauspieler und Tardieus Gespür für den richtigen Ton, aber auch die dezente Verankerung der Handlung an der bildschönen französischen Atlantikküste nehmen für diese Komödie ein. - Große Kunst ist es zweifellos, wie Tardieu hier leichthändig ein ernstes Thema behandelt, charmante Unterhaltung bietet und dennoch nie die emotionalen Belastungen, die die Situationen für die Charaktere darstellen, verharmlost.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Fr 1.6., 22 Uhr

Slumming: Im Rahmen der Liechtensteiner Literaturtage zeigt das TaKino Schaan neben dem dänischen Film „De Vildfarne – The Lost Ones“ (Do 7.6., 20.30 Uhr) auch zwei Filme Michael Glawogger. Während der 2014 verstorbene Österreicher im Dokumentarfilm „Megacities“ (Mi 6.6., 20.30 Uhr) auf den Überlebenskampf von Menschen in Großstädten blickt, erzählt er im Spielfilm „Slumming“ von zwei gelangweilten reichen Taugenichtsen, die sich in Wien die Zeit mit dem von ihnen selbst erfundenen titelgebenden Spiel vertreiben. Dabei suchen sie aus Langeweile Orte auf, die sie sonst nie sehen würden und treiben dort fiese Spiele mit ihnen völlig fremden Menschen. Ein gefundenes Fressen ist für das Duo Kallmann, der auf einer Parkbank vor dem Wiener Westbahnhof seinen Vollrausch ausschläft: Sie packen ihn kurzerhand in den Kofferraum ihres BMW, fahren ihn ins tschechische Znaim und deponieren ihn vor dem dortigen Bahnhof. – Soll dieser Penner doch selbst schauen, wie er weiter oder zurück nach Wien kommt.
Wie sich der von August Diehl mit kühler Zurückhaltung gespielte Sebastian und Alex (Michael Ostrowski), aber auch der trinkfreudige Straßenpoet Kallmann, den Paulus Manker mit sichtlichem Vergnügen verkörpert, ziellos treiben lassen, so mäandert auch „Slumming“ dahin. Die Zeichnung markanter, bis in die Nebenrollen exzellent besetzter Typen und die lässige Aneinanderreihung detailreich gestalteter und von schwarzem Humor durchzogener Einzelszenen ist Michael Glawogger wichtiger als eine stringente Handlungsführung. Die beiden parallelen Erzählfäden kreuzen sich dabei nur an einer zentralen Stelle, bleiben ansonsten voneinander unabhängig, so wie das Leben der beiden sozialen Schichten im Grunde völlig getrennt verläuft.
Durch die bewegliche Kamera von Martin Gschlacht, die den Figuren wendig folgt, und einen flüssigen Schnitt (Christof Schertenleib) entwickelt „Slumming“ einen suggestiven Sog und bricht gleichzeitig den dokumentarischen Gestus durch surreale Bilder von Kallmanns Odyssee durch das öde  österreichisch-tschechische Grenzgebiet immer wieder auf.
Takino Schaan: Do 7.6., 18.30 Uhr